Künstliche Intelligenz, Energie, Mineralien und die wachsende Rivalität zwischen den USA und China um die Weltherrschaft

(Hierbei handelt es sich um eine überarbeitete Fassung von Vorträgen, die Speak Out Socialists bei jüngsten Treffen mit anderen internationalen Organisationen gehalten hat.) Original auf https://speakoutsocialists.org/ai-energy-minerals-and-the-growing-u-s-china-rivalry-to-dominate-the-globe/

Übersetzung von Julian Klatsky

Einleitung

Bezüglich der wachsenden Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China kursieren unterschiedliche Auslegungen. Manche Beobachter behaupten, es gebe keine nennenswerte Auseinandersetzung, da beide Volkswirtschaften zu eng miteinander verflochten seien. Andere möchten diese Konfrontation so darstellen, als habe ein dritter Weltkrieg bereits begonnen. Wieder andere argumentieren, hier liege kaum ein wirklicher Wettstreit vor, weil die Vereinigten Staaten die einzige reale Großmacht darstellten.

Solche Ansichten mögen bedenkenswerte Aspekte enthalten, verfehlen jedoch den Kern der Wirklichkeit. Tatsächlich stecken die Vereinigten Staaten und China in einer ausgewachsenen, sich ständig verschärfenden wirtschaftlichen Konkurrenz. Beide Staaten besitzen wechselseitig voneinander abhängige Wirtschaftsordnungen. Genau diese gegenseitige Verflechtung fungiert gegenwärtig als maßgeblicher Dämpfer gegen eine unmittelbare militärische Konfrontation.

Mit jener Verflechtung gehen beiderseitige Verwundbarkeiten einher, die beide Länder zu überwinden suchen, indem sie sich voneinander entkoppeln und in strategischen Schlüsselindustrien eine Vormachtstellung anstreben. Gegenwärtig setzen beide Seiten alles daran, einen offenen militärischen Waffengang zu vermeiden, wenngleich die Mittel dieser Vermeidung sie zu einem späteren Zeitpunkt näher an einen solchen Konflikt heranführen können.

Die Auswirkungen dieses unerbittlichen Wettstreits erfassen jeden Winkel der Erde, während beide Mächte versuchen, die Welt ihren eigenen Interessen entsprechend neu aufzuteilen.

Von Partnern zu Konkurrenten

Die Rivalität zwischen den USA und China erreichte ihren Höhepunkt ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die wichtigsten Technologiesektoren des 21. Jahrhunderts den Übergang von einem Wachstumsspielraum für alle zu einem Null-Wachstum vollzogen.

Dieser Gegensatz verschärfte sich keineswegs durch eine plötzliche Zunahme persönlicher oder ideologischer Feindseligkeit. Vielmehr wuchs die Feindseligkeit, weil sich die ökonomische Logik der Märkte unter ihren Füßen veränderte und die Möglichkeiten für ein fortgesetztes Wachstum beider Reiche schwanden.

Über ein Jahrzehnt lang, von den Neunzigerjahren bis zum Jahr 2008, verband die Vereinigten Staaten und China eine vorteilhafte wirtschaftliche Symbiose. Beide Ökonomien wuchsen zeitgleich, während die Technologiemärkte schnell genug expandierten, sodass niemand um Marktanteile erbittert kämpfen musste.

Anschließend setzte die schwere Wirtschaftskrise beider Staaten neue Wachstumsgrenzen. Um das Jahr 2014 traten China und die Vereinigten Staaten aus dieser Krise als direkte Konkurrenten hervor, eine Dynamik, die sich seither kontinuierlich gesteigert hat.

Ein anschauliches Bild vermitteln die Handelsdaten. Im Jahr 2000 belief sich das gesamte Handelsvolumen Chinas auf etwa 474 Milliarden Dollar. Im Jahr 2024 erreichte es 6,2 Billionen Dollar, was einer dreizehnfachen Steigerung entspricht. Das gesamte Handelsvolumen der Vereinigten Staaten stieg im selben Zeitraum von rund 1,3 Billionen Dollar auf 5,3 Billionen Dollar, was einer Vervierfachung gleichkommt.

China wuchs dabei keineswegs friedlich an der Seite der Vereinigten Staaten. Ein Wachstum dieses Ausmaßes bedeutete vielmehr das Vordringen in dieselben Märkte, welche die Vereinigten Staaten historisch beherrscht hatten. Als die neuen Technologiemärkte heranreiften und die Erschütterungen des Jahres 2008 abklangen, dominierte China neue Wirtschaftsfelder, während die Vereinigten Staaten sich plötzlich in der Rolle des kleineren Herausforderers wiederfanden.

Darin wurzelt die grundlegende Rivalität, denn beide Nationen ringen unerbittlich um die globale Vormachtstellung.

Eine Rivalität der gegenseitigen Abhängigkeit

Zwischen den Vereinigten Staaten und China existieren unzählige wirtschaftliche Abhängigkeiten und Reibungsflächen. Sie reichen von Lieferketten und Seewegen über Halbleiter, künstliche Intelligenz, Energie und Elektrofahrzeuge bis hin zu kritischen Mineralien, Pharmazeutika, Rüstungsproduktion, Telekommunikation, Bankwesen und Raumfahrt. Es handelt sich um ein Geflecht aus feindseliger Abhängigkeit und symbiotischem Wettstreit in praktisch jedem großen Wirtschaftszweig.

Was häufig als bloßer Handelskrieg bezeichnet wird, lässt sich zutreffender als strategischer Machtkampf zweier Weltmächte verstehen, bei dem jede Partei versucht, der jeweils anderen den Zugriff auf jene Technologien zu verwehren, welche die militärische und wirtschaftliche Stärke künftiger Jahrzehnte bestimmen werden. Beide Seiten arbeiten gezielt daran, strategische Engpässe auszunutzen. Gemeint sind Knotenpunkte in der Lieferkette, an denen die Kontrolle über ein einziges entscheidendes Bauteil einer Partei überproportionalen Druck auf die gesamte Kette verleiht. Die gegenwärtige Lage gleicht einem Wettlauf an zwei Fronten. Jede Seite versucht ihre eigenen Engpässe als Druckmittel einzusetzen, bevor die Gegenseite Ausweichrouten aufbaut, während sie gleichzeitig darum kämpft, die Engpässe des Gegners zu umgehen, bevor dieser sie voll zur Geltung bringen kann. Jeder Zug provoziert eine Gegenreaktion. Das Tempo zieht an, und der Einsatz steigt beständig. Im Zentrum dieses Geschehens steht das enge Gefüge aus künstlicher Intelligenz, Halbleitern, Mineralien und Energie.

Ein Blick auf ausgewählte Bereiche verdeutlicht diesen Zusammenhang.

Im Herzen des Wettbewerbs und der gegenseitigen Abhängigkeit stehen Computerchips. Integrierte Halbleiterschaltkreise bilden das Nervensystem der modernen Wirtschaft. Kaum ein Bereich des weltweiten Wirtschaftslebens kommt ohne sie aus, und der Wettlauf um die Vormacht in der künstlichen Intelligenz hängt vollkommen von ihnen ab.

Betrachtet man die Produktion und den Einsatz von Halbleitern, zeigt sich die verwobene wechselseitige Abhängigkeit in ihrer ganzen Tragweite, mitsamt den vielfältigen Wegen, auf denen beide Länder fieberhaft versuchen, aus diesem Abhängigkeitsverhältnis auszubrechen.

Ein strategischer Engpass der Vereinigten Staaten

US-amerikanische Unternehmen wie Synopsys und Cadence halten ein Monopol auf die hochkomplexe Software, mit der Halbleiter entworfen werden.

Das niederländische Unternehmen ASML, das stark unter dem Einfluss der Vereinigten Staaten steht, weil es seine Anlagen nicht ohne Laserkomponenten des US-Herstellers Cymer aus San Diego bauen kann, ist der weltweit einzige Hersteller jener extrem-ultravioletten Lithografiemaschinen, die für die Fertigung modernster Halbleiter unentbehrlich sind.

Überdies stellt das taiwanische Unternehmen TSMC, das politisch und militärisch fest an der Seite der Vereinigten Staaten steht, den weltweit einzigen Akteur dar, der modernste Halbleiter mit hoher Ausbeute fertigen kann. Diese Fähigkeit gründet auf dreißig Jahren akkumuliertem Fertigungswissen, das sich weder rasch kaufen noch ohne Weiteres nachahmen lässt.

Weil die Vereinigten Staaten technologisch und politisch tief mit diesen drei Akteuren verwoben sind, entsteht eine Art strategischer Käfig. Ein Halbleiter lässt sich nicht an der Synopsys-Software vorbei entwerfen, ohne dass seine Fertigung rechtlich blockiert wird. Ohne die Lithografiemaschinen von ASML ist keine Fabrikation möglich. Ohne TSMCs Fabrik und Erfahrung lassen sich die Produktionsraten nicht erzielen, die moderne Chips wirtschaftlich rentabel machen. Doch all diese Schritte bleiben ihrerseits ohne die Mineralien aus China undenkbar.

Strategische Engpässe Chinas

Chinesische Staats- und Privatkonzerne beherrschen rund 80 % der weltweiten Förderung und Weiterverarbeitung jener kritischen Mineralien, welche die zentralen Rohstoffe für moderne Halbleiter und sämtliche darauf angewiesenen Industriezweige bilden. China kontrolliert rund 91 % der weltweiten Veredelung Seltener Erden, mindestens 80 % des batterietauglichen Graphits, 73 % der Kobaltveredelung sowie den Großteil der Produktion von Gallium und Germanium. All diese Rohstoffe sind für Halbleiter, Verteidigungssysteme, Elektrofahrzeuge und die Umstellung der Energiesysteme zwingend erforderlich.

Betrachtet man die technischen Abläufe genauer, beruht Chinas Machtposition bei den Mineralien nicht primär auf der reinen Fördermenge der Erze. Der entscheidende Vorteil liegt in der Kontrolle über die petrochemische Veredelungsinfrastruktur, die benötigt wird, um Roherz in nutzbare industrielle Vorprodukte zu verwandeln. Die Trennung Seltener Erden verlangt spezielle petrochemische Substanzen, welche die chinesischen Staatskonzerne Sinopec und Sinochem in riesigem Umfang und staatlich subventioniert herstellen.

Die Vereinigten Staaten gaben diese Verarbeitungsstufen gemeinsam mit einigen japanischen und französischen Chemiekonzernen in den Achtziger- und Neunzigerjahren auf. Ausschlaggebend dafür waren hohe Umweltkosten und die Unterlegenheit gegenüber hochgradig subventionierten chinesischen Betrieben, die zudem bereits im Besitz westlicher Technologie aus früheren Gemeinschaftsunternehmen waren.

Als die Vereinigten Staaten diesen Umstand als gravierende Verwundbarkeit erkannten, hatte China bereits ein weltweites Verarbeitungsmonopol errichtet. Nach dem Abbau der Erze im In- und Ausland liefern staatliche Erdölkonzerne die Chemikalien, staatliche Raffinerien veredeln die Mineralien und staatliche Gießereien nutzen die Erzeugnisse weiter. Sämtliche Schritte sind örtlich gebündelt, staatlich gefördert und kostenmäßig so straff kontrolliert, dass westliche Konkurrenten preislich nicht mithalten können.

China verstärkte seine Position zusätzlich durch Ausfuhrbeschränkungen. Diese zielen auf die raffinierten Mineralien ab, betreffen aber ebenso Verarbeitungsanlagen und Transportmaterialien, die für den Aufbau von Raffinerien außerhalb Chinas erforderlich wären. Dies verlangsamt jeden Versuch der Vereinigten Staaten, eigene Strukturen aufzubauen.

Während die Vereinigten Staaten ihre Exportkontrollen auf modernste Halbleiter für künstliche Intelligenz, Hochleistungsrechner und militärische Güter wie Kampfflugzeuge konzentrierten, blieb der Markt für ältere und größere Halbleiter weniger reglementiert.

China lenkte daraufhin enorme Kapitalmengen in heimische Halbleiterwerke und verknüpfte diese mit seinen Herstellern von Elektrofahrzeugen. Bis 2024 eroberte das Land beherrschende Marktanteile bei jenen Chips, die Autos, medizinische Geräte, Haushaltsgeräte, Industriesensoren und weite Teile militärischer Lieferketten steuern.

Die Vereinigten Staaten und der Rest der Welt hängen gegenwärtig von China ab, wenn es um jene alltäglichen Halbleiter geht, ohne welche Waffensysteme, Fahrzeuge und Infrastrukturen den Dienst versagen, selbst wenn Washington China erfolgreich den Zugang zu modernen KI-Chips verwehrt.

Gegenseitige Verwundbarkeiten und Eskalation

Die gesamte Industrie und Rüstungsproduktion der Vereinigten Staaten, mitsamt der weltweiten Wirtschaft, bleibt auf kritische Mineralien und grundlegende Halbleiter aus China angewiesen.

Umgekehrt benötigt die zivile und militärische Industrie Chinas die Genehmigung Washingtons, um moderne Halbleiter von jener Dreiergruppe aus US-Software, niederländischem Maschinenbau und taiwanischer Präzisionsfertigung beziehen zu dürfen.

Hierbei handelt es sich um eine beidseitige Verwundbarkeit.

Beide imperialen Konkurrenten arbeiten ununterbrochen daran, diese Schwachstellen zu beseitigen. Sie setzen ihre Nadelöhre als Druckmittel ein, während sie zugleich fieberhaft versuchen, die Kontrollpunkte der Gegenseite zu umgehen.

Seit 2022 haben die Vereinigten Staaten ihre Ausfuhrkontrollen systematisch verschärft, um ASML daran zu hindern, Lithografiemaschinen nach China zu liefern. Sie sperrten chinesische Firmen von Software zur Halbleiterentwicklung aus und blockierten Bauteile wie Laser für Fertigungsanlagen.

Überdies wandten sie internationale Handelsgesetze an, die größtenteils auf US-Initiativen zurückgehen, um diese Sperren weltweit durchzusetzen. Jeder Chip, der mit US-Software entworfen oder auf Anlagen mit US-Komponenten gefertigt wurde, unterliegt den Exportkontrollen Washingtons.

Infolgedessen darf TSMC in Taiwan keine Halbleiter für chinesische Unternehmen fertigen. Washington sperrt China vom Entwurf hochentwickelter Chips aus, verbietet den Ankauf von Fertigungsmaschinen und untersagt Dritten, Halbleiter im Auftrag Chinas zu produzieren. Peking kann solche Chips ausschließlich über den Handel mit den Vereinigten Staaten oder mit deren ausdrücklicher Zustimmung beziehen.

Gleichzeitig durchkämmen die Vereinigten Staaten den Globus nach mineralischen Rohstoffen, auch auf eigenem Staatsgebiet. Der Erzabbau kehrt ungeachtet der gravierenden Umweltzerstörung nach jahrzehntelanger Pause in die Vereinigten Staaten zurück.

Die Regierung Trump erließ Dekrete, um bis zum Jahr 2027 bei allen Rüstungsgütern eine vollständige Unabhängigkeit von chinesischen Mineralien zu erreichen. Auch wenn dies einem Wunschtraum gleicht, verdeutlicht es den politischen Ehrgeiz.

In den Vereinigten Staaten entstand sogar ein milliardenschweres Gemeinschaftsunternehmen namens KoBold, gegründet von Milliardären wie Sam Altman, Jeff Bezos, Bill Gates und Mark Zuckerberg. Dieses Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz, um unerschlossene Rohstoffvorkommen aufzuspüren. Bislang wurden siebzig Explorationsprojekte identifiziert und ein gewaltiges Kupferabbauprojekt in Sambia gestartet, das nach Angaben der Betreiber ohne Chinas Raffinerien auskommen soll.

Daran zeigt sich erneut das vorrangige Ziel, von Chinas Rohstoffverarbeitung unabhängig zu werden.

Das weltweite Zollchaos der Regierung Trump stellt einen strategischen Schachzug im Kräftemessen mit China dar. Das übergeordnete Ziel besteht darin, globale Lieferketten neu zu ordnen. Staaten, die bislang ungehindert Handel mit beiden Seiten trieben, sollen zur Entscheidung gezwungen werden, entweder ihre Ketten an den Interessen Washingtons auszurichten oder drastische Zölle und den Verlust des US-Marktes zu riskieren.

Je stärker sich ein Staat verweigert, desto höher klettern die Zollsätze, während Entgegenkommen mit Erleichterungen belohnt wird. Über diese Verhandlungsmethode brachten die Vereinigten Staaten Taiwan dazu, Milliarden in eigene Chipfabriken auf US-Boden zu investieren und strengen Kontrollen gegen Pekings Technologiepläne zuzustimmen.

Südkorea sagte Investitionen von 150 Milliarden Dollar in den Schiffbau und Technologiesektor zu, um Chinas Vormacht im Schiffbau zu kontern. Indien unterzeichnete ein Rohstoffabkommen, um Zollerleichterungen zu erhalten. Weitere Staaten folgen demselben Muster.

Ungeachtet offizieller Erklärungen dienen die Zölle primär dazu, unentschlossene Staaten auf die Seite Washingtons zu zwingen.

Ähnliche Absichten stecken hinter den Kürzungen von Entwicklungsgeldern für Afrika und den Globalen Süden, wobei hier Finanzmittel als Druckmittel fungieren. Zunächst werden bestehende Partnerschaften gekappt und finanzielle Mittel entzogen, um wirtschaftliche Notlagen zu erzeugen. Anschließend wird die Wiederaufnahme von Hilfen an Schürfrechte und genehme Lieferketten geknüpft. Zu Beginn der Amtszeit strich Washington Hilfszahlungen in Milliardenhöhe für Afrika, um diese Mittel nun in Verhandlungen als Verhandlungsmasse einzusetzen.

Die Demokratische Republik Kongo unterzeichnete ein strategisches Mineralienabkommen mit den USA, woraufhin Hilfen von 900 Millionen Dollar im Gesundheitsbereich sowie Sicherheitszusagen flossen, während das Land Verträge mit chinesischen Firmen kündigte. Der gesicherte Zugang zu Seltenen Erden gilt in Washington mittlerweile als Angelegenheit der nationalen Sicherheit.

In denselben Kontext fügt sich das starke Interesse der US-Regierung an Grönland ein. Grönland birgt einige der größten unerschlossenen Lagerstätten Seltener Erden weltweit. Zudem kontrolliert die Insel arktische Schifffahrtsrouten, welche die Transportzeiten zwischen Asien, Europa und Nordamerika verkürzen und traditionelle Engpässe umgehen. Der Wettlauf zwischen Washington und Peking um Rohstoffe und Seewege in der Arktis verläuft in atemberaubendem Tempo.

In Lateinamerika treiben die USA Rohstoffverträge in Chile, Argentinien, Bolivien und nach dem Sturz Maduros auch in Venezuela voran.

In Brasilien versucht Washington, chinesische Akteure zu verdrängen. Brasilien verfügt nach China über die zweitgrößten Reserven Seltener Erden mit rund 23 % der weltweiten Vorkommen, stellt aber weniger als 1 % der weltweiten Fördermenge bereit, womit die Schätze nahezu unerschlossen sind. Brasilien gerät somit in ein Tauziehen beider Großmächte und versucht, zwischen beiden Seiten zu lavieren.

Das Bestreben der Regierung Trump, die Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre zurückzugewinnen, zielt im Kern darauf ab, die Kontrolle über die dortigen Rohstoff- und Energievorkommen zu sichern.

Chinas Gegenwehr

Als Reaktion nutzt China seine marktbeherrschende Stellung bei kritischen Mineralien und setzt alles daran, eigene Technologien im Bereich der künstlichen Intelligenz voranzutreiben, um die US-Blockade im Halbleitermarkt zu unterlaufen.

Peking setzte sein Mineralienmonopol als Waffe ein, indem es von 2023 bis 2025 eigene Ausfuhrkontrollen für wichtige Rohstoffe einführte. Dies betraf Gallium und Germanium im Jahr 2023, Antimon und Wolfram im Jahr 2024 sowie sieben schwere Seltene Erden Ende 2024 und Anfang 2025. Im Dezember 2025 untersagte China Firmen mit Verbindungen zu ausländischen Streitkräften jegliche Exportlizenzen für Seltene Erden, womit es direkt auf die Rüstungslieferketten der Vereinigten Staaten zielte.

Dabei handelte es sich um keine vollständige Blockade, da ein solcher Schritt zu riskant gewesen wäre. Stattdessen verhängt Peking Beschränkungen und lockert sie wieder, um Unsicherheit zu säen, was die Vorratshaltung und langfristige Planung für westliche Konzerne extrem erschwert. Auf diese Weise verschafft sich China Verhandlungsmasse im Streit um moderne Halbleiter.

Parallel dazu beschleunigt China mit allen verfügbaren Mitteln die eigene Halbleiterentwicklung, um die US-amerikanischen Barrieren zu umschiffen.

Peking bewies bereits, dass es moderne Halbleiter selbst ohne westliche Spitzentechnologie fertigen kann, indem es vorhandene ältere Maschinen auf fortschrittlichere Weise einsetzt. Ermöglicht wird dies unter anderem durch spezialisierte KI-Software. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften arbeitet mit dem System QiMeng an einer KI-gestützten Methode, um das US-Softwaremonopol zu einem Bruchteil der Kosten zu umgehen. Zwar bleiben diese Vorstöße ehrgeizige Versuche, doch es könnte nur eine Frage der Zeit sein, bis Peking diese Verfahren perfektioniert und die US-Blockade überwindet.

Daran wird deutlich, dass der Wettlauf um künstliche Intelligenz keine flüchtige Finanzblase darstellt. Es handelt sich um eine staatlich hochgradig subventionierte Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die einem nuklearen Wettrüsten ähnlicher ist als einem gewöhnlichen Markttrend.

Künstliche Intelligenz

Untrennbar mit modernen Halbleitern verbunden ist der Wettbewerb um künstliche Intelligenz, der die Tiefenstrukturen dieser Rivalität offenlegt.

Der KI-Wettstreit gleicht einem nuklearen Wettrüsten jener Macht, der die Vorherrschaft gelingt, winken Vorteile in sämtlichen Wirtschaftsfeldern, von militärischen Anwendungen über das Finanzwesen bis zur industriellen Fertigung. Beide Staaten investieren gewaltige Ressourcen

in dieses Feld. Die Vereinigten Staaten führen gegenwärtig bei den Rechenkapazitäten, getragen von Milliardensummen in einem riskanten Investitionsumfeld, während China mit Hochdruck und deutlich geringeren Kosten daran arbeitet, den Abstand trotz leistungsschwächerer Halbleiter aufzuholen.

Dieser Prozess wird unweigerlich deutliche Gewinner und Verlierer hervorbringen. Die Kennzeichnung als Spekulationsblase greift zu kurz, denn sämtliche Akteure setzen alles auf eine Karte, weil die Einsätze von existenzieller Bedeutung sind.

Zugleich erfordert der massive Ausbau der Rechenkapazitäten riesige Mengen an elektrischem Strom, die weltweite Netze an ihre Belastungsgrenzen bringen und den globalen Energiehunger anheizen.

Aufgrund des immensen Energiebedarfs gewinnen sämtliche Energieformen an strategischer Bedeutung. Ein erneuter Wettlauf um die verbliebenen Ressourcen ist entbrannt, der Washington dazu antreibt, Chinas Energiezugänge namentlich in Venezuela und im Iran abzuschneiden.

Die Förderung fossiler Brennstoffe erlebt einen rasanten Aufschwung. In den USA wird der Kohleabbau reaktiviert und stillgelegte Kernkraftwerke gehen wieder ans Netz.

Erneuerbare Energien wachsen zügig, decken jedoch nicht einmal den jährlichen Zuwachs des Strombedarfs, der durch Rechenzentren entsteht. Wegen Chinas Dominanz bei der Solarenergie vernachlässigen die USA Investitionen in erneuerbare Quellen und setzen stattdessen auf fossile Energieträger und Kernkraft, um den Hunger der Rechenzentren zu stillen.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wächst der weltweite Strombedarf um mindestens 4 % pro Jahr, während der Stromverbrauch von KI-Rechenzentren jährlich um etwa 30 % zulegt. Ein ungebremster Energiehunger bahnt sich an, bei dem fossile Brennstoffe weiterhin mehr als 60 % der Versorgung stellen sollen.

Ökologische Zerstörung

Die Ausweitung des Bergbaus und der steigende Stromverbrauch beschleunigen den ökologischen Verfall unseres Planeten.

Rechenzentren belasten die Stromnetze und verschlingen gewaltige Wassermengen für Kühlanlagen. Für den Abbau von Mineralien werden Landschaften zerstört, während Rekordmengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Mehr als die Hälfte aller weltweiten CO2-Emissionen der Menschheitsgeschichte entstand nach 1990, und der jährliche Ausstoß beschleunigt sich weiter.

Der Pfad dieser imperialen Rivalität hinterlässt eine Spur ökologischer Verwüstung, welche die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht.

Die beiden größten Volkswirtschaften liefern sich einen Ringen um die Kontrolle über die weltweite Wirtschaftsstruktur, von der Computertechnik und dem Schiffbau über Rohstoffe und Produktion bis hin zu Energie und Finanzwesen. Wer diese Branchen beherrscht, erringt die globale Vormacht und bestimmt die Bedingungen des weltweiten Wirtschaftens.

Die Vereinigten Staaten und China wetteifern über ein eng verknüpftes System hinweg an zahllosen Fronten, und beide Seiten setzen alles daran, diesen Kampf für sich zu entscheiden.

Neuaufteilung der Welt

Die Frage nach Rohstoffen und Energie verbindet diese Rivalität mit den brennenden Konflikten unserer Gegenwart.

Im Nahen Osten versucht Washington an der Seite Israels seine Dominanz mit allen Mitteln, einschließlich Krieg und Zerstörung, zurückzuerobern.

Diese Neuaufteilung schließt einen erneuerten Wettlauf um die afrikanischen Bodenschätze ein. Auch der Krieg in der Ukraine berührt neben imperialen Interessen maßgeblich die Kontrolle über mineralische Rohstoffe und Energietrassen.

Parallel dazu vollzieht sich ein rascher Wandel der Kriegsführung. Günstige Drohnen und moderne Rechentechnik brechen die militärischen Vorzüge kostspieliger Waffensysteme auf, wie sich an den immensen Kostenunterschieden zwischen US-Abwehrsystemen und iranischen Drohnen zeigt.

Zwar erleben wir gegenwärtig nicht den Ausbruch eines Weltkriegs, doch befinden wir uns in einer Epoche gewaltsamer Neuaufteilung der Welt unter den konkurrierenden Mächten.

Schlussbetrachtung

Der Weg zur Weltherrschaft führt über die Lebensrealität der weltweiten Arbeiterklasse.

Der US-Zugriff auf bolivianische Mineralien löste Generalstreiks und neue Klassenkämpfe aus.

In der Demokratischen Republik Kongo schuften Tausende Minenarbeiter, unter ihnen viele Kinder, unter lebensgefährlichen Bedingungen.

Die Jugendproteste in Kenia, Bangladesch, Nigeria, Senegal und vielen weiteren Staaten der Jahre 2024 und 2025 wurzeln in denselben Zusammenhängen. Die Not junger Beschäftigter und Arbeitsloser ist eine Folge jener wirtschaftlichen Umwälzungen, die aus dieser Rivalität hervorgehen.

Die Zukunft zeichnet sich bereits deutlich ab. Sie birgt Kriege, Not und Ausbeutung, birgt jedoch zugleich weltweiten Massenwiderstand der Arbeiterklasse und der Jugend gegen die Verwüstungen dieses Systems, ein Widerstand, der den Horizont für grundlegende gesellschaftliche Veränderungen eröffnet.

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