Pain Equals Comedy – das ZDF Magazin Royale

Nach knapp einem halben Jahr Pause ist Jan Böhmermann zurück – mit einer neuen Sendung ist er vom Spartensender ZDF neo in das ZDF Hauptprogramm gewandert. Böhmermann, der in den letzten Jahren immer wieder von sich hören ließ, indem er satirischen Wirbel von Privatfernsehen bis Regierungschefs veranstaltete, beginnt die neue Sendung mit dem wieder eingesetzten Lockdown und muss auf alles verzichten, was ihm den erhofften Glanz von Hauptprogramm verliehen hätte – ohne Gäste, Publikum und Orchester wirkt es ganz so, als wäre auch er zur Isolationverdammt. Nun kann man sich fragen, warum es sich lohnt, eine Sendung zu schauen, oder nur darüber zu sprechen, deren Moderator und Denker sich als „Grundgesetz*-Demokrat“ (*das Grundgesetz ist die deutsche Verfassung) bezeichnet und dessen politische Meinung, wenn auch nie klar geäußert, ganz in Bremer Tradition, dem – existiert er denn? – „linken Flügel“ der SPD einzuordnen ist.

Hier also nun ein Versuch, aufzudröseln, ob es sich lohnt, das ZDF Magazin Royale zu schauen und wenn ja, warum und was man daraus mitnehmen könnte.

Zum einen ist es natürlich eine Frage des Geschmacks, aber eines kann man ihm nicht nehmen, Böhmermann ist ein guter Unterhalter. Er trägt einen mit Schalk in den Augen von seinem Schreibtisch aus durch Themen, die durchaus häufig übersehen und relevant sind. Er eröffnet die erste Sendung im Duktus der immer mehr um sich greifenden Coronaleugner*Innen und Verschwörungstheoretiker*innen, die sich auf Telegram breit machen, um den Bogen zu ziehen zur ungleichen Verteilung von Reichtum in Deutschland – der, Zitat Böhmermann, „wahren Verschwörung“.

Er gibt sich als „Klamauk-Wallraff“, erklärt und bringt zum Lachen und muss sich dazu nicht mal von seinem Schreibtisch erheben.

Doch natürlich gibt es auch die andere Seite. Böhmermann hat – trotz der Sympathie der Autorin – einen Horizont, der ihn selbst einschränkt.

In dem Bezug könnte man ihn als den wahren Konservativen bezeichnen. Er hat keinerlei Interesse, etwas zu verändern, sondern er möchte im Sinne des Grundgesetzes aufräumen.
Er liebt die Polizei, wenn sie sich nicht verfassungsfeindlich verhält. Seine Kritik hört an diesem Punkt immer auf. Deshalb ist der Konsum seiner Sendung niemals uneingeschränkt zu empfehlen – es ist, wie so vieles, eine Denksportaufgabe: Wir müssen das Fazit selbst erarbeiten. Was bedeutet für uns zum Beispiel die ungleiche Verteilung von Reichtum? Welche Schlussfolgerung ziehen wir daraus und was bedeutet das für unsere Handlungen.

Er bleibt also das – eine Inspiration, er ist am Puls der Zeit und spürt Themen und ihre Relevanz auf, wo man sie vielleicht selbst noch nicht gesehen hat. Das kann man getrost mitnehmen und weiterdenken, recyclen quasi.

Danke dafür, Böhmi.

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