„Tantura“ (Doku) und „The Vanishing Soldier“ (Thriller)

Tantura (2022): Die Gründung des Staates Israel 1948 findet im Kontext eines Krieges statt. Schon damals eroberte die israelische Armee Gebiete und Tantura ist eines der vielen Dörfer, die während der „Nakba“ (auf arabisch ‚die Katastrophe‘) zerstört wurden. Das Massaker, welches im Film beleuchtet wird, stellt nur eine Episode dar in diesem dreijährigen Krieg, der – wie heute der in Gaza – zur Vertreibung Hunderttausender Palästinenser:innen führte.

Die Zerstörung von Tantura hat nur wenig Spuren hinterlassen. So präsentiert uns der Regisseur der Doku eine Handvoll überlebender israelischer Soldaten, die heute über 90 Jahre alt sind, und ihre Wahrnehmung der Geschehnisse liefern. Über die Kontroverse, die sich seit ein paar Jahren um das Massaker von Tantura in Israel entwickelt hat, erfährt man im Film nicht viel. Der wesentliche Inhalt des Filmes ist, dass diese alten Personen zusammenkommen – durch Konfrontationen und Erzählungen lässt sich die schreckliche Realität spüren. Die Verlogenheit derjenigen, die heute noch das Massaker verleugnen, sowie die Überlegungen derjenigen, die anlässlich des Films eine ehrliche Kritik üben, hilft uns die politische Situation zu verstehen, die vor 76 Jahren die Entstehung des zionistischen Staats ermöglicht hat.

Der Film The Vanishing Soldier (2023) ist eine frei erfundene Geschichte eines Soldaten der israelischen Armee im Jahr 2022. Der Film spielt vorwiegend in Tel Aviv und wird aus dem Blickwinkel eines 18-jährigen erzählt, der seine Einheit im Einsatz in Gaza verlassen hat, weil er seine Freundin wiedersehen will. Womit der junge Soldat nicht gerechnet hat, ist, dass die israelische Armee vermutet, dass er Geisel der Hamas ist. In allen Fernsehsendungen wird die Bombardierung Gazas angekündigt, um die angebliche Geisel zu befreien … Der Film wurde in einer anderen politischen Situation gedreht als die heutige. Die Kritik am Krieg und an der Armee ist aber doch da. Ist das der Grund, dass der Film immer noch nicht in Deutschland zu sehen ist?

Lorenz Wassier, Berlin

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