A staubige G’schicht“ Arbeitsalltag in einer Fabrik

Vor kurzem begann ich, befristet für die Dauer von vier Wochen, zum Zwecke von Revisionsarbeitens1, in einem agrochemischen Betrieb, als Schlosser zu arbeiten. Die Arbeit sollte in einem zwei Schicht Modell (5-13h/13-21h) verrichtet werden. Gearbeitet wird in Teams zu zwei bis drei Arbeiter:innen.

Knien, Klettern, Schleppen

Hauptbereich der Tätigkeit ist das Erneuern von Verschleißteilen bzw. das Instandsetzen von Produktions­maschinen und Fördereinheiten. Die Arbeit gestaltet sich teils sehr schwierig und kraftintensiv da viel geklettert, gekniet und auch im Liegen, unter den Maschinen ge­schraubt, geflext oder auch ge­schweißt wird. Oft muss man sich die Maschinen erst freischaufeln, da sie meterhoch mit Material, Staub und Dreck bedeckt sind.

Auch große Höhen sind zu über­winden. Stufen sind allgegenwärtig und der Transport der Werkzeuge beansprucht sehr viel Zeit, Kraft und auch Nerven. Die größte Produkti­onshalle ist ca. 40 bis 50 m hoch und unterteilt sich in in vier bis fünf Hauptebenen.

Staub, Dreck und Staub

Ein ständiger Begleiter ist der Dreck. Ein Nebel aus Staub, bestehend aus den verschiedensten Chemikalien, großteils Phosphate, aber auch Schwefelsäure umgibt einen permanent, auch wenn die Maschinen im Stillstand sind. Über die Umweltbelastung kann ich keine genauen Daten vorlegen, wenn man jedoch die zig toten Tauben auf dem Werksgelände, das täglich gesäubert wird, sieht, bekommt man schon eine Ahnung, dass es mit Sicherheit nicht gesund ist. Ich glaube man muss kein Arzt sein, um zu wissen, dass das nicht gesund sein kann. Es werden den Arbeiter:innen zwar Staubmasken zu Verfügung gestellt, diese behindern teils aber die Kom­munikation und sind unangenehm
zu tragen. Im Hochsommer, wenn es laut den Beschäftigten auch an die 55°C in der Halle geht, sind die Masken dann verständlicherweise nicht tragbar.

30 Minuten vor Dienstschluss, darf man duschen gehen. Dieses Plus wird jedes Jahr neu vom Betriebsrat ausverhandelt.

Mickrige Löhne, Druck und Leih­personal

Beschwert wird sich über das Lager­wesen, die Werkzeuge und über die neue Werksleitung, welche die Pro­duktivität mit allen Mitteln erhöhen möchte. Viele Kolleg:innen kommen – zum Wohle der Bilanz – über Leih­firmen. Übernommen wollen die Meisten nicht werden, da sie den Verlust des Referenzzuschlages be­klagen und dann unterm Strich ein sehr bescheidener Lohn bleibt. Für 40h/Woche sprechen wir hier von ca. 1800/1900 Euro netto. Also mit Zu­schlägen (Schmutz, Schicht…) und dem Referenzzuschlag für Leasing­personal.

Es gab in der Pandemie auch über einen längeren Zeitraum Kurzarbeit, in welcher, laut dem produ­zierendem Personal, mehr herge­stellt wurde als in früheren Jahren. Die Werksleitung wird’s freuen.

Für mich hat sich ein Engagement über die vier Wochen hinaus erle­digt. Für die Kohle zu den Bedin­gungen? Ein staubtrockenes NEIN zu den Profite der Chefs.

1 Sind Arbeitsschritte, die nur im Stillstand der Anlage durchgeführt werden können, um den ordnungs­gemäßen Zustand zu überprüfen oder wiederherzustellen.

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