Prost
500 waren gekommen, aber nicht um uns bei der Ackerei
zu unterstützen, sondern um andächtig beim Neujahrsempfang
den Worten des Chefs unserer Charité zu lauschen.
Es waren halt Gäste aus Wissenschaft, Politik,
Wirtschaft und Kultur. Wie viele KollegInnen aus der Reinigung
oder der Pflege dabei waren, ist nicht bekannt.
(Wahrscheinlich hat man sie erst nach der Veranstaltung
dort gesehen.) Aber trotzdem hat sich mal wieder jemand
bei uns bedankt. Diesmal die Frau Scheeres: „Hinter allen
Erfolgen der Charité stehen viele Menschen….Sie alle sind
die Charité.“ Hört, hört! Wir haben allerdings immer mehr
das Gefühl, am Boden zu liegen statt hinter dem Erfolg zu
stehen. Das mag sie nach dem Neujahrssekt nicht mehr
richtig gesehen haben.
Sklavenhaltergesellschaft in der Klinik
„Denk doch an die Patienten“, diesen Satz müsste man zu
Ende führen mit: Wenn es das Management schon nicht
tut. Und tatsächlich bringt uns diese moralische Erpressung
immer wieder dazu, länger zu arbeiten oder aus dem
Frei heraus zusätzliche Dienste zu übernehmen. Doch
noch dreister geht es bei den Akademikern zu. Der KPR
berichtet über eine Dienstanweisung an ÄrztInnen, die sie
verpflichtet, „freiwillig“ zusätzliche Dienste zu übernehmen.
Und so täuscht das Gefühl dann eben nicht, dass wir an
der Charité keine Arbeits-, sondern Unterwerfungsverträge
am Tag der Einstellung unterschreiben.
Gesundheitskommission in Groß?
Da kann man doch wirklich nur lachen. Nun will der Bund
eine Kommission zusammenstellen, welche bis 2017 ermitteln
soll, wie viel Pflegepersonal bundesweit in den
deutschen Kliniken gebraucht wird. Kommt uns doch irgendwie
bekannt vor, oder? Weil sich aber schon allein in
den Berliner Krankenhäusern hunderttausende Überstunden
angehäuft haben, soll es eine Soforthilfe von 660 Mio.
Euro für alle Kliniken geben. Ui ui ui, das sind ja ganze 2
Vollzeit-PflegerInnen pro Klinik. Und unsere Erfahrung mit
der Gesundheitskommission an der kleinen Charité zeigt
ja, was dann 2017 rauskommen wird.
Nachruf…
Anfang Januar ist ein Kollege von den Maschinenfahrern in
Steglitz verstorben. Viele Kollegen sind geschockt. Nicht
nur weil sein Tod eine schmerzliche Lücke in ihre Reihen
gerissen hat und sie ihn vermissen werden, sondern auch
weil man mit nicht mal 50 Jahren einfach nicht mit einem
solchen Tod rechnet.
Die Chefs dagegen lässt solch ein Tod anscheinend kalt.
Es gab kein Wort darüber. Sie pressen uns Schicht für
Schicht aus und wenn wir dann im Feierabend das Zeitliche
segnen, geht es ihnen eben am A… vorbei. Doch was
haben wir erwartet? Schließlich wird man nicht Chef, wenn
man noch sowas wie Anstand und Mitgefühl empfindet…
Pokalsieg!
Der „Freundeskreis der Charité“ hat dieses Jahr das erste
Mal einen Patienten-Award verliehen. Aber wer ist dieser
Freundeskreis überhaupt und für was vergibt er denn
einen Award? Die letzte Frage klärt sich ganz einfach. Die
Patientenzufriedenheitsbögen wurden ausgewertet (wenn
das mal mit den Überlastungsanzeigen passieren
würde…) und die Stationen mit überdurchschnittlichen
Bewertungen haben einen Preis bekommen, darunter
gehört auch die Häma/Onko im CBF. Doch bei
Schichtbesetzungen von 2, 2, 1 und diesem
Pflegeaufwand fragt man sich, wer diese Bögen ausgefüllt
hat. Gibt es da etwa einen heimlichen Umfragebögen-
Ausfüller, welchen sich das CC14 geleistet hat, um seine
krasse Kürzungspolitik schön zu „awarden“?
Nicht genug Personal auch bei Helios
Anscheinend hat Helios nicht wie die Charité daran
gedacht, genug Personal für das Ausfüllen der
Patientenbefragungen einzustellen. Denn da gab es in der
vergangenen Zeit viele Beschwerden über die dürftige
Pflege im Klinikum Schleswig. Natürlich fühlen sich jetzt
viele PflegerInnen persönlich getroffen, da sie, wie wir, ihr
Letztes und Bestes auf Arbeit geben. Aber auch sie haben
das Problem der Unterbesetzung. Interessant ist dabei,
wie die Geschäftsführung das Problem lösen will. Sie hat
einfach eine „motivierende“ Mitarbeiterversammlung
einberufen. Hier wurde noch mal klar gemacht, dass die
„Beschwerden (also Unterbesetzung) nicht als
symptomatisch für den gesamten Klinikbetrieb gelten“.
Wenn man sagt, es gibt keine Unterbesetzung, dann gibt
es auch keine – Problem gelöst. Naja, ob das den
KollegInnen hilft, ist eher fraglich…
Wer wird Milliardär?
Die neueste Studie von Oxfam bestätigt mal wieder, was
sich alle denken konnten: die Top-Milliardäre der Welt –
genau genommen 80 Personen – besitzen mehr als die
ärmste Hälfte der Weltbevölkerung zusammen, sprich 3,5
Milliarden Menschen! 80 Prozent der Menschheit müssen
sich 5,5 Prozent des produzierten Reichtums teilen.
Stellt sich manch einem die Frage, wie kann man eigentlich
so reich werden? Vom selber arbeiten jedenfalls nicht
– so viel wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Die Reichen
haben einen ganz einfachen Trick gefunden: sie lassen
arbeiten – die Arbeiterklasse.
Lasst uns prassen!
Wo letztes Jahr gestreikt wurde, stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder
und damit auch das Geld in den
Streikkassen. Im Managersprech hieße dies: eine win-win-
Situation. Wann nutzen wir diesen Effekt endlich aus und
hauen hier mal richtig auf die K…?
