Deutschland: 25 Jahre Bahnreform

Wie viele staatliche Betriebe wurde Mitte der 1990er – trotz viel Kritik – die Bundesbahn privatisiert und auf der Schiene der heilige Wettbewerb losgelassen. Wie sieht‘s heute bei der Deutschen Bahn aus? Erinnern wir uns, wie wurde damals die „Bahnreform“ begründet? Investitionsstau, schrumpfender Verkehr, Überschuldung der Bundesbahn… Alles sollte mit der Privatisierung besser werden. Doch in den letzten 15 Jahren stiegen die Preise im Nahverkehr um 53% und im Fernverkehr um 47%, tausende Kilometer Gleise wurden abgebaut, die Zugverspätungen nehmen zu, der Bahnverkehr benötigt heute mehr Steuermittel, hunderttausende Arbeitsplätze gestrichen, es gibt brennende ICE-Züge… ach ja, und „Investitionsstau“ und Schulden.

Die Zukunft der Bahn liegt im Bus

Weil der Wettbewerb so toll ist und es mit den vielen profitgetrimmten Privatbahnen so viel besser läuft als bei der ollen staatlichen Bundesbahn, fahren jetzt in Bayern auf den Nebenstrecken… Busse! Nach DB Regio (Deutsche Bahn) hat es nun auch die Länderbahn (Netinera) fett erwischt: Züge fahren auf bestimmten Strecken bis 31. Oktober gleich gar nicht mehr, nachdem es schon wochenlang Ausfälle gegeben hat. Keine Baustelle, kein Unwetter, schnöder Personalmangel ist die Ursache. Die Bahnen schichten den letzten Rest auf die Hauptstrecken und die Leute in den kleineren Städten steigen aufs Auto um, um zur Arbeit zu kommen. Vorwärts mit der Bahn ins 20. Jahrhundert!

Aber grüüüün ist sie doch

Das mit dem Zugfahren macht zwar Probleme, aber dafür haben die neuen ICEs im Fernverkehr grüne Streifen, statt der üblichen roten, um dem Ganzen einen ökologischen Anstrich zu verleihen. „Schnellster Klimaschützer“ steht auch drauf. Deutsche Bahn-Chef Lutz strahlt zufrieden in die Kameras angesichts dieses greengewashten Gaga-PR-Coups. Aber fahren die neuen Dinger auch oder sind die nur hübsch? Um dieser Heuchelei noch eins draufzusetzen, ist die DB auch der größte Käufer von Glyphosat. Zuletzt spritzt die Bahn noch 60.500 km ihrer Gleise mit dem giftigen Unkrautvernichter, der in Grundwasser und angrenzende Gemüsegärten geht. Und die angeblichen 100% Ökostrom im Fernverkehr, mit dem viel Werbung gemacht wird, schrumpfen beim genauen Hinsehen auf nur 57%. Der Rest kommt aus Kohle- und Atomkraftwerken. Von solchen PR-Maschen wird man ganz grün… vor Verärgerung.

Zuviel des Guten ist schlecht für die Autobranche

Autominister… äähhh Bundesverkehrsminister Scheuer hat vor dem Sommer seine Pläne zu Klimaschutzmaßnahmen vorgelegt. Viel hat der Transportsektor seiner Meinung nach nicht zum Klimaschutz beizutragen. Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene? Nicht so sein Ding. Im vergangenen Jahr wurden mit LkWs 3,7 Mrd. Tonnen Güter transportiert, aber nur 0,4 Milliarden auf Schienen. Scheuers Ministerium will daran nichts ändern… zugunsten der Autoindustrie. VW, Daimler, sie werden zufrieden sein.

DB – süchtig nach Abbau

Dazu passt, dass es bei der DB weitere Planspiele gibt, den Güterverkehr zu rasieren. Die Hälfte der Güteverladestellen könnte geschlossen werden, Zehntausende Arbeitsplätze würden gestrichen. Erst kloppen diese Manager auf jedes Stück Bahn ein, um es auf Profit zu trimmen, und wenn es dann „schlecht“ läuft, werden die Bahnteile zu „sanierungsbedürftigen Sorgenkindern“.

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