„Illegale“ erstreiken Bleiberecht

Am 18. Juni war es offiziell: Die französische Regierung
musste sich angesichts eines der größten Arbeitskämpfe
der letzten Jahre geschlagen geben und die
Hauptforderungen der Streikenden erfüllen!

Dieser Streik war in jeder Hinsicht etwas Besonderes:
Es waren rund 6.000 sogenannte „Illegale“,
also MigrantInnen ohne Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis,
die gestreikt haben. Der Streik dauerte über
8 Monate, rund 250 Tage ohne Lohn, ohne gewerkschaftliches
Streikgeld… Durchhalten und Überleben
war nur möglich durch große Solidarität, durch Unterstützung
von Familien, Freunden, zahlreiche Spenden
usw.

Ihre Forderung: Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.
Denn ganz anders als das Bild, das reaktionäre Regierungen
gerne zeichnen, gibt es Hunderttausende
„Illegale“, die täglich arbeiten gehen und sich zu besonders
harten Bedingungen ausbeuten lassen müssen –
auf dem Bau, als Putzkräfte, in der Gastronomie, als
Zeitarbeiter … Durch ihren Streik haben sie bewiesen,
wie sehr ihre Arbeitskraft gebraucht wird, so dass
am Ende sogar Unternehmer die Regierung bedrängt
haben, endlich eine Lösung zu finden.

Zähneknirschend hat die Regierung Kriterien zugestanden,
die für den Großteil der Streikenden, aber darüber
hinaus für Tausende oder Zehntausende weiterer
„Illegaler“ einen Anspruch auf Bleiberecht festlegen:
Wer seit fünf Jahren in Frankreich lebt, innerhalb der letzten
zwei Jahre 12 Monate Arbeit nachweisen kann
(wobei die Streikmonate als Arbeitszeit gerechnet werden)
und von einem Unternehmer für ein Jahr eingestellt
wird, soll automatisch Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung
erhalten.

Das sind noch immer viele bürokratische Hürden –
doch angesichts der bisherigen Willkür der Einwanderungsbehörden,
die nur wenigen „Einzelfällen“ ein
Bleiberecht ermöglichten, ist es ein großer Sieg! Diesen
Sieg haben die „Illegalen“, die ein Teil der französischen
Arbeiterklasse sind, nur ihrem entschlossenen
Kampf zu verdanken, wobei ihre Waffe die Waffe aller
Arbeitenden war: der Streik.

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