Ost-Jerusalem: Israelische Polizei greift den Trauerzug von Shireen Abu Akleh an

Die Journalistin Shireen Abu Akleh, eine der bekanntesten Journalistinnen des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera, wurde am Mittwochmorgen durch einen Kopfschuss getötet, als sie gerade über eine israelische Militäroperation und Zusammenstöße in der Gegend von Dschenin im Norden des besetzten Westjordanlandes berichtete. Mit ihr gerieten weitere Journalistinnen und Journalisten unter Beschuss; einem wurde in den Rücken geschossen. Alle waren deutlich mit Westen als Presse erkennbar. Die israelischen Streitkräfte beschuldigten zunächst Palästinenser für den Beschuss, mussten dann aber ihre Anschuldigung zurücknehmen. Die Journalist:innen, der Fernsehsender und weitere vor Ort gehen von israelischen Scharfschützen aus.

Am Freitag fand in Jerusalem die Beerdigung der Journalistin Shireen Abu Akleh mit Tausenden Menschen statt. Die israelische Polizei griff auf dem Gelände des St. Joseph-Krankenhauses Demonstrant:innen an, die singend palästinensische Fahnen schwenkten und den Sarg trugen. Der Sarg fiel beinahe zu Boden, als israelische Polizisten die Menge mit Schlagstöcken, Tränengas und einer Blendgranate auseinander trieb. „Wenn ihr nicht mit diesen nationalistischen Gesängen aufhört, müssen wir euch mit Gewalt auseinander treiben und wir werden die Beerdigung verhindern“, hatte ein Polizeibeamter über ein Megaphon erklärt. Als sich der Zug schließlich in Bewegung setzte, nahmen die israelischen Polizisten systematisch die palästinensischen Flaggen ab, mit denen der Sarg geschmückt war. Wie üblich äußerte sich die Europäische Union „bestürzt“ über die „unnötige“ Gewaltanwendung. Doch diese Art von Verhalten der israelischen Polizei gegenüber den Palästinensern ist Alltag, die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch bezeichnete letztes Jahr die Politik des Staates Israel als Apartheid, und die 27 EU-Staaten haben nie etwas unternommen, um zu versuchen sie zu stoppen. Außer einigen beschwichtigenden Erklärungen, die nichts bewirken… In Berlin wurden sogar alle palästinensischen Demonstrationen an diesem Wochenende zum Gedenken an die Vertreibung bei Gründung des Staates Israel (Nakba) verboten – verboten wurde auch explizit eine Mahnwache für die getötete Journalistin…

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