Der Wehrpflicht einen Schritt näher

Wer wirklich noch Zweifel daran hat, dass dem neuen “Wehrdienst” der Bundesregierung nicht früher oder später eine Wehrpflicht folgen wird, bekommt mit dem neuen Wehrbericht weitere Beweise. Henning Otte (CDU), Wehrbeauftragter der Bundesregierung, hat am Dienstag den alljährlichen Wehrbericht über den Stand der Bundeswehr abgegeben. Und er plädiert lautstark dafür, endlich eine “schnelle Personalwende” einzuführen. Obwohl seit 2011 noch nie so viele neue Rekruten zur Truppe gestoßen sind wie 2025 und auch noch nie so viele minderjährige Menschen, seien die Zahlen angeblich bei weitem nicht ausreichend. 25.000 neue Soldat:innen zählte die Bundeswehr letztes Jahr, doch bis 2030 sollen es 260.000 sein. Der Erfolg der neuen Anreize der Bundesregierung für den Wehrdienst sei “zwingend”, so Otte – was sonst kommt, können wir uns alle denken.

Ein Hauptproblem für die Bundeswehr sei dabei auch, dass 20% aller Rekrut:innen die Ausbildung wieder abbrechen. Der Alltag in der Kaserne ist dann doch anders als die Werbung auf der gamescom vermuten ließ. Für Otte eine Katastrophe, erwarte die Gesellschaft doch, dass “die Armee ihre Aufgabe erfüllt” -und mit “Gesellschaft” meint er fraglos das deutsche Kapital. Die Rekrut:innen zum Bleiben zu zwingen, ist für ihn da die einfachste Lösung. Bis es soweit ist, soll man bestenfalls mit mehr Zuckerbrot die jungen Leute anlocken, die Kasernen seien noch marode, das Musterungssystem nicht auf dem Stand der Zeit. “Geldmangel können keine Rolle spielen”, so Otte. Ein Satz, den man sich in Erinnerung rufen sollte, wenn die nächste Kita oder das nächste Krankenhaus wegen Finanzierungsengpässen geschlossen wird.

Doch all das ist auch notwendig. Denn die “reale Bedrohungslage hat sich verschärft”, so Otte. Doch nicht durch den bösen Russen, sondern durch das gemeine Volk im Inland, welches 112 Straftaten 2025 gegen die Truppe verübt habe. Hier wird deutlich, wen man als eigentliche Gefahr sieht – eben jene “deutsche Gesellschaft”, die man eigentlich zu schützen schwört. Gegen den Russen. Und im Zweifel gegen sich selbst.

Beitragsbild: via Facebook Bundeswehr #loveisintheair (Kotzsmiley)

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