Siemensstadt Berlin: „Weiterführung des Geschäfts“… so gut es geht!

Ende März konnten sich die ArbeiterInnen der Dynamo- und Messgeräte sowie anderer Werke der Berliner Siemensstadt ein Video angucken. Der Boss Joe Kaeser wandte sich auf Englisch an die weltweit 385.000 MitarbeiterInnen von Siemens und erklärte seine oberste Priorität: die Gesundheit und Sicherheit der MitarbeiterInnen schützen – „aber auch die Weiterführung des Geschäfts“. Wo es zwei oberste Prioritäten gibt, darf man sich fragen, welche jetzt eigentlich wichtiger ist…

Der Siemens-Vorstand versprach gleich 400.000 Masken pro Woche, damit die Produktion weitergeht. Genau in der Zeit, wo die Masken sonst überall anders fehlen. Ein paar Tage nach der Ankündigung von Joe Kaeser waren schon 2300 Ärzte und Pflegekräfte infiziert worden. Ganz zu schweigen von den vielen KassiererInnen in den Supermärkten, die weiterhin ohne Schutz arbeiten mussten…

Bei Osram kam sehr schnell ein Kollege mit seiner eigenen Maske zur Arbeit. In der Kantine sollten die MitarbeiterInnen alleine am Tisch sitzen – um den Sicherheitsabstand von 1,5 Meter einzuhalten. Bei Siemens Messgeräte wurden letztendlich die zwei Kantinen zugemacht und die MitarbeiterInnen haben ein gesundes Päckchen mit Obst bekommen… „gesponsort“ vom Betrieb. Danke!

Bleibt zu Hause!“

In der Metallindustrie, wie sonst auch, wurde zuerst Homeoffice gefordert – bekommen haben es natürlich zuerst die sogenannten Führungskräfte. Für den Vorstand von Siemens war gleich klar, dass vor allem die ArbeiterInnen die Gefahr der Weiterführung der Produktion tragen sollten. Laut Joe Kaeser, verrichten die MitarbeiterInnen, „die nicht zu hause bleiben können“ eine „großartige Arbeit“.

Bei den KollegInnen von Osram ist eine besondere Angst zu spüren. Mit 10. April wurde auf Kurzarbeit umgestellt. Ist das eine Erleichterung? Zumindest werden die KollegInnen nicht mehr das Risiko eingehen, den Virus mit nach Hause zu bringen. Aber die Erleichterung wird auch… auf dem Lohnzettel zu spüren sein! Osram bietet eine Auszahlung von 15 oder 20€ pro Tag, „je nach Dauer der Kurzarbeit“. Ob die ArbeiterInnen 80% oder 90% ihres Einkommens behalten werden kann zur Zeit nur geschätzt werden. Erst im Nachhinein wird man feststellen können, wie viel der Virus jede/n gekostet hat. Aus unerfindlichen Gründen werden die KollegInnen in Altersteilzeit wohl keine Kurzarbeit bekommen – gerade die ältesten KollegInnen, die zur Risikogruppe gehören.

Die Betriebsleitung schafft eine Situation, damit sie nach der Krise sofort und intensiv die ArbeiterInnen wieder zur Verfügung haben werden. Zum Beispiel zwingt sie die ArbeiterInnen, vor dem Beginn der Kurzarbeit, die Zeitguthaben aufzubrauchen. Und „Kurzarbeit ist kein Urlaub“: die ArbeiterInnen können innerhalb von 24 Stunden dazu aufgefordert werden, zurück auf Arbeit zu kommen!

Wenn die Betriebsleitung entschlossen hat Kurzarbeit einzurichten hat das sicher nichts mit dem Schutz der ArbeiterInnen zu tun. Corona scheint die Arbeitgeber nicht wirklich zu interessieren. Die gucken eher in Richtung der Vormaterialversorgung oder auf „dringliche Kundenaufträge“. Die KollegInnen in Kurzarbeit kosten dem Arbeitgeber nichts. Es ist ein System, das dem Boss die Möglichkeit bietet seine Belegschaft von Tag zu Tag an die Situation anzupassen.

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