Schlichtest du noch oder TVöDst du schon?

Schlichtest du noch oder TVöDst du schon?
Am 16.12 ist der erste Verhandlungstag zur Schlichtung bei der CFM. Schlichtungsleiter ist der ehemalige Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck. Auch wenn die Streiks erstmal ausgesetzt sind, sollte Herr Platzeck in Erinnerung behalten, was wir wollen und was uns zusteht: TVöD! Vielleicht erinnert er sich auch daran, was Herr Müller schon vor Ewigkeiten zugesagt hat: die CFM kommt noch in dieser Legislaturperiode zurück in öffentliche Hand mit Tarifbindung! Hm, warum schlichten wir dann eigentlich noch?

Mensch Günther,
also Frau Senatorin, da haben sie aber ordentlich den Fettnapf zum Spritzen gebracht. Auf die Beschwerde, dass die Parkplätze am CCM zu teuer wären, empfahlen sie das Rad- oder Busfahren. Doch die Buslinie 245 wird gerade kräftig ausgedünnt. Zudem haben gar nicht alle Pflege- und schon gar nicht alle Reinigungskräfte ein Auto. Schwupps hatten sie eine Lösung parat: „einer ausgewählten Personengruppe der Charité, die durch ihre Arbeit mit Covid-19-Patienten besonders belastet ist…ein kostenloses Parkangebot…gemacht werden soll.“ Alle anderen dürfen sich also weiter der Ansteckungsgefahr im ÖPNV aussetzen. Sparen sie doch lieber das Geld für Parkhausbetreiber ein und sorgen für genügend FFP2- Masken für alle auf ihrem Arbeitsweg.

Kinder, Kinder,
Wenn Kiddies unter 12 Jahren in Quarantäne müssen, stellt sich die Frage, wer betreut die Racker zu Hause. Die Charité beruft sich aufs Gesetz und sagt, na erst mal Irgendeine und wenn es die nicht gibt (Oma und Covid passt halt nicht), dann kann Papa oder Mama sich ums Kind kümmern. Doch zunächst müssen dafür Urlaub und Überstunden genutzt werden und danach gibt es auch nur noch 67% des Gehaltes. Ja, so motiviert man das teure Personal. Gleichzeitig hören wir, dass allein in NRW rund 3500 Kolleg_innen in Kliniken aus der Quarantäne zurück zur Arbeit geholt wurden. Trotz Covid-Kontakt. Klar, wer soll dort, als auch an der Charité auch sonst noch die Patient_innen versorgen? Wie wäre es mit all den Pflegeleitungen, Vorständen usw., die unsere Warnungen vor Personalmangel und den Kampf dagegen mit Hetzkampagnen und juristischen Schritten beantworteten?

Riesenfrechheit
Wir, nein eigentlich jeder, der es wissen will, weiß, wie brisant die Arbeitsverhältnisse in Senioren-Pflegeeinrichtungen sind. Die vielen Covid-Fälle in diesen Einrichtungen zeigen es noch mal unübersehbar. Und siehe da, da hat die Bundesregierung auch eine Idee für Abhilfe. In einem Maßnahmenpaket werden 20.000 neue Jobs in der Pflege versprochen. Bei genauerem Hinsehen geht es um 20.000 Stellen für Hilfskräfte. Also Kolleg_innen, die für einen echten Hungerlohn wirklich schwere körperliche Arbeit leisten müssen. Die Bundesregierung will also nicht mehr 3-jährig ausgebildete Altenpflegekräfte einsetzen und finanzieren, sondern die schlimmste Not mit Jobs für Hilfskräfte lindern. Das ist im besten Fall ein Trostpflaster für die Jobsuchenden, die Bewohner_innen und das bereits heute überlastete Personal. Eigentlich ist es eine Riesenfrechheit!

Corona-Prämie spaltet nicht nur Pflege
Der Bund hat sich was ganz Schlaues einfallen lassen – er verspricht 1000€ Corona-Prämie, gibt den Häusern viel zu wenig Geld und dann soll der Personalrat entscheiden, welche Kolleg_innen was bekommen sollen! Wenn sie sich weigern und den Bonus für alle Beschäftigten fordern, soll gar kein Geld fließen. Und was ist mit den anderen Kolleg_innen wie z.B. in der CFM? Die gehen völlig leer aus. Daher: egal ob Charité oder andere Kliniken mit Töchtern: Ein Betrieb, ein Tarifvertrag, Corona-Prämie für alle!

Goodiebags
Als kleine Aufmerksamkeit hat die Charité vor kurzem „Goodiebags“ ausgeteilt – es gab Charité-Warnwesten, Pins und Magnete! Die Kolleg_innen am CBF hatten jedoch etwas mehr Glück gehabt – dort wurden „Unitüten“ verteilt (und da die Studis gerade fern bleiben…). Da gabs dann Energiedrinks, Schoki, Slipeinlagen und Kondome. Die Tüte hat wenigstens einen Gebrauchswert.

Aktionswoche Seelische Gesundheit  
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind uns allen be­kannt, auch schon vor Corona. Die Schwerbehindertenvertretungen haben daher eine Aktionswoche der seeli­schen Gesundheit organisiert. Gute Idee, doch bei den Arbeitsbedingungen und Schikanen sind eine Woche lei­der nicht lang genug, um unsere Gesundheit zurückzubekommen.

Holt mich hier raus…
Seit dem 1.11. hat die Charité einen neuen Pressesprecher. Der Herr Heggen kommt von der RTL-Mediengruppe. Wieso fällt mir an der Stelle jetzt ausgerechnet das Dschungelcamp ein? Wahrscheinlich weil auch an der Charité bei Schichtplanung und Arbeitsbedingungen viele Kolleg_innen durchaus Erfahrungen im Krötenschlucken besitzen…

Sie lassen nicht locker
Eigentlich sollte nach den bisherigen Erfahrungen mit Corona klar sein, wie froh wir hierzulande über noch vorhandene Klinikkapazitäten in der Fläche sein können. Gerade auch im Vergleich mit Ländern wie Großbritannien oder Spanien, wo die weit fortgeschrittenen Umbauten des Gesundheitssystems geradewegs ins Desaster geführt haben. Eigentlich. Doch  die im Auftrage u.a. der Bertelsmann-Stiftung erstellte aktuelle Untersuchung der Erfahrungen der ersten Welle („Richtungspapier Corona“) lässt die besten Expert_innen, die für Geld zu kriegen waren, zu genau entgegengesetzten Schlussfolgerungen kommen – in der Fläche Kliniken dicht machen und Konzentration auf Großkliniken. Verwundert reiben sich Praktiker die Augen, die Verbände der Krankenhausärzte und –direktoren weisen nachdrücklich darauf hin, dass die vorgelegten Zahlen unmöglich stimmen können. Alles wurscht – das Kapital drängt in den Gesundheitsbereich. Wenn der Preis stimmt, verkaufen einige „Experten“ nicht nur die eigene Großmutter.

Frohe Feiertage
Das Vitamin C wünscht allen Kolleg_innen der Charité, CFM und all den anderen ein paar frohe und besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. 2021 kann nur besser werden.

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