Lasst uns über Reichtum reden

Coronakrise, Ukrainekrieg, Gaskrise, Inflation – seit 2020 folgt eine Krise der nächsten. Aber für wen gibt es die Krise? Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) beklagt sich über eine schwächelnde deutsche Wirtschaft, doch schaut man sich die Reichtumsentwicklung der letzten Jahre an, gibt es nur eine Richtung und die zeigt steil nach oben.

Wäre ich nicht arm, wärst du nicht reich

Oxfam hat eine neue Studie zur Reichtumsverteilung veröffentlicht. Dies zeigt, dass die reichsten fünf Menschen der Welt ihr Vermögen seit 2020 verdoppelt haben – von 405 Milliarden auf 869 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 14 Millionen Dollar pro Stunde. Nur um einen Vergleich zu haben: Der deutsche Bundeshaushalt für 2024 umfasst 471 Mrd. Die fünf reichsten Leute könnten also zwei Jahre lang den Bundeshaushalt allein finanzieren. Diese fünf sind aber keine Einzelfälle. Alle Milliardär:innen zusammen konnten ihren Reichtum seit 2020 um 34 Prozent erhöhen, was 3.300 Milliarden Dollar Wachstum entspricht. Ihren Konzernen geht es ebenfalls sehr gut. Die 148 größten Konzerne der Welt konnten 2023 ihren Gewinn im Vergleich zum Zeitraum 2018-2021 um 52,8 Prozent steigern.

Auf der anderen Seite haben die ärmsten 60 Prozent der Weltbevölkerung (4,7 Mrd. Menschen) seit Corona 20 Mrd. Dollar verloren.

Und für Deutschland – welche Krise?

Hier ist es nicht anders. Während die Regierung überall (Bundeswehr und Aufrüstung ausgenommen) den Rotstift ansetzt und die Schuldenbremse einhalten will und für viele das Leben immer schwerer wird, werden die Reichen immer reicher. Ein paar Beispiele, denn man muss die Menschen kennen, von denen man sich den Reichtum holen muss: Aktuell ist Michael Kühne (Kühne und Nagel – ein Logistikunternehmen) mit 41,8 Mrd. Euro die reichste Privatperson. Im Jahr 2019 waren es „nur“ 13,5 Mrd. Karl Albrecht (Aldi Süd) besitzt mittlerweile 31,7 Mrd. Euro. Vor Corona waren es noch 23 Mrd. Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland) konnte sein Vermögen zu 2019 mehr als verdoppeln und besitzt schätzungsweise 39,5 Mrd. Euro. Stefan Quandt (BMW) besaß 2019 noch 13,8 Mrd. Euro und heute sind es 25,7 Mrd. und um noch ein letztes Beispiel zu nennen, die Familie Würth (gleichnamiges Unternehmen) steigerte ihr Vermögen von 10 Mrd. im Jahr 2019 auf heute 27,5 Mrd. Euro. Man muss dabei wissen, dass diese Zahlen nur Schätzungen sind, denn nichts ist so ein gut gehütetes Geheimnis wie die Vermögen der Superreichen. Nimmt man nur den Vermögenszuwachs dieser fünf Deutschen, dann sind sie seit 2019 um 90 Mrd. Euro reicher geworden. Welche Krisen der letzten Jahre hätten damit alle gelöst werden können?!

Und der Wirtschaft?

Die Zahlen sind eindeutig. Zwei Drittel der 100 größten deutschen Unternehmen konnten 2023 ihren Umsatz steigern und Gewinne auf Rekordniveau erzielen. Die angeblich krisengeschüttelte Autoindustrie – Volkswagen, BMW und Mercedes – hat zwischen 14 und 16 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Die 40 Dax-Unternehmen haben 2023 52 Mrd. Euro an Dividenden ausgeschüttet, 2024 soll es genauso viel werden. Die Börsenkurse, meistens eine Wette auf die Zukunft, kannten nur eine Richtung, nach oben, weswegen der DAX von einem Hoch zum Nächsten kletterte.

Die Entwicklung des DAX ist allerdings nur mit Vorsicht zu genießen. Einen guten Teil der Gewinne werden nicht in Deutschland, sondern im Ausland erwirtschaftet und der DAX spiegelt nur einen kleinen Teil der deutschen Wirtschaft wieder. Viele, auch große Unternehmen, sind gar nicht an der Börse. Viele Unternehmen haben in den letzten Wochen und Monaten Stellenstreichungen angekündigt. BASF, Continental, Miele oder ZF, um ein paar Beispiele zu nennen. Stellenstreichungen können an der Börse aber auch dazu führen, dass die Kurse steigen nach dem Motto, wer jetzt spart, erwirtschaftet in der Zukunft mehr Gewinne.

Selbst wenn es der Wirtschaft schlecht gehen sollte, heißt das noch lange nicht, dass es deswegen den Reichen schlecht geht. Eine Beendigung dieses unermesslichen Reichtums zur Lösung aller
dringenden Probleme ist notwendiger denn je.

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