Der Notbetrieb geht zuende

Notbetrieb geht zuende
Seit dem 31.01. wird der Notbetrieb an der Charité langsam zurück gefahren, d.h. es dürfen mehr Notfälle und zeitkritische Operationen durchgeführt werden. Das ist natürlich wichtig – auch Menschen ohne Corona müssen behandelt werden. Jedoch sollte der Charité Vorstand darauf achten, dass auch bei reduzierten Normalbetrieb Personal vorhanden sein muss, dass weder an Burn-Out noch an Corona erkrankt ist.

Nach einem Jahr Pandemie
Die Corona-Pandemie hat Jubiläum. Fast ein Jahr versorgen wir mittlerweile mit dem Virus infizierte Patient_innen und seit einem Jahr stecken sich auch viele unserer Kolleg_innen gerade auch auf Arbeit an. Nun endlich informiert uns das AMZ dazu, dass Folgen dieser Infektion als Berufskrankheit gelten könnten. Sicher, es wird nicht nur an Charité und AMZ liegen, dass für solch eine Meldung im Intranet ein Jahr benötigt wurde, aber auch die Information zu den an der Klinik verwendeten FFP-Masken kam erst jetzt. Ein Jahr nach Beginn der Pandemie. Bis heute kennen wir auch keine Zahlen, wie viele von uns an Covid-19 erkrankten und vielleicht noch immer an den Folgen leiden. In unseren Augen nun wirklich kein Ruhmesblatt.

Das Mutantenstadl
So, nun ist es offiziell, die britische Mutante ist auch bei uns angekommen. Das Vivantes-Humboldt Klinikum hat es sogar richtig schlimm erwischt, das komplette Haus wurde in Quarantäne gesteckt. Die Konsequenzen für die Kolleg_innen sind weitreichend – Pendelquarantäne, Freizeitverbot und Hausarrest. Trotz Lock Downs und privater Einschränkungen verbreitet sich das Virus munter weiter … und ratet mal wo? Auf Arbeit! Eine Antwort könnte die Initiative #ZeroCovid (https://zero-covid.org/) bieten. Sie fordern einen solidarischen Lock Down der kompletten Wirtschaft, bei vollem Lohnausgleich und ohne Stellenabbau. Und wer soll dafür zahlen? Die Großunternehmen und Reichen, die trotz Pandemie fette Gewinne gemacht haben.

Jetzt muss es endlich rummsen in der Altenpflege
Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass sich die Löhne in der Altenpflege verbessern. Dazu klagt dieser Verband nun gegen die Gewerkschaft ver.di und will ihr das Recht
absprechen, Tarifverträge in diesem Bereich abzuschließen. Als Begründung dient dem Verband der zu niedrige Ver.di-Organisationsgrad. Gerne würde dieser Verband wohl Billigtarifverträge mit einer ihm hörigen Gewerkschaft abschließen. Man kennt solche Modelle, „Fake-Gewerkschaften“ werden dafür auch unter Beteiligung der Chefseite gegründet. Darauf kann es eigentlich nur eine Antwort geben, Streik, ob mit ver.di oder ohne. Und wer da sagt, das geht nicht, wegen des Wohlergehens der Bewohner_innen, der mag kurz daran denken, wie wenig die Seniorenheime in der Lage waren, die Bewohner_innen und das Personal in der Corona-Pandemie zu schützen. Nicht nur weil es das Virus gibt, sondern weil die Chefs aus Kostengründen es versäumt hatten, Schutzmaterial vorzuhalten, weil sie aus Profitstreben immer am Personal sparten und so auch ohne Virus in vielen Einrichtungen unhaltbare Zustände herrschen.

Entlastung nur für alle
Vivantes-Kolleg_innen scharren mit den Füßen, Charité-Kolleg_innen wollen gemeinsam mit ihnen wieder aktiv werden für eine wirklich spürbare Entlastung in den Kliniken. Dazu trafen sich viele zu einer gemeinsamen ver.di-Mitgliederversammlung. Doch Kliniken bestehen nicht nur aus Pflegepersonal und Ärzt_innen, sondern zum Funktionieren eines Krankenhauses braucht es Viele. Von der Reinigungskraft bis zur Gärtnerin, von der Physiotherapie bis zu den Logistikern. Viele dieser Kolleg_innen, die unverzichtbar sind benötigen wie die Pflege dringend Entlastung. Doch sie sind oft in Tochterfirmen ausgegliedert und erhalten dadurch auch noch Billiglöhne. Bei uns an der Charité kämpfen z.B. die CFMler seit Jahren um den TVöD, derzeit befinden sie sich in der Schlichtung. Entlastung geht nur gemeinsam mit ihnen. Entlastung geht nur mit TVöD für alle an der Spree.

Lebensgefährliche Ausbeutung
Neuerdings berufen sich ja unsere Oberen ganz gern auf die Wissenschaft und entsprechende Studien. Zumindest wenn sie ihnen in den Kram passen. Diese Studie passt ihnen jedenfalls nicht so recht. Die besagt nämlich nach Untersuchungen in Wuhan, dass das Ansteckungsrisiko für Gesundheitsarbeiter_innen nach sechs Stunden Schicht extrem ansteigt. Nun hat das Spahn-Imperium gerade Schichtlängen bis 12 Stunden ermöglicht und die Mindestbesetzung außer Kraft gesetzt. Aber hej – wir wollens ja mal nicht übertreiben mit der Wissenschaftsgläubigkeit.

Ach Jens, Las(ch) et
Auch das noch. Nachdem Bundesgesundheitsminister Spahn bei der CDU-Kandidatenkür mal gerade so an der Blamage vorbeigeschrammt ist, steht nunmehr zu befürchten, dass er sich wieder verstärkt um seinen eigentlichen Job als Minister kümmert. Ach Nöö – das ist doch alles so schon schlimm genug. Wer nach den Erfahrungen im ersten Lockdown dachte, jetzt müsste doch auch der vernagelteste Neoliberale endlich begreifen, dass diese ganze DRG-gesteuerte Sparpolitik geradewegs ins Abseits führt – der kannte uns Jens aber schlecht. Erst hat er zum 01.10. die DRG wieder flächendeckend in Kraft gesetzt. Als es dann in der zweiten Welle nicht mehr anders ging, wurde der „Rettungsschirm“ wieder aufgespannt – aber nur für 25% der Einrichtungen. Beim Rest bleibt wohl die Hoffnung: Der Markt wirds schon richten. Hat der ein Schwein, dass hierzulande Minister nicht nach Leistung entlohnt werden.

Ach Du dickes Ei
Nach Zeitungsberichten denken die Macher der Fernsehserie „Charité“ ernsthaft über eine 4.Staffel nach. Diese soll wohl in der Zukunft, im Jahre 2049 spielen. Für eine zentrale Hauptrolle ist die Figur Christian Drosten schon sicher. Ob als Nebendarsteller Covid-49 gewonnen werden kann, ist noch offen. Aber die Casting-Crew ist zuversichtlich. Bei einer weiteren Fortsetzung der Sparmaßnahmen beim Pflegepersonal wird 2049 sicher so wenig Gage für Statisten anfallen, dass sie Covid-49 ein Angebot machen können, dass es unmöglich ablehnen kann.

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