
Mitte Mai hat Chinas Präsident Xi Jinping erst Donald Trump und nur Tage danach Wladimir Putin in China empfangen. Die Treffen der Staatsmänner dieser heute zentralen Großmächte werden vor der ganzen Welt als große Show inszeniert. Ist eine Konfrontation zwischen China und den USA abgewendet? Wie geht es im Iran weiter? Und was passiert in Europa?
Für den Angriff auf den Iran gibt es mehrere Gründe, deren genaue Gewichtung schwer festzulegen ist. Ein Ziel war es, den Iran in die Schranken zu weisen und gemeinsam mit Israel die Ordnung im Nahen Osten im Sinne Israels und der USA zu festigen. Iranische Atomanlagen wurden bereits durch den sogenannten Zwölf-Tage Krieg im Juni 2025 schwer getroffen. Der aktuelle Krieg gegen den Iran reduziert die Chance des iranischen Regimes in Zukunft über Atomwaffen zu verfügen, was künftige Angriffe auf den Iran erschweren würde. Die Verlockung, im Iran einen Regime Change nach dem Vorbild der Intervention in Venezuela herbeizuführen, war groß. Es war auch eine willkommene Gelegenheit, gegenüber China und dem Rest der Welt zu zeigen, dass die USA zu offensiven Kriegen bereit sind und über die militärischen Kapazitäten dazu verfügen. Für die kriminelle Bande rund um Trump bot der Krieg, der zu einem massiven Anstieg des Ölpreises führte, eine verlockende Chance, durch Insiderwissen mit spekulativen Öldeals sich Riesenprofite zu sichern.
Ein wichtiges Ziel waren Kontrolle und Einfluss auf den weltweiten Ölhandel. Bis zum Krieg liefen 40 % der chinesischen Ölimporte durch die Straße von Hormus. Laut Schätzungen gehen bis zu 90 % der iranischen Ölexporte nach
China. Am 19. Mai verhängten die USA neue Sanktionen gegen die Netzwerke, die iranisches Öl nach China liefern. Ob China damit besonders getroffen wurde, ist aber fraglich. Im riesigen China ist Kohle weiterhin die wichtigste Energiequelle, aber auch der Ausbau erneuerbarer Energiequellen ist weit fortgeschritten. Für den US-Imperialismus ist der aktuelle Krieg eine von mehreren Strategien, um zu versuchen, dem chinesischen Konkurrenten zu schaden.
USA/China: Zwei Supermächte auf Augenhöhe?
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die USA weltweit militärisch aktiv. Heute verfügen sie über 750 bis 800 Stützpunkte auf der ganzen Welt. Die anderen Weltmächte (Großbritannien, Frankreich, Russland und China zusammen) haben weniger als 50 Militärstützpunkte im Ausland. Die wirtschaftliche Stärke der USA und ihre Dominanz in der Geopolitik während der letzten 80 Jahre wurden mit dieser militärischen Stärke und Kriegen abgesichert und durchgesetzt.
In den letzten Jahrzehnten hat China mit seinen hohen Wirtschaftswachstumsraten alle alten imperialistischen Großmächte eifersüchtig gemacht.
Chinas rascher Aufstieg ins Lager der imperialistischen Länder stellt die Vorherrschaft der USA zunehmend in Frage und ist damit eine ernste Bedrohung für den US-Imperialismus. Das Wirtschaftswachstum in den USA hängt heute vor allem am riesigen Techsektor, dessen Wirtschaftskraft sich bis Ende 2026 auf mehr als zwei Billionen (!) US-Dollar belaufen könnte. Schwindelerregende Zahlen, die große Zweifel an der finanziellen Tragfähigkeit des Projekts wecken. Die Konzentration von Reichtum und Kapital hat heute in den USA einen historischen Höchststand erreicht, der KI-Hype wird von der riesigen Menge an freiem Kapital, das zunehmend spekulativ nach lukrativen Anlagemöglichkeiten sucht, getrieben. Wann und wie die Blase platzt, ist nicht vorherzusagen. Klar ist jedoch, dass der KI-Boom neue ökonomische Crashs befeuert. Auch das ist ein Faktor für die Nervosität und Aggressivität der US-Außenpolitik. Doch auch für China läuft es nicht nur rund, wie die sinkenden Wachstumsraten und das Platzen der chinesischen Immobilienblase zeigen, rund um den Crash des Bauriesen Evergrande ab 2021 und dessen Liquidation 2024, mit Verbindlichkeiten im dreistelligen Milliardenbereich.
Waren die Gespräche in China ein Signal der Stabilität?
Wie sich Trumps Konfrontation mit dem Iran kurz- und mittelfristig entwickeln wird, bleibt offen. Durch diesen Krieg haben die USA zumindest gezeigt, dass sie die Weltordnung stören können und eine Energiekrise auf dem Weltmarkt auslösen können – und das ohne großen Tadel durch ihre Verbündeten. Trump konnte das iranische Regime nicht stürzen, dieses hat vielmehr bewiesen, wie fest es gegenüber ausländischen militärischen Interventionen im Sattel sitzt. Jedenfalls hat der Krieg der USA und Israels zu verheerenden Zerstörungen der zivilen und militärischen Infrastruktur im Iran geführt, deren Wiederaufbau Jahre dauern wird. Gleichzeitig zeigt sich eine relative Schwäche der USA, ihre Interessen auf internationaler Ebene, nicht zuletzt mit militärischen Mitteln, durchsetzen zu können.
Der Besuch Trumps in China Mitte Mai, bei dem er von einer Delegation von Bossen großer Techkonzerne, wie etwa Elon Musk, begleitet wurde, ist auch ein Zeichen dieser Schwäche. Trump sagte Xi Jinping, es sei „eine Ehre, von einem Freund empfangen zu werden“. Beide Länder führen einen Zollkrieg gegeneinander, in dem die USA es jedoch nicht geschafft haben, China relevanten Schaden zuzufügen. Die beiden Ökonomien sind nach wie vor eng verzahnt. So brauchen die USA etwa nach wie vor Seltene Erden aus China. Gleichzeitig arbeitet China weiter daran, die Dominanz des US-Dollars als Weltleitwährung, die dazu beiträgt die Vorherrschaft der USA abzusichern, zu untergraben. Die USA versuchen China unter Druck zu setzen, was nur bedingt gelingt. Die Spannungen zwischen den beiden Großmächten nehmen weiter zu, auch wenn keine Seite aktuell eine direkte militärische Konfrontation will.
… oder der Weg in die nächsten Kriege?
Der Besuch Putins in China, ein paar Tage nach Trump, ist mehr als nur ein Symbol. Für Russland sind die gestiegenen Lieferungen von Öl und Gas nach China, inklusive einer neuen Pipeline, wirtschaftlich von großer Bedeutung. China setzt auf Allianzen mit alten wie neuen Verbündeten, etwa mit dem Projekt „Neue Seidenstraße“ und im Rahmen der BRICS (eine informelle Vereinigung von mittlerweile elf Staaten, u. a. Brasilien, Russland, Indien und Südafrika). Etliche Länder versuchen, im Wettrennen um Einflusszonen zwischen den USA (und in geringerem Ausmaß der EU) und China Spielräume für die eigene Politik zu schaffen.
Europas zukünftige Kriege
Im mächtigsten Land Europas hat sich Kanzler Merz erlaubt, die Strategie Trumps zu kritisieren. Dabei nutzen US-Flugzeuge gleichzeitig die Ramstein Airbase im Bundesland Rheinland-Pfalz … Die Freude über eine mögliche Beteiligung Deutschlands oder Frankreichs am Krieg im Persischen Golf ist begrenzt. Nicht dabei zu sein, ist aber auch keine Option. Macron hat schon einen großen Flugzeugträger in die Region geschickt. Merz kündigte wiederum im April an, Deutschland würde „nach einem Friedensschluss helfen, […] die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu sichern“. Trumps Alleingänge passen Europa nicht, egal ob im Iran oder in der Ukraine. Doch die europäischen Imperialismen sind wild entschlossen, durch aggressive Aufrüstung ihren Platz an der Sonne der Geopolitik zu verteidigen.
Die Kriegsgefahr kann nur von uns selbst bekämpft werden!
Die wirtschaftlichen Folgen infolge der Sperrung der Straße von Hormus haben die Realität der Kriege gezeigt. Der Ölmangel hat alle Bevölkerungen der Welt getroffen. Besonders in afrikanischen Ländern sind Millionen Menschen infolge der Inflation und Verknappung von Düngemitteln von Hunger bedroht. In Kenia gab es als Reaktion einen landesweiten Streik im öffentlichen Nahverkehr. In diesen Zeiten der Instabilität wird es entscheidend sein, die Kriegspläne der Großmächte zu durchkreuzen – gerade durch Kämpfe für unsere eigenen Interessen. Denn auch bei uns wird das Leben immer unbezahlbarer, und mit Kürzungen bei den Arbeitenden soll die Aufrüstung finanziert werden. Wir sagen: Keinen Cent, keinen Menschen für ihre Kriege! Hoch die internationale Solidarität!
Johannes Wolf , Wien und Lorenz Wassier, Berlin
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