
In den letzten Jahren hatten die Sommercamps der RSO in Deutschland oder Österreich stattgefunden. Doch diesen Sommer haben wir ein gemeinsames Camp unserer internationalen Strömung in der Nähe von Madrid veranstaltet: Dreieinhalb intensive Tage voller Austausch und Diskussionen über die Weltlage, unter dem Motto „Einen internationalen Pol der Revolutionär:innen aufbauen“.
Dieses Camp war deshalb für uns etwas Besonderes, weil es die Gelegenheit war, uns auf internationaler Ebene auszutauschen mit Organisationen, die erst in den letzten Jahren zusammengekommen sind – als Ergebnis der Entwicklung in unserer französischen Schwester-Organisation NPA-R11Nouveau Parti Anticapitaliste – Révolutionnaires (Neue Antikapitalistische Partei – Revolutionär:innen).
Umgruppierung international
Das dortige produktive Zusammenarbeiten und die zunehmende Verschmelzung zweier ursprünglich verschiedener revolutionärer trotzkistischer Strömungen haben auch auf internationaler Ebene ihre Fortsetzung gefunden. Denn neben unseren französischen und den amerikanischen Genoss:innen von Speak Out Now, mit denen die RSO seit vielen Jahren verbunden ist, wurde das Camp mitorganisiert von der spanischen IZAR22Izquierda Anticapitalista Revolucionaria (Revolutionäre Antikapitalistische Linke)3 und der griechischen OKDE-Spartakos 43Organosi Kommouniston Diethniston Elladas – Spartakos (Organisation Kommunistischer Internationalist:innen Griechenlands – Spartakus) – die beide mit dem anderen Teil der NPA-R seit langem verbündet sind.
Die Zeit ist reif für Umgruppierungsprojekte, denn die Herausforderungen nehmen zu, durch Rechtsruck, Militarisierung und der Krisenhaftigkeit des heutigen Kapitalismus. So war auch jeder der drei vollen Tage einem Schwerpunkt gewidmet: dem Imperialismus heute mit seinen Widersprüchen, die sich kriegerisch entladen; dem Aufstieg der extremen Rechten international; und den revolutionären Organisationen, die wir aufbauen müssen, um uns dem entgegenzustellen, in unseren Ländern und international. Es gab eine Vielzahl von Workshops, bei denen man oft die Qual der Wahl hatte, weil so viel Spannendes parallel angeboten wurde: ob zu Palästina, dem Krieg in der Ukraine, Feminismus, verschiedenen Arbeitskämpfen oder Umweltaktivismus …
Konkrete Erfahrungen aus anderen Ländern
Besonders interessant waren die Berichte aus den einzelnen vertretenen Organisationen, die auch jeweils im Plenum ihre jeweilige Situation und ihre revolutionäre Praxis vorgestellt haben. Wir können leider nur einen kurzen Streifblick geben über all das, was bei diesem Camp an wertvollen Einblicken zu erfahren war, wobei wir feststellen konnten, wie viele Parallelen es gibt, was diesen gelebten Internationalismus so wertvoll macht für unsere politische Arbeit.
Die griechischen Genoss:innen berichteten über die jüngere Geschichte ihres Landes, das auch wegen des ständigen Konflikts mit der Türkei schon lange extrem militarisiert ist. Sie haben schon vor zehn Jahren die Erfahrung mit Syriza gemacht, einer damals „neuen“ linken Partei, die viele Illusionen verbreitete und an der Regierung die kämpferischen Massen verraten hat (viele Ähnlichkeiten zur wieder hippen Linkspartei in Deutschland).
In Spanien hat Podemos ein ganz ähnliches Beispiel geliefert. Unsere dortigen Genoss:innen konnten erzählen, wie sie beim Metallarbeiter:innenstreik in Cádiz vor Ort interveniert haben, der eine große Dynamik entfaltete und die Industrie in der Hafenstadt lahmlegte, aber auch über ihre Organisierung von Zimmermädchen* in der andalusischen Tourismusindustrie.
Aus dem „Trump-Land“ USA gab es bewegende Geschichten über den Widerstand gegen die Einwanderungsbehörde ICE, die sich aufführt wie die Gestapo und außerhalb jeglicher Legalität Razzien durchführt und Menschen verschleppt. Zum Beispiel wie Krankenschwestern einen von ICE verfolgten Gärtner des Krankenhauses im Patientenzimmer versteckt haben und hinterher von Trumps Behörden schikaniert wurden.
Wir konnten alle miteinander feststellen, wie viel wir miteinander teilen – an gemeinsamen Analysen, aber auch Kämpfen und Bewegungen, sei es in Arbeitskämpfen unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie oder in der Palästina-Solidarität … Und für all diese Kämpfe hat uns das Camp mit neuer Motivation ausgestattet!
Richard Lux, Berlin
