Und plötzlich kam der Streik

Und plötzlich kam der Streik
Die unendliche Geschichte der Ausbeutung von CFM Kolleg_innen geht auch in der Sommerpause weiter. Daher haben Mitte Juli mehrere hundert Kolleg_innen der CFM gestreikt! Bähm! Damit hätte keiner gerechnet. Und der Streik hatte es in sich: Modulversorgung auf einer Station lahmgelegt, Helikopterplätze voll, Essen wurde viel zu spät ausgeliefert, etc. Und was war die Reaktion der Charité darauf? Auf Stationen wurde angesagt, bei Versorgungsproblemen die verdi Streikleitung anzurufen und es gab weiterhin die Verweigerung, eine Notdienstvereinbarung zu unterschreiben. Kolleg_innen der Charité haben unwissentlich oder aus humanitärer Not Streikbrecherarbeit geleistet. Wenn der Charité das Wohl der Patient_innen und Kolleg_innen am Herzen liegen würde, würden sie endlich eine Notdienstvereinbarung unterschreiben! Daher sollten wir überlegen, wie wir solidarisch miteinander sein können. Und was wäre denn dafür besser geeignet als ein gemeinsamer Streik? Wir sind jedenfalls gespannt, was nach der nächsten CFM Verhandlungsrunde am 18.8. rauskommt.

Schamlos und dreist
Im Dezember 2016 hat sich der Berliner Senat in seiner Koalitionsvereinbarung verpflichtet, das Lohndumping durch Outsourcing bei der Charité zu beenden. Offiziell ist die CFM zwar wieder „Tochter“ – doch was die Lohnangleichung betrifft, spielen Charité und Senat nach wie vor die Rolle der bösen Stiefmutter. Stattdessen werden neue Ausgliederungen durch die CFM durchgesetzt – natürlich in gewerkschaftlich gut organisierten Bereichen und ohne die Beschäftigtenvertreter_innen vorher zu informieren. Das kennen wir ja schon aus der Tarifrunde 2016, damals mit den Blutboten und dieses Jahr ist der Wirtschaftstransport dran. Und der Senat schaut tatenlos zu. Zumindest im Märchen kriegt die böse Stiefmutter am Ende ihre gerechte Strafe. Wenn wir allerdings wie Aschenputtel auf den Märchenprinzen warten, dann heißt es am Ende nur: „und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute auf den TVÖD“.


Altersarmut auch mit 12,50€
Endlich hält sich auch die CFM an Berliner Gesetze und zahlt die 12,50€ bei uns als Grundlohn. Nebenbei wurden jedoch bei den Mitarbeiter_innen in der Logistik die sogenannte „Anwesenheitsprämie“ von 100 auf 50€ gekürzt. Spätestens durch Corona wissen wir, was wir von Prämien halten müssen… trotzdem versucht die CFM mal wieder bei uns zu sparen! Lustiger“ Fakt: für einen Krankheitstag wird von der Prämie 10€ abgezogen, für einen Streiktag 20€.


Geschmacklos
Die Charité bewirbt ihr innovatives Wiedereinstiegsprogramm mit Videos unter folgenden Titel: „Doch wieder auf Station gemeinsam statt im Homeoffice einsam?“ Ist ja fast so gut wie der Juni-Slogan „Examinierte Pflegefachperson mit richtig viel Power?“; wo uns doch auch in dieser Kampagne erklärt wird, dass vor allem studierte Pflegekräfte benötigt werden würden, klar ein Profilierungsthema für die PD, aber für alle, die die Versorgung am Bett sicherstellen, ein merkwürdiges Gefühl, dass ihre Ausbildung, ihr Examen unzureichend sein soll, egal wie viel Power sie haben.


Hat es ein Geschmäckle??
Manche können halt einfach mehr als… arbeiten. Denn der Leiter des Geschäftsbereichs (GB) Personal und Rechtsabteilung übernimmt mit dem Leiter GB System IT auch noch den GB Datenschutz und Governance. Die große Bedeutung des Datenschutzes an der Charité erklärt sich ja von selbst. Aber auch der Bereich Governance, also die Regeln, Verfahren und Gesetze, mit denen ein Unternehmen geführt wird, dürfte ein sehr zeitaufwendiger Arbeitsplatz sein. Vielleicht kann man auch ein kleines Geschmäckle dabei empfinden, wenn der oberste Beamte der Behörde Charité gleichzeitig auch über die Regeln wachen soll mit denen unfairer Umgang mit Beschäftigten oder auch Korruption verhindert werden soll. Kontrolliert er sich da selbst?? Naja, vielleicht traut man sich daher diese Kombination auch erst mal nur kommissarisch zu?


Corona-Prämie in Sommerpause
Bei unserer Gewerkschaft ver.di konnten wir es im www lesen. Der Coronapakt macht erst mal Sommerpause. Aber nicht nur der. Denn seit den Gehaltszahlungen im Juli gibt es auch keine Corona-Zulagen mehr. Der Heldenstatus ist halt ein recht kurzlebiger. Was hilft es, wenn da „Die Zeit“ berichtet, dass das Personal in Kliniken und Arztpraxen überdurchschnittlich viele Infizierte aufweist? Bisher mehr als 14.000! Allein in Deutschland!! Was hilft es, wenn die Herren und Damen aus Politik und Klinikleitungen sich überschlugen: 500, nein 1000, nein 1500€ extra? Im Moment stehen wir an der Charité bei 450€ und das reicht nicht mal als Entschädigung aus, um andauernd die Kalaycis und Spahns an der Klinik zu ertragen. Was da hilft sind die alten Forderungen: Mehr Geld, mehr Personal und kürzere Arbeitszeiten. Mit oder ohne Virus.


Nur kein Neid
Tatsächlich sollen wohl die Kolleg_innen in den Senioren und Pflegeeinrichtungen eine höhere Corona-Prämie erhalten. Reicht es damit, um ein Jahreslohn auf TVöD Niveau zu erreichen? Lange nicht! Und daher taugt auch diese Prämie nicht, die Arbeit der Kolleg_innen dort ausreichend zu würdigen und wertzuschätzen.


Idee aus der Mottenkiste
In Wolfsburg, in Rostock und weiteren Kliniken gibt es eine ganz dolle Idee, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Dabei kann Pflegepersonal flexibel seine Dienste planen und wird entsprechend auf verschiedenen Stationen als Ersatz für erkrankte Kolleg_innen eingesetzt. Wortreich und blumig stellen die jeweiligen Leitungen solche Projekte vor, die man aber doch einfach nur als Pool bezeichnen muss. Ja, Poolkräfte retteten auch an der Charité manch Station vor dem Kollaps, doch unsere PD Heepe fand, dass es den Leuten im Pool zu gut gehe und sorgte dafür, dass kaum noch eine Pflegekraft dort arbeiten möchte. Am Personalmangel ändert diese Idee aus der Mottenkiste auch nichts, denn die Unterbesetzungen treten nicht erst bei Krankmeldungen auf, sondern sind schon am Monatsersten im Dienstplan feststehend. Das ebenso in Rostock, in Wolfsburg und an der Charité.

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