Our Bodies, Our Lives, Our Choice – Unsere Körper, unsere Leben, unsere Entscheidung

Dieser Artikel erschien am 3. Mai 2022 auf der website unserer us-amerikanischen Gruppe „Speak out now“:

Ein Entwurf eines Gutachtens des Obersten Gerichtshofs (Supreme Court) über das Recht der Frauen auf Abtreibung ist der Presse zugespielt worden. Aus dem Dokument geht klar hervor, dass sich der Gerichtshof höchstwahrscheinlich darauf vorbereitet, das Recht auf Abtreibung, das mit der Entscheidung Roe v. Wade im Jahr 1973 eingeführt wurde, aufzuheben. Damit würde jegliches staatlich geschütztes Recht auf Abtreibung entfallen und jeder Staat könnte seine eigenen Gesetze zur Einschränkung der Abtreibung erlassen. Das Recht der Frauen, über ihren eigenen Körper zu bestimmen, wäre dann noch stärker eingeschränkt als es ohnehin schon ist.

In der Realität ist der Zugang zum Schwangerschaftsabbruch für viele Frauen bereits ein Problem. In etwa 90 % der Bezirke in den USA gibt es keine Abtreibungsklinik. Viele Bundesstaaten haben bereits sehr restriktive Gesetze erlassen, und die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird ihnen freie Hand lassen. Mindestens 25 Bundesstaaten werden wahrscheinlich ein Abtreibungsverbot erlassen, wenn diese Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Bestand hat.

Das Recht auf Abtreibung war für Frauen in den USA auch nach der Verabschiedung des Urteils Roe v. Wade nie allgemein zugänglich. Es ist sehr unterschiedlich, je nachdem, in welchem Teil der USA man lebt, ob man in einer ländlichen oder städtischen Gemeinde wohnt, und je nach wirtschaftlichem Status und ethnischer Zugehörigkeit. Es hängt davon ab, ob man eine Krankenversicherung hat, die eine Abtreibung abdeckt, wer die Gesundheitsdienste in der Gegend betreibt und ob sie Abtreibungen anbieten. Und diese neue Entscheidung wird den Zugang zu Abtreibungsmöglichkeiten nur noch weiter verschlechtern.

Dies ist ein neuer bedeutender Angriff auf unsere Rechte, Rechte, die auf der Straße durch massive Mobilisierungen errungen wurden, die die Politiker zwangen, zu reagieren. Aber diese Rechte werden seit dem Tag, an dem der Gerichtshof das Urteil Roe v. Wade gefällt hat, angegriffen. Und jetzt kommt diese neue große Bedrohung für die reproduktive Freiheit der Frauen und für das Leben und die Gesundheit der Frauen insgesamt. Dies ist auch ein Angriff auf das Leben und die Zukunft von Kindern.

Wir erleben ähnliche Angriffe auf andere Rechte, die in den letzten Jahren errungen wurden – die Unterdrückung des Wahlrechts, neue Beschränkungen der Einwanderung, Angriffe auf die LGTBQ-Gemeinschaft und Beschränkungen der Bildungsinhalte in unseren Schulen.

Wer hat das Recht zu entscheiden, was wir mit unserem Körper tun?

Nicht der Oberste Gerichtshof mit seinen neun Richtern, die hinter einer Mahagonibank vor roten Plüschvorhängen und Marmorböden sitzen. Sie werden nicht gewählt, ihre Argumente werden nicht im Fernsehen übertragen, und sie können nicht durch eine Volksabstimmung abgesetzt werden. Und in diesem System haben sie angeblich das Recht, über alles zu entscheiden, vom Abtreibungsrecht über das Wahlrecht bis hin zum Zugang zur Gesundheitsversorgung. Sie haben kein Recht, für uns zu entscheiden.

Und auch nicht die rechten Politiker, die von Milliardären und Unternehmensinteressen finanziert werden, die Worte über das „Recht auf Leben“ in den Mund nehmen, während sie sich weigern, Bildung, Gesundheitsfürsorge oder bezahlbaren Wohnraum zu finanzieren. Aber sie zögern nicht, den Banken und Konzernen und dem Militär Milliarden zu geben. Nein – sie haben kein Recht, über uns zu entscheiden.

Wir sind die Einzigen, die das Recht haben sollten, zu entscheiden, ob wir ein Kind haben wollen oder nicht.

Wir müssen uns organisieren und kämpfen

Wir können an der bevorstehenden Entscheidung verzweifeln, oder wir können aus den jüngsten Kämpfen für Abtreibungsrechte in Argentinien, Kolumbien und Mexiko lernen: Millionen von Aktivist:innen gingen auf die Straße, um Abtreibung zu entkriminalisieren und die Legalisierung von Abtreibungsrechten zu erreichen.

Es war der kollektive Kampf der Frauen, der 1973 das Recht auf Abtreibung durchsetzte. Vor Roe v. Wade und auch heute noch organisieren sich überall in den USA Frauen, um Frauengesundheitsdienste und Abtreibungen außerhalb der offiziellen Gesundheitsdienste anzubieten, in eklatanter Missachtung dieser rückständigen Regeln und Gesetze. Und wir haben jedes Recht und jeden Grund, dies auch heute zu tun.

Diese Entscheidung des Obersten Gerichtshofs repräsentiert in keiner Weise die Interessen der Mehrheit in den USA, wo alle Umfragen zeigen, dass das Recht der Frau auf Abtreibung unterstützt wird.

Wir können und dürfen nicht zulassen, dass neun Richter und eine Handvoll rechtsgerichteter Politiker über unsere Zukunft bestimmen. Wir können und müssen uns organisieren und auf der Straße mobilisieren, um zu sagen: Unsere Körper, unsere Leben, unsere Entscheidung.

Protestierende vor dem Supreme Court Montag Nacht, 2. Mai 2022, gegen den geleakten Entwurf zur Abschaffung des Abtreibungsrechts – (Photo/Anna Johnson)

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