Amerlinghaus bleibt!

Das linke Kulturzentrum Amerlinghaus hat gerade sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Es ist ein zentraler Ort für viele Gruppen und Initiativen, auch für uns. Aktuell ist der Fortbestand durch die breite Kahlschlagpolitik der Wiener Stadtregierung bedroht. Ein Interview mit Claudia, langjährige Mitarbeiterin im Infobüro, über das Haus, die Situation heute und den Kampf für den Fortbestand.
 

Kannst du uns einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte geben?

Das Amerlinghaus ist das Ergebnis einer Besetzung im Jahr 1957. Der Spittelberg, das Stadtviertel in dem das Amerlinghaus liegt, war damals von heruntergekommenen Häusern, Armut und miesen Wohnverhältnissen geprägt. Die Gemeinde hatte Pläne das Viertel zu schleifen, doch eine Initiative von Nachbar:innen kämpfte für den Erhalt des Spittelbergs. Im Kontext der Wiener Festwochen im Juni 1975 gab es ein dreitägiges Fest mit Demonstrationsbetrieb. Den ebenfalls eingeladenen Vertreter:innen der Gemeinde wurde ein Manifest übergeben, das ein selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum forderte.

Wie ist es dann weitergegangen?

Die zuständige Stadträtin war damals sehr offen, das Haus ist generalsaniert und 1978 als niederschwelliges, selbstverwaltetes Kulturzentrum eröffnet worden. Es wurde voll subventioniert dem Verein übergeben. Zu Beginn gab es elf Mitarbeiter:innen und ein üppiges Budget. 1980 gab es eine zweite Besetzung des Hauses, mit zwei Hauptkritikpunkten. Erstens: „Weg mit den Verwaltern der Selbstverwaltung“. Diese Forderung gibt es heute nicht mehr,  weil die Gruppen froh sind, dass es das Büro und die Infrastruktur gibt. Zweitens: Protest gegen die Kommerzialisierung des Beisls. Dieses wurde ursprünglich als Teil des Kulturzentrum betrieben, aber bald von einem Privaten übernommen; mit eigenem Mietvertrag und fast exklusiver Hofnutzung. Das Kulturzentrum wurde unfreiwillig zu einer Pionierin der Gentrifizierung — etwas, was damals für die Bewegung nicht absehbar war. Der Spittelberg ist heute eines der teuersten und kommerziellsten Viertel Wiens, die Räumlichkeiten des Amerlinghauses sind für Profitinteressen interessant.

Von wem wird das Haus genutzt und wie ist das Selbstverständnis?

Offenheit und Heterogenität prägen das Haus bis heute, es war von Beginn an transkulturell und szeneübergreifend. Aktuell sind regelmäßig 70 Gruppen  und Initiativen im Haus (z. B. eine Kindergruppe, Deutschkurse, politische Gruppen …), darüber hinaus gibt es punktuelle Nutzungen (Ausstellungen, Veranstaltungen…). Die Räume sind durchgehend von unterschiedlichen Gruppen belegt, ohne dass es Probleme gibt. Es ist ein demokratiepolitisch wichtiger Begegnungsort, gerade auch für Menschen, die von Verdrängung bedroht sind, an dem man nicht in eine Schublade gesteckt wird. Es hat somit auch einen Modelcharakter für das „Gute Leben für Alle“.

Wie ist die Situation heute?

Die Subventionen sind über die Jahre immer weniger geworden und decken nur mehr die absoluten Grundkosten. Heute gibt es nur mehr drei Mitarbeiter:innen im Büro und zwei für den Raumerhalt, alle in Teilzeit. Mit minimalem Personal wird die gesamte Verwaltung gestemmt. Aktuell steht eine Subventionskürzung von zwei Dritteln (!) im Raum, genauere Beschlüsse lassen auf sich warten. Es gibt keine Planungssicherheit, die Angestellten wurden vom Verein bereits vorsorglich gekündigt. Diese Kürzung würde das Ende des
Amerlinghauses in seiner bisherigen Form bedeuten. Die zuständige Stadträtin der liberalen NEOS hat Gespräche bisher verweigert, weswegen wir ihr Ende Januar einen unangemeldeten Besuch abgestattet haben. Jedenfalls geht es nicht einfach nur um Einsparungen, sondern es gibt eine politische Absicht dahinter.

Die Stadt Wien verabschiedet sich von dem Wien wie es bisher war. Massive Kürzungen gibt es aktuell bei diversen Initiativen, im Bereich Kultur, bei Wohnungslosen, Suchtkranken, Menschen mit Behinderungen … Wir suchen die Zusammenarbeit mit anderen Betroffenen. Es gab bereits mehrere Kundgebungen, Aktionen und Demonstrationen sowie Mailaktionen und Öffentlichkeitsarbeit.

Danke für das Interview, euren Einsatz sowie die tolle Zusammenarbeit und Unterstützung über die vielen Jahre!

Spenden zum Erhalt des Amerlinghauses an: Verein Kulturzentrum Spittelberg

IBAN: AT55140000151066553 BIC: BAWAATWW Zweck: Spende

Vielen Dank für eure Solidarität!

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