Algerien : Ein Jahr später ist der Hirak immer noch da !

Juni 2019 in Algier
Quelle: wikipedia

Das ist eine Übersetzung eines Artikels unserer Gruppe L’Étincelle: „Algérie : un an après, le Hirak est toujours là !“ vom 24. Februar 2020

« Wir sind nicht gekommen, um zu feiern, sondern um euch wegzujagen ». Mit dieser Parole zogen noch letztes Wochenende mehrere zehntausend Demonstranten durch die Straβen von Algier und vielen anderen algerischen Städten. Und an diesem Wochenende demonstrierten sie sogar an zwei Tagen hintereinander : Am Freitag wie sie es seit einem Jahr jede Woche tun. Und am Samstag, dem Jahrestag der ersten groβen Demonstration der Hirak-Bewegung vom 22. Februar 2019.

Ein sozialer Aufstand gegen den regierenden Clan

Eines steht fest : Die Demonstranten demonstrieren weiter. Sie sind immer noch entschlossen, Schluss zu machen mit einem Regime von Privilegierten, die sich die Reichtümer des Landes unter den Nagel reiβen, während die Bevölkerung mit der Massenarbeitslosigkeit, den Hungerlöhnen, dem Elend und dem miserablen Zustand der Öffentlichen Dienste konfrontiert wird…Schluss zu machen mit einem Regime, unter dem das Militär seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1962 die Macht ausübt und eine Clique von Konzernbossen entstand, die ihr Vermögen im Schatten des Staates und des Militärs anhäuften. Übrigens : Nicht vor langer Zeit wurde einer von ihnen von Macron mit groβem Pomp empfangen. Dabei gratulierte Macron ihm zu den einträglichen Geschäften, die er auch in Frankreich macht.

Die Freiheiten : Die Algerier baten nicht darum : Sie erkämpften sie. Seit dem Bürgerkrieg der neunziger Jahre haben Frauen und Männer, Alt und Jung die Straβe wieder erobert, im Rahmen einer so gewaltigen Protestbewegung, dass sie Millionen Menschen versammelte. Zwar versuchte die Regierung, sie zu unterdrücken : Sie nahm Demonstranten fest, aber ihre Entschlossenheit blieb unerschütterlich und die Regierung musste zurückweichen.

« Das ganze Diebespack muss weg »

Der Hirak begann im Februar 2019, als Bouteflika, der amtierende zweiundachzigjährige Präsident verkündete, er werde sich um eine fünfte Amtszeit als Präsident bewerben. Er war schon seit Jahren krank und nicht mehr in der Lage zu regieren. Dessen ungeachtet : Er war die Marionette, hinter der sich die wirkliche Macht der Stabsoffiziere und der wichtigen Geschäftsleute verbarg, mehr oder weniger verbunden mit den verschiedenen Clans des Militärs und der Herrschenden.

Aber nach einem Monat voller Demonstrationen und einem Aufruf zum Generalstreik, der in den Betrieben, den Schulen und auf den Universitäten massenweise befolgt wurde und weil die Geschäftsläden geschlossen blieben : Am 10. März 2019 zogen die Machthaber Bouteflikas Bewerbung zurück.

Der Generalstabschef übernahm öffentlich die Führung des Landes. Dabei versprach er für Juli eine neue Präsidentschaftswahl mit neuen Kandidaten. Aber der Schwindel änderte nichts an der Situation : « Sie müssen alle weg », « alle, die das Land ausplündern » und erst jetzt Gaïd Salah selbst, riefen die Demonstranten im Chor.

Dieses Volk lässt sich nicht an der Nase herumführen

Dann tat Gaïd Salah so, als ginge es ihm um Soziales : Er lieβ einige algerische Konzernbosse wegen Bestechung ins Gefängnis werfen. « Sie rechnen miteinander ab », sagten die Demonstranten. Und die für Juli verkündete Präsidentschaftswahl ? Sie wurde fallen lassen, weil die einzigen Kandidaten, die in Frage kamen,- alte Routiniers der algerischen Politik der Bevölkerung verhasst -, nicht einmal zu kandidieren wagten.

Als die Wahl schlieβlich im Dezember stattfand, war der Sieger Abdelmadjid Tebboune, der frühere Premierminister von Bouteflika und dem Generalstabschef Gaïd Salah nahestehend. Er wurde jedoch nur von einer kleinen Zahl Wähler gewählt. Die meisten algerischen Wähler blieben den Urnen fern (nicht weniger als 60% von ihnen enthielten sich der Stimme). Weder seine Wahl als Präsident noch der Tod des Generals Gaïd Salah, der kurz darauf erfolgte und sofort von einem anderen « starken Mann » des Generalstabs ersetzt wurde, änderten etwas an der Situation.

Die Wut ist immer noch da. Ein Jahr später geht die Hirak -Bewegung weiter. Obwohl immer wieder versucht wird, sie zu unterdrücken, denn die Verhaftungen setzen sich fort und in Algerien gibt es wieder Streiks.

Denn es geht nicht einfach darum, einen Präsidenten durch einen anderen zu ersetzen. Das Regime selbst müsse ersetzt werden, sagen die Algerier. Wir selber haben die Nase voll von Macron und seinem Umkreis. Es wäre gut, sich in Frankreich vom Hirak inspirieren zu lassen.

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