Der Zugfunke – 2. April 2015 Diese Zeit gehört uns
Vor langer Zeit dachten viele, noch schlechtere
Schichtpläne kann es nicht mehr geben. Es kam
anders und jede Arbeitszeitforderung oder Begren
zung der Überstunden wird von der DB-Führung
unter großen Sorgenfalten ignoriert.
Und als wenn sie von einem anderen Planeten
kommen, wird vom Management unter dem Motto
„Diese Zeit gehört Dir“ eine Werbekampagne gestartet, die bewusst machen soll, welche Vorteile die
Bahn hat. Eine schlaue Strategie, wenn den Fahrgästen so die sturmbedingten Zwangsaufenthalte
auch noch als Vorteil untergejubelt werden.
Und da schließen wir uns doch an. Mehr als 100.000
Überstunden allein bei Regio NO sind mehr als genug. Statt bestehende Einsatzräume zu erweitern
oder neue einzuführen, weg damit! 2036 Stunden
kommen wir arbeiten, der Rest gehört uns.
Lirum larum…
Der Reim ist so alt. Das Prinzip, gegenseitigen Neid
zu sähen, wie z. B. dass Cottbus es ja noch viel
besser hätte, weil es dort noch keine Einsatzräume
gibt, ist bestimmt noch älter.
Erst wird die Werkstatt in Cottbus aufgebaut, ein paar
Jahre später wird Arbeit entzogen. Das Werk in BLO
schafft gleichzeitig die Arbeit kaum und es müssen
Reparaturen nach Rostock durchgeschoben werden.
Dieses gegeneinander Ausspielen soll verhindern,
dass sich die Kollegen darüber einig werden, wie
diesem Spiel ein Ende gemacht werden kann.
Manche fallen trotzdem auf die Gerüchte rein und
sind mehr damit beschäftigt, aufzupassen, wer gerade den Löffel hat. Aber es geht nicht darum, die
Reste auskratzen zu dürfen. Wir müssen an den Topf
und das geht nur zusammen!
Ideenwettbewerb nach der Betriebsversammlung
Chef Sparzwang ist mit seinem Latein am Ende. Alle
Umbauprojekte sprengen den Zeitplan. Der Rest der
Züge ist in einem jämmerlichen Zustand und trotzdem ist nach den Gesetzen des BWL-Handbuchs die
Personaldecke in der Werkstatt zu üppig.
Zugeben, dass die ständig meckernden Malocher in
den Arbeitsanzügen mit ihrer Kritik mal wieder richtig
lagen, kann er auch nicht. Dann würde er selbst feststellen, dass er eigentlich überflüssig ist.
Es muss so getan werden, als wenn es nur darum
ginge, Arbeitsplätze zu retten. Hoffentlich, denkt
Sparzwang, ist es noch nicht zu spät, den Arbeitern
zu verklickern, dass doch nun alle mithelfen müssten,
denn es ginge ja um ihre Jobs allein.
Um das Zepter fester in der Hand zu behalten, kann
eine Drohung im Anschluss nicht schaden. Wenn
nicht Einige „freiwillig“ ihren Arbeitsplatz räumen,
dann macht er den Laden ganz zu.
Aber vielleicht kommt diesmal alles ganz anders?
Phantom im Bahntower
Der kürzeste Dialog des Monats: „Was von den Ta
rifverhandlungen gehört? Nee. Du?“…
So gehts seit Monaten.
Im April gelte es ein „Gesamtpaket zu schnüren, das
auch wirtschaftlich machbar ist“, verkündet nun
DB-Vorstandsmitglied Weber. Klingt wie eine Drohung!
DB hat längst erklärt, dass unsere Tarifforderungen
wirtschaftlich nicht gingen. Also was wird da verhandelt? Diese Geheimverhandlungen mit den EVG- und
GDL-Verhandlungstrupps helfen nur der DB, überall
ein bisschen was von unseren Forderungen wegzustreichen. Schwierig sei das Ganze, wird sich
beklagt. Gut, mit Streiks käme wieder Schwung in die
Runde. Und dann würde sich auch gleich das Bild
ändern, was „wirtschaftlich machbar“ wäre.
Komplizierte Vermeidungsstrategien
Achtung: Eine Tasche im Führerstand könnte womöglich keine Fundsache, sondern die angekündigte
„Lösung“ sein, um Umkleideräume und -zeiten zu
vermeiden. Warnweste, DB 21 und diese niedliche,
praktische Taschenlampe sollen sich drin befinden.
Und wie ist sichergestellt, dass immer alles auf dem
Zug ist? Muss man vielleicht kontrollieren? Die Werkstatt? Wie oft ist der Zug da? Alle 14 Tage…? Ist
vielleicht ein Problem?
Ein Problem folgt dem anderen, nur weil die Schlau-
köpfe in den obersten Chefetagen auf Teufel komm
raus Geld einsparen wollen.
Personal… ein lästiges Ding für die S-Bahn
In 3 Kursen sollen ein Dutzend Leute – vom Jobcenter geschickt – zu Tfs ausgebildet werden. Aufsichten
von DB Zeit, die sich auch beworben haben, haben
nur eine Chance, wenn sie sich zu „Langzeitarbeitslosen“ umorientieren und mit Bildungsgutschein wiederkommen. Ja, die Einstellungen gehen voran…
Und während wir sehen, wie die jungen Kollegen, die
vor nicht so langer Zeit mit Bildungsgutschein zu uns
gekommen sind, sich täglich durch den Wahnsinn
kämpfen und häufiger über Signale fahren, kriegen
die Neuen wieder nur eine Schnellbesohlung.
Weniger Stress für alle verlangt deutlich mehr Einstellungen und viel bessere Ausbildungsstandards!
Strategie 18.0
Da werden doch glatt 18 Leute von DB Jobservice
eingestellt, Applaus! Doch halt, statt mit anzupacken,
sollen sie nur die Mängel an den Zügen notieren, die
durch Personalmangel nicht behoben wurden.
Das wäre auch zu schön gewesen…
Belastungen im Ergebnis
Von 6,1 Mio. auf 10,4 Mio.! Eine bescheidene Lohnerhöhung von 70 % für die sechs Vorstandsmitglieder
der DB. Ob sie lange darüber verhandeln mussten?
Fast eine Milliarde Gewinn hat die DB letztes Jahr
gemacht – als Ergebnis all der Einsparmaßnahmen,
die uns die Arbeit und das Leben schwer machen.
Grube hat sich auf der Bilanzpressekonferenz beklagt, dass die Streiks der Lokführer „das Ergebnis
belastet hätten“.
Wir sehen es umgekehrt: Die Chefs, ihre Sparpolitik
und die Gewinne, die sie dabei rausholen… belasten
uns und unsere Familien! Vom Bahnverkehr mal
ganz zu schweigen.
