Frauenkampftag 8. März – Wir können mehr als shoppen

Am achten März ist wieder internationaler Frauenkampftag. Ein Tag, der seit über hundert Jahren für den Kampf für Unabhängigkeit und Gleichberechtigung stehen soll. Doch immer wieder wird die Bedeutung dieses Tages und auch des Kampfes an sich vergessen – oder schlimmer noch: instrumentalisiert.

So erwarten uns am achten März immer wieder Rabattaktionen großer Konzerne für allerlei Produkte, die „Frau“ so braucht: Make-Up, Küchengeräte, Des­sous, und und und … natürlich wird von kapitalistischen Unternehmen auch nichts anderes erwartet, als uns zum Konsumieren zu motivieren. Und so sor­gen sie für eine inhaltliche Verein­nahmung und fast schon Vernied­lichung der wahren Bedeutung, für was der Frauenkampftag symbolisch stehen sollte. Denn natürlich heißt er in solchen Zusammenhängen auch nicht „Frauenkampftag“ sondern „Frauentag“ oder cooler, weil englisch: “Women’s Day“ und lädt zum Shopping ein. Das ist nicht nur ärgerlich, es ist schlicht und ergreifend sexistisch, weil es zum einen Produkte präsentiert, die Frauen zugeschrieben werden und dann auch noch Shop­ping als ihr einziges Hobby. Doch auch hier tut sich in den letzten Jahren etwas: Auf den Bildern, die wir in der Werbung präsentiert bekommen, sind nicht mehr alle weiß und schlank. Menschen, die Konzerne leiten, sind nun auch zum Teil Frauen. Und so drängt sich einem zu­nehmend die Frage auf: Ist es Femi­nismus, wenn meine Chefin eine Frau ist? Die Antwort ist offensichtlich: Nein. Beziehungsweise Jein.

Liberaler, bürgerlicher Feminismus ist auf einem Siegeszug und präsentiert uns einen paritätischen Kapitalismus. Doch Kapitalismus beruht auf Unterdrückung und Ausbeutung – auch der arbeitenden Frauen. Dieser Kapitalismus ist es auch, in dem täglich Femizide passieren und der die gesellschaftliche Spaltung nur ungern aufgibt, denn es kostet ihn unter anderem die unbezahlte Care-Arbeit, die die Mehrheit der Frauen leistet. So ist eine zunehmende „Awareness“ für femi­nistische Themen nicht zu ignorieren, doch das Ergebnis im kapitalistischen Rahmen ist allein eine stärkere Reprä­sentation, keine Emanzipation.

Die Initiatorinnen des internationalen Frauenkampftages, allen voran Clara Zetkin, hatten andere Pläne für diesen Tag. Es ging um den Kampf für Gleich­berechtigung, das Wahlrecht für Frauen (gut, das ist mittlerweile da) und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Denn schon 1910 war ihnen eine Sache klar: es gibt keine feministische Befreiung ohne die Befreiung vom Kapitalismus. Und für diese Befreiung braucht es eben die Ar­beiter:innen und nicht nur die Arbeiter. Denn es sind die arbeitenden Frauen, die immer schon eine entschiedene Rolle in Aufständen und Revolutionen gespielt haben — sei es etwa bei der Februar­revolution 1917 in St. Petersburg oder in den Demonstrationen des Arabischen Frühlings 2011.

Auch die Bewegung um den Frauen­streik versucht die essenzielle Rolle der arbeitenden Frauen zu unterstreichen. So legten unter anderem in Spanien 2018 über fünf Millionen Frauen ihre Ar­beit nieder und versuchten durch den Streik darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen häufig neben der Lohnarbeit auch wie selbstverständlich die unbe­zahlte Care-Arbeit von Kinderbetreuung, Familienorganisation und Haushalt übernehmen – und so sollte auch diese bestreikt werden.

Während der Pandemie hat sich diese Ungleichheit noch verstärkt, hinzu kommen vermehrte häusliche Gewalt und Femizide. Es gilt, die Zusammen-hänge des Kampfes gegen Patriarchat und Ka­pital zu erkennen und zu verstehen. Auch wenn der liberale, bürgerliche Fe­minismus uns kleine Verbesserungen und vermeintliche Gleichstellung prä­sentiert, hat das Kapital kein Interesse daran, die Unterdrückung der Frau auf­zuheben — denn mit dieser lässt sich gleichzeitig Geld sparen und verdienen. Wir müssen uns daran erinnern, wofür wir auf die Straße gehen am achten März und aus dem Aktionstag wieder einen Kampftag machen! Denn diesen Kampf führen wir das ganze Jahr, als Feminist:innen und Revolutionär:innen Aber besonders an diesem Tag sollten wir laut sein, auf uns aufmerksam machen und ihn feiern. Hinaus zum achten März!

Von Maria Brücke, Berlin

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