
Direkt nach dem Angriff auf die Ukraine gab es in vielen großen Städten Russlands Anti-Kriegs-Proteste. Und das, obwohl Polizeikräfte sofort die Demonstrationen beendeten und Demonstrant:innen massenhaft verhafteten. Auch in den sozialen Medien verbreitete sich sofort Protest. Die Hashtags #PutinIsNotRussia (Putin ist nicht Russland) und #нетвойне (Nein zum Krieg) verbreiteten sich irre schnell. Twitter ist voller Bilder und Videos von Protesten in Russland. Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte wurden in den letzten Tagen in den wichtigsten Städten des Landes mehrere Tausend Demonstrant:innen festgenommen, weil sie gegen den Krieg demonstriert hatten. Die russische Menschenrechtsorganisation OVD-Info berichtet allein am Sonntag von Demonstrationen in 45 verschiedenen Städten von Moskau bis Sibirien. Sie zählten bislang 6.445 Festnahmen. Zu den weiteren Zielen der staatlichen Behörden gehört die unabhängige Moskauer Zeitung „Nowaja Gaseta“, die eine Sonderausgabe in russischer und ukrainischer Sprache mit der eindeutigen Schlagzeile „Russland bombardiert die Ukraine“ auf der Titelseite herausbrachte. Der Chefredakteur Dmitri Muratow ist der Meinung, dass „nur eine Antikriegsbewegung der Russen das Leben auf diesem Planeten retten kann“. Und er schätzt, obwohl es schwierig ist, dies zu überprüfen, dass „über 70 Prozent der Russen gegen den Krieg sind“. Darüber hinaus unterzeichneten innerhalb von weniger als 24 Stunden über 300 Journalist:innen, darunter auch einige, die für staatliche Medien arbeiten, einen offenen Brief gegen den Krieg. Der Brief wurde ursprünglich von Elena Chernenko, einer angesehenen Moskauer Journalistin und Spezialistin für diplomatische Fragen bei der Wirtschaftszeitung Kommersant, initiiert. Auch Wissenschaftler:innen aus Russland meldeten sich mit einem offenen Brief gegen den Krieg zu Wort. Innerhalb von 24 Stunden gab es knapp 400 Unterschriften, inzwischen sind es etwa 5.000. Was die russische Bevölkerung angeht, so ist sie über die Entwicklung der Ereignisse beunruhigt und eilte in den letzten Tagen zu den Banken und Geldautomaten, die innerhalb weniger Stunden regelrecht geplündert wurden. Laut der russischen Zentralbank wurden allein am Donnerstag umgerechnet 1,6 Milliarden Euro abgehoben.
