Gaza: „Mir ist langweilig, also schieße ich.“

Am Montag veröffentlichte das online Magazin +972, für das palästinensische und israelische Journalist:innen arbeiten, einen Artikel über den grausamen Alltag israelischer Soldaten in Gaza. Sechs Soldaten haben mit dem Magazin gesprochen. Ihre Berichte schockieren. „Es gab völlige Handlungsfreiheit“, sagte B., ein Soldat, der monatelang in den regulären Streitkräften in Gaza diente, unter anderem in der Kommandozentrale seines Bataillons. „Wenn es [auch nur] ein Gefühl der Bedrohung gibt, muss man nichts erklären – man schießt einfach. Wenn Soldaten sehen, dass sich jemand nähert, „ist es erlaubt, auf den Mittelpunkt der Masse [des Körpers] zu schießen, nicht in die Luft“, so B. weiter. „Es ist erlaubt, jeden zu erschießen, ein junges Mädchen, eine alte Frau.“ Im Allgemeinen, so ein anderer Soldat, „herrschte in der Einsatzzentrale die Einstellung ‚Erst schießen, dann fragen‘. Das war der Konsens … Niemand wird eine Träne vergießen, wenn wir ein Haus dem Erdboden gleichmachen, wenn es nicht nötig war, oder wenn wir jemanden erschießen, den wir nicht hätten erschießen müssen.“ Er erklärte auch, dass das Schießen auf „Krankenhäuser, Kliniken, Schulen, religiöse Einrichtungen [und] Gebäude internationaler Organisationen“ eine höhere Genehmigung erfordere. Aber in der Praxis „kann ich die Fälle an einer Hand abzählen, in denen uns gesagt wurde, wir dürften nicht schießen. Selbst bei so sensiblen Dingen wie Schulen fühlt sich [die Genehmigung] wie eine reine Formalität an.“ Die Soldaten sagten gegenüber dem Magazin +972, dass im gesamten Gazastreifen die Leichen von Palästinensern in Zivilkleidung entlang der Straßen und auf offenem Gelände verstreut lagen. „Das ganze Gebiet war voll von Leichen“, sagte S., ein Reservist. „Es gibt auch Hunde, Kühe und Pferde, die die Bombardierungen überlebt haben und nirgendwo mehr hin können. Wir können sie nicht füttern, und wir wollen auch nicht, dass sie zu nahe kommen. So sieht man gelegentlich Hunde mit verrottenden Körperteilen herumlaufen. Es gibt einen schrecklichen Geruch des Todes.“ Doch bevor die humanitären Konvois eintreffen, so ein anderer Soldat, werden die Leichen beseitigt. „Ein D-9 [Caterpillar-Bulldozer] fährt mit einem Panzer hinunter und säubert das Gebiet von Leichen, vergräbt sie unter den Trümmern und kippt sie zur Seite, damit die Konvois sie nicht sehen – [damit] Bilder von Menschen in fortgeschrittenen Stadien der Verwesung nicht an die Öffentlichkeit gelangen“, beschrieb er.

Die Berichte dieser israelischen Soldaten passen zu einem anderen Artikel der israelischen Tageszeitung Haaretz über Todeszonen in Gaza, in denen jeder erschossen wird – oftmals palästinensische Zivilisten, deren einziges Vergehen darin bestand, eine unsichtbare Linie überschritten zu haben, die die israelische Armee willkürlich gezogen hat.

Vom ersten Tag des Krieges an gab es erschreckende Reden vom israelischen Regierungschef und hohen Ministern, wonach Gaza dem Erdboden gleichgemacht werde, in Gaza gebe es keine Zivilisten, klare Sprache von Revanche… Diese Entmenschlichung der Bevölkerung Gazas geht durch alle Ränge der Armee bis nach unten zu den Soldaten.

So sieht es aus, wenn ein Völkermord begangen wird. Sofortiger permanenter Waffenstillstand!

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