Nein heißt ja, und ja heißt sofort an die Front

Der folgende Artikel enthält Zitate mit drastischen Äußerungen zu sexualisierter Gewalt.
 

Das könnte das neue Motto des Fragebogens zum Wehrdienst der Bundeswehr sein, welcher jetzt zehntausendfach an junge Menschen verschickt wird. Die Bundeswehr macht mobil und braucht für die Aufrüstung und Militarisierung neue Rekrut:innen. Da passt es gar nicht ins Bild, dass es schon wieder einen Skandal in der Bundeswehr gibt. Diesmal betrifft es die Fallschirmjäger. Ein Feldwebel soll seine Untergebenen mit folgendem Ausspruch ins Wochenende geschickt haben: „Es wird nur gefickt, was gefickt werden will. Und denken Sie daran: Nein heißt Ja, und Ja heißt anal.“
 

Ende letzten Jahres veröffentlichte die FAZ einen ausführlichen Bericht über die Zustände bei den Fallschirmjägern, insbesondere in Zweibrücken. Es geht um Rechtsextremismus, sexualisiertes Fehlverhalten, Gewaltrituale und harte Drogen. Allein in Zweibrücken sollen mindestens 30 Soldaten an rechtsextremen und antisemitischen Vorfällen beteiligt gewesen sein. Kokainmissbrauch ist bestens dokumentiert, sexuelle Übergriffe und Mobbing gegenüber Frauen ebenso. Mehr als 200 strafrechtliche und disziplinarische Vorwürfe wurden untersucht. 63 Beschuldigte stehen im Zentrum der Ermittlungen, 20 wurden bereits aus der Bundeswehr entlassen.

(K)ein Einzelfall!?

Diese Vorfälle sind kein Einzelfall, sondern systematisch. In den letzten Jahren erlangten rechtsextreme Netzwerke wie „Nordkreuz“ und das Hannibal-Netzwerk Aufmerksamkeit, bei denen (Ex)-Bundeswehrsoldaten führende Rollen eingenommen haben. Im Jahr 2023 gab es über 1000 rechtsextreme Verdachtsfälle bei der Bundeswehr, die nicht gemeldete Dunkelziffer dürfte bedeutend höher sein. 2024 wurden 97 Soldaten aufgrund rechtsextremer Vorfälle entlassen. Nachdem in Zweibrücken angeprangert und gemeldet wurde, dass ab und an der Hitlergruß verwendet wird, wurde „der Hitlergruß als gängige Begrüßung beim Betreten einer Stube genutzt“, berichtete eine ehemalige Fallschirmjägerin.

Auch die Verstöße gegen sexuelle Selbstbestimmung nehmen in der Bundeswehr zu. 2023 gab es 385 meldepflichtige Ereignisse. Sie sind damit fast doppelt so häufig wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Dies ist nicht verwunderlich, sind doch Vergewaltigungen schon immer eine Waffe des Krieges gewesen, wieso sollten sie nicht zu Friedenszeiten schon „erprobt“ werden. Oder anders ausgedrückt: Es ist nicht verwunderlich, dass in einer Institution, die auf Befehl, Unterwerfung und „Kameradschaft“ ohne Solidarität mit Schwächeren beruht, in der ein rauer Umgang herrscht und in der menschliche Moral gebrochen werden muss, damit jeder Befehl befolgt werden kann, solche Fälle keine Einzelfälle, sondern systemisch sind.

Krieg ist Verachtung von allem, was das Leben lebenswert macht

Dass Rechtsextreme und Faschisten sich in der Bundeswehr und in jeder anderen imperialistischen Armee zu Hause fühlen, ist ebenso kein Wunder, denn Hierarchien und Unterdrückung sind wichtiger Teil faschistischen Denkens. Der Tod ist ihr Beruf, die Verachtung des Lebens Teil ihrer Ideologie.

Und dennoch gefällt es dem Verteidigungsministerium und den Oberen in der Bundeswehr nicht, dass es diese Zustände gibt und dass sie dann auch noch ans Licht kommen. Für ihre Rekrutierungskampagne brauchen sie eine „moderne“, „weltoffene“ Armee mit „demokratischen“ Werten, in der sich auch Frauen wohl fühlen können. Sie brauchen keine Schlagzeilen, dass jede:r vierte Rekrut:in mit psychischen Problemen aus dem Dienst kommt. Das alles ist schlecht fürs Image. Für ein gutes Image wird viel Geld ausgegeben: Aufwändige Plakat- und Videokampagnen, Dutzende Jugendoffiziere, die in Schulen und auf Messen Werbung für die Armee machen, positive Berichte und Werbeanzeigen wie im Playboy – die wohl einen bestimmten Typus ansprechen sollen – und dann diese Skandale.

Und trotz des Versuches ein anderes Image zu bekommen, braucht die Armee Menschen, die Befehle befolgen, Gewalt anwenden und Töten können, oder wie es die Hip-Hop Band KIZ ausdrückte: „Denn jeder Werkzeugkasten braucht ein‘ Hammer.“

Karl Gebhardt, Berlin

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