Großer „wilder“ Streik in Frankreich: Bahner der SNCF gegen das Gesetz der Profite

Am Mittwoch, 16. Oktober, gab es am Bahnüberg­ang in Saint-Pierre-sur-Vence in den Ardennen einen Unfall mit mehreren Verletzten. Ein Regional­zug krachte in einen Sondertransport. Der Unfall hat gezeigt, wie gefährlich die Sparpolitik der SNCF ist. Ein Drama konnte nur Dank der Gelas­senheit des Lokführers verhindert werden, der allein an Bord war. Selbst verletzt lief er noch 1,5 km, um nachfolgende Züge zu warnen!

Als Antwort darauf legten am Freitag Lokführer und Zugbegleiter den Bahnverkehr lahm. In vielen Regionen, wie den Ardennen, fuhr am Wochenen­de nichts mehr, der Streik breitete sich wie ein Vi­rus in Frankreich aus. Selbst im Pariser Raum. Die SNCF spricht von einem „wilden Streik“ und einer „überraschenden Situation“. Aber die Wut der Bah­ner ist angesichts der Sparmaßnahmen nicht so überraschend. Dass immer mehr Züge ohne Zug­begleiter fahren, bringt sie auf die Palme. Und sind die „Wilden“ nicht eher die, die den öffentlichen Dienst zusammenstreichen? Die Bahner der SNCF berufen sich auf ihr Recht, bei mangelnder Sicherheit die Arbeit ablehnen zu dürfen. Die SNCF behauptet, das wär‘ illegal. Aber die Wut der Bahner lässt sich nicht so leicht runterkühlen und sie sind stolz auf diese Aktion!

Money, money, money, must be funny, in the DB-Vorstandswelt

Zwischen 2008 und 2018 soll es im Bahnvorstand 60 Beraterverträge im Volumen von rund 13 Mio. Euro gegeben haben, so bislang in der Presse. Tat­sächlich gibt es mehr dieser Verträge und dazu üppige Pensionszusagen. Doch die größte Sorge des Vorstands ist, dass wir das genaue Ausmaß dieses Parasitenlebens erfahren könnten. Weil ein Mitglied der GDL aus dem Aufsichtsrat, Unterlagen an die Presse weitergegeben haben soll, soll er nun aus dem Aufsichtsrat ausgeschlossen werden. Wir brauchen mehr Transparenz über alles in diesem Moloch namens DB, nicht weniger.

Spirelli-Party und Kameras

Der erste aufgemotzte 481 wurde groß gefeiert. Klar, die 250 Millionen, die die S-Bahn extra bekommt, müssen irgendwie gerechtfertigt werden. Die Geschäftsführung will sich auch für die Zukunft als zuverlässiger Partner präsentieren und was uns angeht, naja, wahrscheinlich soll uns das auch irgendwie stolz machen, wahrscheinlich.

Was die Geschäftsführung dabei an Aufmerksam­keit für uns als Menschen übrig hatte, lässt sich leicht am Preis der billigen Jägerschnitzel mit Spirellis ablesen, die es für DB-Mitarbeiter bei dem Event gab…

Aber die Kameras richteten sich ja auch lieber auf die neuen Kameras und Videomöglichkeiten in den aufgehübschten 481er. Der Grad der Wertschät­zung unserer Arbeit ließ sich dabei am Grad der Begeisterung für diese Dinge ablesen: je größer die Begeisterung für die Überwachungstechnik, desto geringer das Interesse für uns. Denn keine Kamera wird uns helfen, wenn es Probleme gibt. Wir werden dann weiter alleine sein, wenn auch künftig mit gestochen scharfen Bildern.

Allein ist gefährlich

Als kürzlich der Sonderzug mit den Fußballfans brannte, musste auch eine S-Bahn evakuiert wer­den. Aber der Tf musste das alleine machen! Was für ein Stress…

Früher konnte man mit den Aufsichten zusammen­arbeiten und auch schwierige Situationen stemmen. Sind die weg, kommen die Probleme, gerade in brenzli­gen Situationen. Das ist nicht nur eine Überforderung für die konkret betroffene Kollegin oder Kollegen, sondern auch ein echtes Sicherheitsproblem im Bahnbetrieb. Was bei Regio die fehlenden Zugbegleiter sind, sind die fehlenden örtlichen Personale bei der S-Bahn. Die Probleme sind dieselben wie bei den SNCF-Bahnern in Frankreich. Die Verärgerung auch…

Urlaubsplanung ok? Oder wer hat den Finger in unserer Suppe?

Einige Lokführer hatten versucht, den Umstand der Schichtarbeit für die Urlaubsplanung auszunutzen und hier und da mit cleverer Planung ein Schnäppchen rauszuholen. Aber es gibt nur selten ein Entrinnen. An anderer Stelle wurden die clever geplanten Tage oft wieder reingeholt; nur nicht immer abgesprochen. Urlaub muss vereinbart werden! Ist ja schließlich unsere Freizeit! Wer was anderes erzählt, sollte wenigstens vorher mal ins Gesetz gucken.

Opa, Vater, Tochter, Enkel – alle schuften auf der Galeere?

Seit Jahren fordert die Wirtschaft in Deutschland die Rente mit 70. Jetzt ist ihnen auch die Bundes­bank zur Seite gesprungen. Faktisch ist das die Drohung weiterer Kürzungen. Das kommt passend zu den Verhandlungen zwischen SPD und CDU zu einer Mindestrente. Man will uns sagen, Leute, seid froh, wenn es nicht noch schlechter kommt… Und das, obwohl schon mehr als jede zweite Altersrente in Deutschland unter 900 Euro liegt.

Das Problem ist nicht, dass der „Rententopf“ leer ist. Das Problem ist, dass die großen Unternehmen zu wenig zahlen, und zwar an Löhnen und Beiträgen. Die Renten müssen steigen, die Konzerne sollen zahlen!

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