Von Mitte Dezember bis Anfang März haben sich die
12.000 ArbeiterInnen des staatlichen türkischen Tabakunternehmens
gegen drastische Lohneinbußen
als Vorbereitung zu ihrer Entlassung gewehrt. Die
AKP-Regierung hat seit Jahren die Zerschlagung des
früheren staatlichen Tabak-Monopols betrieben. In den
letzten Jahren hat sie schon Zehntausende aus anderen
staatlichen Unternehmen entlassen.
Mehrere Tausend Tekel-ArbeiterInnen haben trotz
Drohungen von Regierung und Polizei wochenlang
im Zentrum von Ankara campiert, unter ihnen auch
mehrere Hundert aus verschiedenen anderen Städten
der Türkei.
Ihr Kampf war wochenlang Thema Nummer 1 in der
Türkei. Sie haben von überall Unterstützung bekommen
– von der Bevölkerung Ankaras und anderer
Orte. Mitte Januar kamen 100.000 zu einer Demonstration
in Ankara. Alle Gewerkschaftsführungen waren
gedrängt, zu eintägigen Solidaritätsstreiks aufzurufen.
Die vielen Einschüchterungs- und Spaltungsversuche
der Regierung waren umsonst – die Entschlossenheit
der Tekel-ArbeiterInnen und die Solidarität
in der ganzen Türkei waren zu groß. Die leider sonst
so häufige nationalistische Spaltung, z. B. in kurdische
und türkische Arbeiter, wurde überwunden.
Ende Februar musste die Regierung ein allen Tekel-
Beschäftigten gestelltes Ultimatum zurückziehen. Außerdem musste sie ihnen für die nächsten acht
Monate die monatliche Zahlung des doppelten Mindestlohnes
zugestehen. Damit sind die Tekel-Arbeiter
zwar noch immer von späteren Lohneinbußen und Entlassungen
bedroht, aber die Bewegung hat vorläufig
einen Sieg über die Regierung errungen.
Das Klima in der Türkei hat sich durch den Kampf
der Tekel-ArbeiterInnen stark verändert: Die AKPRegierung
hat einerseits gezeigt, dass sie auf der
Seite der türkischen und ausländischen Kapitalisten
steht, die von der Zerschlagung der Staatskonzerne
profitieren. Andererseits sind Solidarität und Kampfbereitschaft
im Bewusstsein Vieler ein Mittel geworden,
um den Herrschenden die Tour zu vermasseln.
