
Erklärung der NPA-Révolutionnaires vom 16. Februar 2026
Der rassistische und katholisch-fundamentalistische rechtsextreme Aktivist Quentin Deranque ist am Samstag, dem 14. Februar, an den Folgen seiner Verletzungen gestorben. Er war kein Heiliger – und doch stirbt er nun als Märtyrer der extremen Rechten und der Regierung, die halb in Trauer sind und halb erfreut über die Gelegenheit, die „Gewalt der radikalen Linken“ anzuprangern.
Die Erschaffung eines Märtyrers
Am Donnerstag, den 12. Februar, beteiligte sich Quentin Deranque am Ordnungsdienst für seine Kameradinnen von Némésis, die gekommen waren, um einen Vortrag von Rima Hassan an der Universität Sciences Po in Lyon zu stören. Némésis ist eine identitäre Splittergruppe, die Feminismus aus rein rassistischen Motiven instrumentalisiert. Sie sind bekannt für provozierende Aktionen gegen die Arbeiter:innenbewegung und drängen sich am 8. März, dem Internationalen Kampftag für Frauenrechte, unter Polizeischutz in Demonstrationen. Und es ist nicht das erste Mal, dass sie einen Vortrag der französisch-palästinensischen Juristin ins Visier nehmen, in dem es um den Völkermord in Gaza ging, der – erinnern wir daran in diesem Moment, wo alle den Toten gedenken sollen – laut den niedrigsten Schätzungen mindestens 70.000 Opfer gefordert hat.
Deranque gehörte zu einer Gruppe von Möchtegern-Faschisten, die sich einige Dutzend Meter von dieser Störaktion entfernt postiert hatten, bereit zuzuschlagen. Laut der online-Zeitung Mediapart war die Polizei im Voraus informiert, entschied sich aber, nicht einzugreifen – Némésis wird häufig von der Polizei geschützt, nie behindert. Der weitere Ablauf der Ereignisse ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.
Die Regierung solidarisch mit der extremen Rechten
Noch bevor die Ereignisse aufgeklärt wurden, erklärten Innenminister Nuñez und Justizminister Darmanin, die Schuldigen seien angeblich Mitglieder der sogenannten „ultra-Linken“. Diese Minister – wie das gesamte Lager von Präsident Macron – instrumentalisieren den Fall, um die Linke und die radikale Linke anzugreifen, sehr zur Freude der Rechtsextremen wie Le Pen, Bardella und Zemmour.
Ihre Empörung ist äußerst selektiv: Man hörte sie nicht in Bezug auf die elf Menschen, die seit 2022 von Rechtsextremen getötet wurden. Kein Wort über Ismaël Aali, der wegen seiner maghrebinischen Herkunft am 6. Januar südlich von Lyon ermordet wurde. Dasselbe Schweigen für den Schüler aus Décines-Charpieu, einem östlichen Vorort von Lyon, dem am 19. Januar unter einem Schwall rassistischer Beleidigungen das Gesicht aufgeschlitzt wurde. Kein Wort für El Hacen Diarra, einen migrantischen Arbeiter, der in der Nacht vom 14. auf den 15. Januar in den Händen der Pariser Polizei starb. Schweigendes Einverständnis auch nach dem Angriff auf Kurd:innen in Paris im Februar 2025, als rund 30 rechtsextreme Schläger eine Versammlung überfielen und einen CGT-Gewerkschafter mit einem Messer verletzten. Schließlich zeigt der Freispruch zugunsten der Polizisten im Fall des Todes von Adama Traoré, auf wessen Seite sich die Justiz stellt.
Das plumpe politische Manöver, die Partei La France insoumise als „linksradikal“ einzuordnen, dient allein dazu, der Bewegung von Mélenchon die Verantwortung für „politische Gewalt“ zuzuschieben. Das ist eine doppelte Verleumdung, denn die revolutionäre radikale Linke – der wir angehören – steht für kollektive und emanzipatorische Kämpfe gegen die Gewalt dieser kapitalistischen Gesellschaft. Die politische Gewalt – ob verbale oder physische –, die rassistisch und gegen Arme gerichtet ist und uns die Luft zum Atmen nimmt, geht von der extremen Rechten aus! Die Regierung gießt Öl ins Feuer: Indem sie – wie jüngst Macron bei Radio J – alle, die ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk zeigen, als antisemitisch bezeichnet, macht sie die französische extreme Rechte salonfähig, deren Judenhass, trotz heuchlerischer Reden, genauso groß ist wie ihr Hass auf Muslime oder angebliche Muslime. Indem sie das Programm von Le Pen gegen Migrant:innen und gegen die Linke teilweise oder ganz übernimmt, stärkt die Regierung gewaltbereite Gruppierungen im Umfeld des Rassemblement National.
Angesichts der Einschüchterungen und der Gewalt der extremen Rechten: Für die Einheit der Arbeitenden und eine Antwort als Arbeiter:innenklasse
Kein Wunder also, dass sich angesichts von so viel Wohlwollen faschistische Banden ermutigt fühlen. Seit Donnerstag treten sie offen in Erscheinung und greifen Büros von La France insoumise oder von Gewerkschaften in Paris, Lyon, Lille, Metz, Rouen, Castres, Bordeaux, Toulouse oder Montpellier an. Wir sprechen den Genoss:innen der France insoumise, die von der Regierung mit Beleidigungen und Verleumdungen überschüttet werden und zugleich Ziel wachsender rechtsextremer Gewalt sind, unsere volle Unterstützung aus. Ihr derzeitiges Ziel ist es einzuschüchtern – aber die gewaltbereiten Gruppen könnten bald noch weiter gehen. Das dürfen wir nicht zulassen. Räume und öffentliche Versammlungen von linken Parteien und von Gewerkschaften müssen gemeinsam geschützt werden. Die Aktivist:innen der NPA-Révolutionnaires werden sich an allen Strukturen beteiligen, die es ermöglichen sich gegen die braune Pest zu verteidigen. Die extreme Rechte gedeiht auf dem Boden der Kapital-Offensive, die zunehmend nationalistisch und militaristisch daherkommt. Sie gedeiht auf 40 Jahren sozialfeindlicher Politik, betrieben von konservativen wie sozialdemokratischen Regierungen. Eine Antwort der Arbeiter:innenbewegung kann sie nachhaltig zurückdrängen: Rassistische Demagogie und gewaltbereite Splittergruppen sind nichts im Vergleich zur Zahl, Entschlossenheit und kollektiven Organisation kämpfender Arbeiterinnen und Arbeiter.
