Protest gegen Stellenabbau in Berlin Siemensstadt

Am 19. September haben 800 Beschäftigte von Siemensbetrieben in Berlin-Siemensstadt gegen den geplanten Stellenabbau demonstriert. Ein großer Kreisverkehr am Eingang zum Stadtviertel Spandau war eine halbe Stunde lang blockiert. Die Wut gegen Siemens ist groß. Es stehen wieder hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel. Diesmal läuft der Stellenabbau durch eine Abspaltung des Bereichs „Hochspannung“ im Siemens-Schaltwerk. Kollegen trugen ein Plakat „Die 470 könnten wir sein!“.

Trotz dieser Kampfbereitschaft erklärte die IG Metall auf der Abschlussveranstaltung, dass es zu spät sei, die Ausgliederung im Schaltwerk zu bekämpfen. Um das Kraftverhältnis gegen einen Riesen wie Siemens aufzubauen soll allerdings den Kampf so breit wie möglich organisiert werden. Es fehlt nicht an wütenden Leuten: zum Beispiel war eine Kollegin aus Solidarität auf der Demo, auch wenn ihr eigener Betrieb „Infinera“ zwei Wochen später schließen soll. Und die Demonstration hätte leicht noch größer werden können: Beschäftigte von Osram, die direkt nebenan arbeiten aber erst am Morgen und zufällig von der Demo erfahren haben, waren sauer, den Protest nur durch die Fenster ihres Betriebs sehen zu müssen. Ein Kollege urteilte, dass es „eine Frechheit“ sei, eine Demonstration „für gute Arbeitsplätze in Spandau“ (so hatte IG Metall die Demonstration genannt) zu organisieren, ohne die KollegInnen von Osram einzuladen. Denn auch Osram ist seit Jahren von Stellenabbau und Angst um die Arbeitsplätze betroffen.

Fünf Tage nach der Demonstration verkündete die IGM Metall Neuigkeiten. So will Siemens nun statt 470 nur 410 Stellen im Schaltwerk abbauen, was für die Betroffenen kaum einen Trost darstellt.

Besonders krass: Während Siemens 2018 gut 6 Milliarden Euro verdient, lässt sich der Konzern aus Steuergeldern beschenken. So ist in den folgenden Jahren eine große Baustelle in Berlin-Spandau geplant: die Politik soll hunderte Millionen ausgeben, um für Siemens eine neue „Siemensstadt 2.0“ aufzubauen. Auf die Demonstration hat der Spandauer Bezirksbürgermeister Kleebank (SPD) jammernd erklärt, dass er Siemens „unloyal“ fände. Dass Siemens die Millionen bekommen wird, stellt er aber nicht in Frage. Der Meinung vieler Demonstranten nach sollte diese Demonstration in September nur ein Anfang sein: um die Stellenabbau zu stoppen werden sie sich nur auf ihre eigene Kräfte verlassen können!

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