Italien vorne beim Virus… und bei den Streiks

Der Virus verbreitet sich, Gegenwehr aber auch. Anfang März brachen nach und nach in Italien Streiks aus. Es gibt eine beeindruckende Liste, die die ziemlich konservative Zeitung Le Figaro letztens veröffentlichte: bei Fincantieri, Arcelor Mittal, Ast in Terni, bei Leonardo oder bei Electrolux, bei Ducati, dem Schaltgetriebehersteller Bonfiglioni, dem Kompressorhersteller Gardner Denver, dem Karosseriewerk von NCT in Turin oder bei GKN in Florenz. Dazu die Arbeiter bei Fiat FCA di Termoli usw. Vorletzte Woche traten die Amazon-Kollegen Nähe Milan in Streik. Es geht immer um die nicht ausreichenden Schutzmaßnahmen.

Am 14. März hatte die italienische Regierung ein „Protokoll“ mit Maßnahmen in den Betrieben beschlossen, um die Arbeiter zu schützen (Desinfektionsmittel, Abstand, ein paar Tage schließen für Desinfektion..). Aber in den Betrieben läuft das völlig chaotisch ab.

Warum die Produktion überhaupt aufrecht erhalten in Betrieben, die nicht lebensnotwendig sind?

Der Virus verbreitet sich rasant in Italien. Die Restaurants sind zwar seit 11. März geschlossen, aber die Produktionen laufen weiter und …. die Menschen sterben. Den Konzernchefs und der Regierung ist es lieber, die Arbeiter als Kanonenfutter für die Profite zu verheizen.

Jetzt erst (!) hat die italienische Regierung die Schließung „nicht lebensnotwendiger Betriebe“ beschlossen. Einsicht? Druck der Beschäftigten!!

Autoarbeiter haben die Nase voll

Nicht nur Italien, auch in Spanien (z.B. Mercedes-Werk in Vitoria-Gasteiz) und USA streiken Arbeitende der Autoindustrie. Arbeiter*innen im Werk von Fiat Chrysler, Windsor, Canada legten am 12. März die Arbeit für ungefähr 24 Stunden nieder, nachdem ein Kollege positiv auf Corona getestet worden war. Am folgenden Montag gab es eine kleinere Aktion mit 17 Arbeitern bei Fiat Chrysler in Warren, Michigan. Es ist besser, auf den Rat der Virologen und Pflegekräfte zu hören, als auf die Geschäftsleitungen.

Verantwortung und Disziplin

Dieses Lied hat Merkel am Mittwoch, den 18. März, angestimmt und die Medien haben es übernommen: Die Menschen müssten diszipliniert sein, auf jeden Einzelnen käme es an! In dieselbe Kerbe haute Söder am Freitag.

Aber noch am 24. Februar hat DB Regio die Mitteilung rausgehaun, „es bestehe ein extrem geringes bis kein Risiko, sich am Bahnhof, im Zug, auf dem Bus, an Gästen oder Mitarbeitenden anzustecken“. Auch heute drängen Unternehmen die Arbeiter*innen zur Arbeit in Branchen, die für die Bekämpfung des Virus nicht nötig sind. Selbst in Bayern heißt es weiterhin, „jeder soll und kann zur Arbeit gehen.“ Söder hatte nicht mehr als eine Bitte an die Unternehmen, Mindestabstände einzuhalten und Homeoffice zu ermöglichen, „wo es nur geht“. In Berlin laufen Produktionsbetriebe auch weiter bis… der erste Corona-Infizierte bestätigt ist, nachdem der Rest der Kolleg*innen (und wir Bahner?) sich schon angesteckt hat?! Profite an erster Stelle!

Manche (junge) Menschen mögen unverantwortlich sein, aber vor allem sind es die Kapitalisten!

Die DB hinkt hinterher… aber wie!!!

In den letzten Tagen haben sich einige von uns geweigert, Ausbildungsfahrten zu machen und Kollegen im Führerstand mitzunehmen. Oder es gibt Kollegen, die was unternehmen, um mehr Abstand zu den Fahrgästen zu kriegen, zum Beispiel durch Schließen von Wagen. Klar, es ist unmöglich, die Hygienevorschriften des Robert-Koch-Instituts einzuhalten (1,5 m Abstand, Händehygiene….). Erst Recht, weil die Führerstände und Züge schon vor Corona dreckig und klebrig waren und man bei 4-5 Stunden fahren ohnehin nicht zum Hände waschen kommt. Abfertigung und Kundenbetreuung sollen auch weiter laufen. Von den Versprechungen, dass mehr gereinigt würde, ist nichts zu sehen!

Wenn Kolleg*innen, die Arbeit ablehnen und sich selbst versuchen zu schützen, Ärger und Redeverbot bekommen, ist das ein Verbrechen!

Die Chefetage, die selbst in einwandfreien Büros arbeitet, schickt einfach Weisungen raus und droht, falls wir unter diesen Umständen die Arbeit ablehnen würden. Aber wie können wir sie dazu zwingen, dass sie sich ernsthaft auf die Suche nach Desinfektionsmitteln und Seife machen? Und die Dienstpläne anpassen, damit mehr Pausen sind zum Waschen, und damit wir nicht in Pausenräumen aufeinander hocken? Wir müssen unseren Schutz selbst in die Hand nehmen!

Die „Helden“ der Krankenhäuser in Not

In Deutschland haben wir die Spitze der Infektionen noch nicht erreicht. Aber in Italien und Frankreich ist es in den Krankenhäusern schon chaotisch: wie im Krieg werden die Patienten nach Überlebenschancen sortiert! Die Beschäftigten sind am Ende ihrer Kräfte und selbst ohne ausreichende Schutzmaßnahmen!

Wenn wir uns mit dem Virus anstecken, wie werden wir dann hierzulande versorgt werden? In Krankenhäusern, in denen seit Jahren alles zusammengestrichen wurde?

Wenn wir unbedingt arbeiten müssen, dann nur mit maximalem Schutz! Für alle anderen: ab nach Hause bei vollem Lohn!

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