Österreich: Strategien gegen den Pflegemangel

In der letzten Aurora haben wir geschrieben, dass bis 2030 über 75.000 zusätzliche Pflegekräfte in Österreich gebraucht werden. Es gibt dabei verschiedene Strategien, um mit dem Problem umzugehen.

Problem umgehen

Von „Arbeitgeber“- und Regierungsseite gibt es keine brauchbaren Ansätze. So plant der Wiener Stadtrat für Gesundheit die Anwerbung von philippinischen Pflegekräften, statt Bedingungen zu schaffen, die den Beruf attraktiver machen.

Mit der Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes wurden die Berufsgruppen Pflegefachassistenz und Pflegeassistenz eingeführt. Diese sollen unter Kontrolle der gehobenen Pflege weitgehende Tätigkeiten ausführen. Tatsächlich soll die gehobene Pflege (examinierte PflegerInnen) so immer mehr durch Personen mit einer kürzeren Ausbildung und niedrigerem Gehalt ersetzt werden. Weder für die Qualität der Pflege noch für die Arbeitsbelastung ist das eine gute Perspektive.

Mehr von uns …

Bessere Ansätze gibt es von gewerkschaftlicher Seite. So hat sich die Gewerkschaft vida von Arbeitskämpfen in Deutschland den Slogan „Mehr von uns ist besser für alle“ abgeschaut und mobilisiert für 20% mehr Personal in den Ordens1– und Privatspitälern. Erstens braucht es das Personal, zweitens würden die Arbeitsbelastung reduziert und MitarbeiterInnen länger im Beruf bleiben, statt sich in den Krankenstand, Burn-Out oder Berufswechsel zu verabschieden. Bei den Kollektivvertragsverhandlungen (Tarifverhandlungen in Deutschland) im privaten Gesundheits- und Sozialbereich (Sozialwirtschaft Österreich – SWÖ), zu dem auch die meisten Pflegeheime gehören, fordern die Gewerkschaften eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Sie argumentieren, dass es langfristig kaum möglich ist, mehr zu arbeiten und dabei gesund zu bleiben.

Die Durchsetzung dieser Forderungen wird allerdings ohne starke Streiks, öffentliche Aktionen und die Solidarität der PatientInnen und der Bevölkerung nicht durchsetzbar sein. Dass sich BasisaktivistInnen und kämpferische BetriebsrätInnen im Bereich seit Jahren für diese Ausrichtung einsetzen, gibt mehr Hoffnung, als die perspektivlosen Antworten der Vorstände und Klinikleitungen.

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1) Ordensspitäler sind gemeinnützige Krankenhäuser von christlichen Trägern

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