Die schlagenden Argumente des Stuttgart-21-Kartells

67% der Stuttgarter sind gegen das Bauprojekt. Seit
Monaten ziehen Demonstrationen durch Stuttgart,
um die Bauarbeiten für den neuen Hauptbahnhof
zu verhindern. Zehntausende haben so erreicht, dass
in Schubladen versteckte Gutachten zum Milliardenprojekt
„Stuttgart 21“ öffentlich gemacht werden
mussten. Seit dem Beginn der Abrissarbeiten im August
haben sich die Proteste weiter gesteigert. Am
30. September dann endete eine Demo mit über hundert
Verletzten, einige mit schweren Augenverletzungen.
Fassungslos erlebten die Stuttgarter, wie die
Polizei mit Wasserwerfern und Pfefferspray alles dransetzte,
dass die Bauarbeiten weitergehen. Doch nur
einen Tag später demonstrierten wieder 100.000, mehr
als je zuvor.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…

Seit 1995 steht fest, dass der alte Hauptbahnhof neugebaut
werden soll. Ein gigantisches Vorhaben, denn
der Bahnhof soll unter der Erde verschwinden, zig neue
Tunnel und Gleisanlagen sollen gebaut werden.
Beim Projektstart hieß es, dass allein der Bahnhofsneubau
2,5 Mrd. Euro kosten werde, im Dezember
2009 waren es dann schon 4,1 Mrd. und im Juli 2010
korrigierte die Deutsche Bahn die Zahlen auf 7,4
Mrd. … vor dem Baustart! Hinzu kommen weitere
2,9 Mrd. für die neue Strecke nach Ulm. Soweit die
offiziellen Zahlen.
Doch inzwischen ist klar, dass alles viel teurer wird.
Ein Gutachten des Bundesrechnungshofs kritisierte
schon 2008, dass mehrere Milliarden zu wenig kalkuliert
wurden. Neuere Gutachten rechnen mit mindestens
14 Mrd.

Kein Wunder, dass die Stuttgarter den vielen Versprechungen
der Deutschen Bahn und ihrer Freunde
nicht trauen. Wenn Berechnungen so manipuliert wurden,
wieso soll man diesen Leuten dann noch glauben,
dass am Ende Regionalund
Fernverkehr besser
funktionieren? Dass Parks erweitert werden? Oder dass
10.000 neue Arbeitsplätze entstehen?

Unternehmen und Staat in
tiefer Freundschaft verbunden

„Die guten Argumente überwiegen“ heißt es im Logo
des Stuttgart21Kartells.
Darin hat sich eine illustre
Gesellschaft aus Wirtschaft und Politik zusammengefunden.
Da sitzt DBChef
Grube neben dem früheren
Ministerpräsidenten Lothar Späth, der zufällig im Aufsichtsrat
des Tunnelbauers Herrenknecht ist. Dabei ist
auch der lokale Immobilienhai Häussler, dem beste
Kontakte zur lokalen CDU nachgesagt werden und weitere
Herren von der Baumafia und der Deutschen Bank.
Diese Runde verbindet weniger die Liebe zur Eisenbahn
als das gute Gespür für Geld … viel Geld!

Durch die Verlegung unter die Erde werden 100
Hektar Fläche in bester Innenstadtlage frei. Die DB
rechnet durch den Verkauf mit 1,4 Mrd. Euro. Beim
Umbau des Bahnknotens werden Bauund
Immobilienfirmen
Milliarden scheffeln. Wirklich „gute
Argumente“. Wer die Rechnungen bezahlen wird, steht
einigermaßen fest: die Stadt Stuttgart, BadenWürttemberg
und die Bundesrepublik.

„Wir wollen mitreden, wie das von uns erarbeitete
Geld verwendet
wird“

… fordern viele Stuttgarter.
Sie wollen sich nicht
länger verschaukeln lassen
und bezeichnen die
ganze Stuttgart21Bagage
lauthals als „Lügenpack“.
Die Landespolitiker
von CDU und SPD
hatten darauf gewettet,
dass sich die Demos totlatschen
werden, aber die
Wette ist nicht aufgegangen. Deshalb entschieden sie sich letzte
Woche, die Demonstration gewaltsam
zu räumen. Doch das hat die Proteste
nur angefacht. Unbeeindruckt von Polizeigewalt
und hohlen Phrasen über unsere
„repräsentative Demokratie“ geht
die Stuttgarter Bevölkerung weiter auf
die Straße.

Das sollte auch die Arbeitenden
deutschlandweit ermutigen, für ihre
Interessen auf die Straße zu gehen, gemeinsam
zu protestieren und zu streiken:
Gesundheitsreform und Zusatzbeiträge,
arbeiten bis 67 oder noch
länger, die lächerliche Erhöhung von
Hartz IV um 5 Euro pro Monat, angeblich
leere Kassen aber Milliardengeschenke
an Banken und Industrie … Es gibt
mehr als genug Gründe, sich vom Virus
der Stuttgarter Protestkultur anstecken
zu lassen!

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