Broschüre: Der Streik bei BSH im Herbst 2006

Im Herbst 2006 sorgten einige Hundert Streikende vom Berliner BSH-Werk für Furore. Sie wehrten sich gegen die angedrohte Stilllegung der Produktion.Selbst wenn seit der Auseinandersetzung inzwischen einige Zeit vergangen ist, lohnt es sich dennoch, die Diskussion über die Erfahrungen und Perspektiven dieses Streiks fortzuführen.

In vielem unterscheidet sich dieser Streik von anderen Arbeitskämpfen der letzten Zeit in Deutschland. Anders als bei ähnlichen Ausein­andersetzungen haben die streikenden BSH-ler mit dem „Marsch der Solidarität“ den Kampf über die Grenzen des Standortes hinaus bekannt gemacht und zumindest teilweise erfolgreich versucht, Solidarität über Werks- und Ländergrenzen hinaus zu organisieren. Sie wollten nicht, dass die Arbeitenden sich weiterhin gegeneinander ausspielen lassen, sondern dass sie ihre gemeinsamen Interessen in gemeinsamen Kämpfen durchsetzen. Sowohl der BSH- als auch der Siemenskonzern wurden von einer kleinen Belegschaft enorm unter Druck gesetzt.

Der Streik wurde offiziell von der Gewerkschaft IG Metall geführt. Doch der Kampf bei BSH hat wieder einmal deutlich gezeigt, dass die Interessen des Gewerkschaftsapparates und die der kämpfenden ArbeiterInnen und Angestellten längst nicht immer identisch sind. Anfangs konnte die Gewerkschaftsbürokratie noch alles unter ihrer Kontrolle halten und blieb trotz der massiven Angriffe des Konzerns zögerlich und in der Defensive. Doch sie wurde schließlich von der Entschlossenheit der Belegschaft in den Streik getrieben. Viele Initiativen und Vorschläge kamen von den Streikenden selbst. Mit einer dreiwöchigen Betriebsversammlung und der Kontrolle der Werkstore verhinderten sie den Abtransport wichtiger Geräte und machten zugleich erste Erfahrungen ihrer Stärke. Doch immer wieder wurden sie von der Gewerkschaftsbürokratie ausgebremst, die schließlich sogar gegen den Willen der Mehrheit der kämpfenden BSH-ler den Streik abwürgte.

Diese Auseinandersetzung reiht sich ein in eine Kette von Kämpfen, die in den letzten Jahren als Antwort auf angekündigte Massenentlassungen und Standortschließungen geführt wurden. Wie bei Opel in Bochum 2004 oder bei AEG in Nürnberg 2005/06 spielten die ArbeiterInnen und einige Angestellte von BSH eine entscheidende Rolle im Kampf, da sie sich nicht länger mit der oft geübten Verzichtslogik der Gewerkschaftsführungen abspeisen lassen wollten. Der entschlossene Kampf der BSH-ler hat auch gezeigt, dass es grundsätzlich möglich ist, einen großen Konzern in die Knie zu zwingen, wenn die Arbeitenden ihre Kraft, ihren Mut, ihre Kreativität in die Waagschale werfen und sich nicht durch Standortdenken spalten und isolieren lassen.

Dezember 2007

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