S-Bahn Berlin: Toxische Pläne

In den Pausenräumen und Whatsapp-Gruppen der Lokführer*innen der S-Bahn geht es hoch her. Die individuellen Schichtlagepläne fürs nächste Jahr kommen gerade raus. Die Arbeitszeiten sind schon immer der Aufreger Nummer Eins. Kein Wunder, wenn man im Osten Berlins wohnt, macht es natürlich einen Unterschied, ob und wie oft man im tiefsten Südwesten um 3:30 Uhr anfangen muss, ob man Tagesdienste mit 12 Stunden fährt oder Nachtschichten mit 9 Stunden. Die „Wünsche“ des S-Bahn-Managements könnten nicht weiter entfernt sein von denen der Bahner*innen. Immer geht es um „betriebliche Bedürfnisse“, was heißt, dass sich die Bahner*innen zwar durchaus einiges wünschen dürfen, aber am Ende entscheidet… der Computer.

Und was der ausgespuckt hat, lässt die Stimmung der Lokfüher*innen hochkochen. Die ersten bekannt gewordenen Schichtpläne werden als extrem unsozial diskutiert. Ungefähr 40% werden ihre gewünschten Schichtlagen nicht bekommen… wochenlang dieselbe Schichtlage, also zum Beispiel nur Spätschichten, was den ganzen Tag versaut… Persönliche Präferenzen? Familiäre Lage? Arbeitsmedizinische Erkenntnisse? Jahrzehntelange Erfahrungen? Mit diesen „Kriterien“ hat die Geschäftsführung den Computer nicht gefüttert. Das Management behauptet, man habe „manuell“ versucht, die „extremsten Ausreißer“ zu beseitigen…

Viele der älteren Lokführer*innen arbeiten seit ein paar Jahren nicht mehr nachts, weil sie das nicht wollen, weil sie dazu körperlich einfach nicht (mehr) in der Lage sind. Und jetzt werden es immer mindestens 5% Nachtarbeit und mehr sein!

Nachtarbeit schadet bekanntlich der Gesundheit. Schon 2007 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nächtliche Schichtarbeit als „wahrscheinlich für Menschen krebserregend“ ein. Seitdem hat es weitere Studien gegeben, die den Zusammenhang zwischen Krebs und anderen Krankheiten und Nachtarbeit bestätigen. Eine britische Studie hat gerade den Zusammenhang von Nachtschichtarbeit und Asthma herausgestellt.

Wenn man berücksichtigt, wie zurückhaltend solche Expert*innen sind, die sicher nicht allzu sehr den Unternehmen auf die Finger hauen wollen, dann ist die Kategorie „wahrscheinlich krebserregend“ dramatisch. Damit ist Nachtarbeit genauso gefährlich wie Glyphosat!

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