300: Genug um die Produktion anzuhalten

90 Minuten „Dialog“?

Der 18. November fing mit einem Town Hall Meeting an. Mit den Ingenieuren und Chefs war der Saal schön voll. Seit 10 Jahre gibt es einen Sozialplan nach dem anderen (mit Ausnahme von vielleicht einem Jahr?). Die Betriebsleitung sprach von „offenem Dialog“. Es ging aber nur darum, den nächsten Stellenabbau zu verkünden.

300: Genug um die Produktion anzuhalten

Mittags gab es eine einstündige Aktion. 300 Leute! Nicht mehr Leute als um 10 Uhr, aber die Stunde draußen war nicht bezahlt: wir waren aus freien Stücken da, und zu recht aufgeregt.

Die Betriebsleitung ist aber pragmatisch. Es ist Zeit, ihr mehr als ein Zeichen zu setzten. Zeichen setzen tut nicht weh. Solange die Produktion nicht still steht, macht die Betriebsleitung weiter, als ob nichts wäre.

Kohle haben sie genug

Osram will bundesweit 800 Leute raus haben, in Berlin 95. Osram braucht vom Standort 15% weniger Arbeit? Statt Stellen zu streichen könnten auch die Stunden von 35 zu 30 Stunden sinken. Ohne Lohnverlust: die Halbleiter-, Microchip- oder Photonikindustrie sind hochprofitable Geschäfte.

Ganz Spandau mit uns, und jenseits!

Auf der Kundgebung waren Betriebsräte der Siemens-Nachbarbetriebe dabei. Das ersetzt aber nicht die Menge der Kollegen dieser Betriebe. Dazu könnten z. B. auch die 100 KollegInnen von Bosch, die gerade in Reinickendorf von Stellenabbau bedroht sind sich anschließen.

Bei vielen ist eine bestimmte Kampfbereitschaft vorhanden: Demo und die Mahnwache sind gut besucht. Sich zusammen zu tun ist nur eine Frage der Organisation.

Um 12:10 ein echter Warnstreik?

Unsere Kundgebung kam 2 Monate nach der Mobilisierung der Siemensleute von Spandau: 5 Minuten spät? Nein: Die Kampfbereitschaft ist ungebrochen. Was sind die nächste Pläne? Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.

Sind die KollegInnen von Eichstätt verrückt?

Im Town Hall Meeting hat die Betriebsleitung erklärt, 60% der 140 KollegInnen von Eichstätt hätten für den Erhalt ihres Standorts abgestimmt und dafür auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet.

Wurde diese Abstimmung aber nicht unter Führung vom Boss organisiert? Wenn die Betriebsleitung von Demokratie spricht, lieber nochmal hinschauen.

Separate Verhandlungen pro Standort wirken desorganisierend

Unter der Drohung einer Standortschließung kann keine Belegschaft allein und isoliert gegen Großunternehmen durchhalten. Osram hat einen umfassenden Plan für sich selbst: dagegen müssen wir zusammenhalten! Von der Episode von Eichstätt sind wir aber erst eine Woche später informiert worden. Nur nicht von der Gewerkschaft, sondern vom Boss. Die Betriebsleitung konnte ihre Version vorstellen, mit der Hoffnung uns zu entmutigen.

Erpressung zerdrücken

Den KollegInnen von Eichstätt wurden nicht mal die Sicherung der Jobs angeboten, sondern nur eine Garantie von 4 Jahren. Was München, Herbrechtlingen, Regensburg und Augsburg angeht müssen wir uns durch eigene Funkkanäle informieren, um gegen die Standortlogik ankämpfen zu können. Die Fotos vom Infoblatt reichen nicht!

Alle zusammen!

Betriebsräte haben Hinweise, dass vielleicht nicht nur 95, sondern 200 Stellen auf dem Spiel stehen. Dazu kommen zahlreiche KollegInnen von Subunternehmen, Zulieferern usw.

Der verschwundene Faktor

Die Betriebsleitung sprach von Preissenkung eines Produktes, Eichstätt zu langsam, ein Amerikaner schneller…

Um die Gleichung zu bewerten brauchen wir weitere Infos: Die Aktionäre (also diejenigen, die für so einen Diskurs zahlen): wie viele Millionen Vermögen bzw. (für Allianz) Milliarden haben sie in der Kasse? Bezüglich Eichstätt sprach der Vorstand von „einstelligen Millionen“, also ein Geschäft unter der annehmbaren Gewinnschwelle? Her mit den Geschäftsbüchern bitte und auch die von Gestern! Wir wollen unsere eigene Expertise machen!

Bald ein Tesla-Werk in Berlin!

Audi baut wohl mehr Arbeitsplätze ab als Tesla aufbaut, seit heute, aber egal: der SPD-Bürgermeister ist jedenfalls hocherfreut! Dazu will Tesla einen ganzen Wald abholzen, aber egal!

Über die Löhne… schweigt man lieber (Tesla kommt zu uns, um vom Osttarif zu profitieren, genauso wie Osram oder Siemens in Asien).

Außerdem: Stellenabbau haben wir hier und wir sollen die „Probleme“ des Unternehmens „verstehen“? Und wenn dort Arbeitsplätze entstehen, sollen wir sagen: „Danke lieber kapitalistischer Weihnachtsmann!“?

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