Die Bahnwelt vom Sofa aus

Die Bahnwelt vom Sofa aus

Im Dienstunterricht klingt vieles ganz einfach: da werden ZAT-FM Bilder oder so gezeigt, wo was falsch gelaufen ist. Und wir sollen es einfach mal kapieren und besser machen.

Aber so gemütlich mit Kaffee auf dem Sofa die Bilder anzuschauen hat nichts mit dem wahren Stresslevel zu tun, mit den Lichtverhältnissen, den Schatten und Reflexionen, mit denen man täglich zu kämpfen hat… mit dem sechsten Tag Schicht… bei dieser Signaldichte… Das ist wie sonst bei „Unregelmäßigkeiten“: da sitzen fünf Leute am Schreibtisch, wälzen breit die Vorschriften und erklären uns dann, was wir alles in 10 Sekunden falsch gemacht haben.

Die „Lösung“ liegt nicht bei uns allein!

Alstom und Bombardier – ein Milliarden Monopoly

Alstom will die Zugsparte von Bombardier kau­fen. Es ist von einem Kaufpreis zwischen 5,8 und 6,2 Milliarden die Rede. Alstom will in bar (!) und in Aktien bezahlen. Ein paar Milliarden auf dem Tisch packen… für international aufgestellte Unternehmen dieser Art kein Problem. Es könnte ein neuer Bahnindustrieriese entstehen, der neben Siemens und dem chinesischen Konzern CRRC das Mega-Roulette befeuern könnte.

Bei solchen Fusionen reiben sich allein die Aktio­näre die Hände. Ihre Vorfreude ist eine Drohung für alle Beschäftigten, auch für die Zehntausenden in Deutschland, die für Alstom und Bombardier arbeiten. Für die Beschäftigten aller Werke heißt es jetzt erst Recht zusammen­halten, über die Ländergrenzen hinweg.

Was kann die Ausschreibung stoppen?

Jetzt hat auch die Bundestagsfraktion der Linken erklärt, die S-Bahn-Ausschreibung nicht zu wollen. Man fragt sich, welches Phantom jetzt noch das Ganze vorantreibt, wenn „niemand wirklich“ dafür ist… Aber die Politiker der Berliner und Brandenburger Landesregierungen stoppen das ganze nicht, sie verhandeln nur noch über Details, wie die neue Werkstatt, und drängen intern auf eine schnelle Ausschreibung mit möglichst vielen Bietern. Was tun?

Jede weitere Ausgliederung und Zerschlagung ist ein Problem. Es geht nicht „nur“ um Entgelt und Arbeitszeit, auch die „kleinen“ sozialen Errungenschaften, die man nicht mehr jeden Tag so wahrnimmt, stehen auf dem Spiel. Immer kann was passieren, jemand springt vor den Zug, ein Verrückter stößt einen die Treppe runter. Je mehr alles zerkloppt wird, umso eher wird man uns sagen, dass es keine alternativen Arbeitsplätze gibt. In den Werkstätten wäre es noch schlimmer. Je mehr wir auseinander dividiert würden, umso mehr hängt jeder in seiner Ecke fest. Es würde schwerer, unsere Forderungen durchzusetzen. Und es besteht die Gefahr, dass man bei „persönlichen“ Problemen ins Bodenlose fällt. Diese Sorgen spielen bei den undurchsichtigen Politikerrunden keine Rolle… bis wir als Bahner uns bemerkbar machen.

Allein zu Haus

Wie nach dem Schienenbruch oder dem zuviel gefrästen Gleis letztens: wenn man schon „3 Uhr nochwas“ angefangen hat, kann einem die Zeit, die man dann alleine irgendwo rumsteht, ganz schön lang werden. Die kleinen Dinge, die den Büromenschen im Tower lieb sind, wie Toiletten, warmer Kaffee… sind dann unerreichbar weit. Von den Disponenten, die alle verarzten könn­ten, gibt es viel zu wenige und deshalb ist man wieder von den Informationen abgeschnitten. Schienenbruch oder so ist nicht akut schlimm, aber dass man sich dann um Banalitäten noch selbst kümmern muss, das ist nicht normal.

Schon Corona…

… oder doch nur eine „inoffizielle Mitarbeiterbefragung“? Es fehlen schon wieder so viele Leute, das fällt gleich auf.

Was lehrt uns das? Wir sind diejenigen, die die Züge bewegen, ohne uns läuft nichts. Was könnten wir alles erreichen, wenn wir mal wieder gemeinsam die Arbeit niederlegen würden?

Tablet mit Sparvirus

Die neuen Tablets bei der S-Bahn können tolle Dinge, aber lesen und ausdrucken tun sie immer noch nicht von alleine. Wann kriegen wir endlich Bürozeiten als Arbeitszeit eingeplant?

Shopping Queen verirrt

Der DB-Vorstand liebt bekanntlich Blitzlicht­gewitter. Diesmal musste zur Rechtfertigung ein „Designer“ herhalten: es geht um die neue Dienstkleidung.

Uns wird die neue UBK schmackhaft gemacht, sie sei fairtrade… aus Mazedonien und Bulgarien, wo die mickrigen Löhne alles andere als „fair“ sind. Und die Klamotten seien gut für unsere „Mitarbeiterzufriedenheit und die Identifikation mit der Marke DB.“ Zufriedenheit? Die Klamotten sehen nicht mal nach Bahn aus, eher nach Restposten von Air Berlin. Und wo sind die warmen Winterjacken und dicken Pullover in der Show? Ein paar neue Klamotten macht noch keinen „Besten Arbeitgeber“.

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