Der austrofaschistische Weg in den Zweiten Weltkrieg

In Österreich endete das jahrelange Zurückweichen der Sozialdemokratie vor dem Austrofaschismus im Jahr 1934 in einer Niederlage und ebnete so den Weg zum „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland.

Nach der Revolution 1918, in der durch Massenaktionen der Arbeitenden und die Organisierung in Arbeiter:innen- und Soldatenräten die Monarchie gestürzt wurde, entstand eine Doppelmachtsituation zwischen den Räten und der bürgerlichen Regierung aus christlich-sozialer Partei und Sozialdemokratie. Unter diesen Umständen waren die Kapitalist:innen zu weitreichenden Sozialreformen wie dem 8-Stunden-Tag bereit, um die kapitalistische Herrschaft aufrechtzuerhalten. Im Gegenzug demobilisierte die dankbare Sozialdemokratie die Rätebewegung.

Nach dem Abebben der revolutionären Stimmung schied die Sozialdemokratie aus der Regierung aus, und die Bürgerlichen begannen mit einer schrittweisen Rücknahme der Errungenschaften. Rechtsextreme Verbände gingen auch auf der Straße gegen die Arbeiter:innenbewegung vor. Die Sozialdemokratie war zu keinen offensiven Schritten bereit, sondern wich immer weiter zurück. Ihre paramilitärische Formation, der Republikanische Schutzbund, sollte lediglich der Verteidigung der bürgerlichen Demokratie dienen.

Aufstieg und Triumph des Austrofaschismus
1933 nutzte der „christlich-soziale“ Kanzler Engelbert Dollfuß eine Pattsituation im Parlament, um die bürgerliche Demokratie auszuhebeln und fortan autoritär per Notverordnung zu regieren. Sowohl Schutzbund als auch NSDAP wurden verboten.

Als am 12. Februar 1934 eine Einheit des Schutzbunds in Linz gegen die Entwaffnungen – die in Arbeiter:innenheimen im ganzen Land stattfanden – Widerstand leistete, mündete dies in einem mehrtägigen Bürger:innenkrieg, in dem sich zehntausende Arbeiter:innen dem Bundesheer und der rechtsextremen Heimwehr entgegenstellten. Der Kampf, der von der sozialdemokratischen Führung äußerst halbherzig organisiert wurde, endete in einer bitteren Niederlage. Tausende Kämpfer:innen wurden im Kampf getötet oder danach hingerichtet.

Der Weg zum „Anschluss“
Dollfuß wollte ein österreichisches faschistisches Modell aufbauen – in Abgrenzung zu Hitlerdeutschland und mit Mussolinis Italien als Schutzmacht. Das Kleinbürger:innentum orientierte sich allerdings zunehmend an NS-Deutschland. 1934 wurde Dollfuß bei einem gescheiterten Nazi-Putsch getötet. Sein Nachfolger Kurt Schuschnigg gab dem Druck Hitlers schrittweise nach, nahm Vertraute Hitlers in die Regierung auf und organisierte nach dem Einmarsch der deutschen Truppen ein Schein-Referendum über den Anschluss an Deutschland. Gegen den Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938 gab es keinen Widerstand. Der Kampf gegen den Faschismus wurde bereits 1934 verloren.

Florian Weissel, Wien

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