
Nach der Silvesternacht in Berlin schauen viele auf die Jugendsozialarbeit. Doch gerade in Berlin sind die Arbeitsbedingungen der Erzieher:innen und Sozialarbeiterinnen denkbar schlecht. Nicht nur Lehrer:innen sondern auch Erzieher:innen verdienen in anderen Bundesländern mehr und finden teilweise auch bessere Arbeitsbedingungen vor. Besonders die Jugendämter sind chronisch unterbesetzt und eine Fachkraft bearbeitet so viele Fälle, wie in Bayern von 2,5 Fachkräften bearbeitet werden. Laut Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie soll eine Fachkraft 65 Fälle bearbeiten, was immer noch viel ist. In Realität sind es aber eher 100 Fälle, die ein:e Jugendamtsmitarbeiter:in bearbeiten muss. Das ist besonders in Kinderschutzfällen tragisch. In den letzten 5 Jahren hat sich die Anzahl der Inobhutnahmen verdoppelt. Die Fachkräfte gehen auf dem Zahnfleisch und haben für sehr wichtige Entscheidungen oft wenig Zeit, viele sind aufgrund der hohen Belastung krank. Hinzu kommt auch die Überlastung im bei Angeboten der Krisenintervention und betreuten Wohnangeboten. In den Notdiensten wurden in den letzten 5 Jahren knapp 400 Plätze gestrichen. So kommt es dazu, dass Kinder und Jugendliche zu oft trotz großer Anstrengungen nicht vor Gewalt und Vernachlässigung geschützt werden können. Alle Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe sind von Sparmaßnahmen und Rationierungen betroffen. Jugendzentren werden geschlossen, an Schulen wird gespart. In vielen Bereichen kann eine gezielte Förderung von einzelnen Kindern und Jugendlichen nicht gewährleistet werden, obwohl die jungen Menschen ein Recht darauf haben. Auch die 90 Millionen Euro Sondervermögen, die der Jugendarbeit nach Silvester beim Jugendgipfel versprochen wurden, werden wohl kaum was an der Lage ändern können.
Wir brauchen langfristig mehr Stellen, keine Projektfinanzierungen für ein oder 2 Jahre.
Die GEW, der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) und die AG Weiße Fahnen rufen alle Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie Jugendliche und Familien zur Protestkundgebung auf
Wann? Dienstag, 4.7.2023 um 9:00
Wo? Vor der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Bernhard-Weiß-Straße 6 in Berlin (Nähe Alex)
Beitragsbild: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2023/06/berlin-kindernotdienst-brandbrief-wegner-unhaltbare-zustaende.html
Die „AG Weiße Fahnen“ ist als Protestgruppe von Sozialarbeiter:innen der Berliner Jugendämter gestartet.
