Die Bahn feiert „Solidarität“ mit sich selbst

Die Bahn feiert „Solidarität“ mit sich selbst

Im Bahntower klopfen sie sich stolz auf die Schultern für den Abschluss mit der EVG: Die Löhne sollen zum 1. Januar 2022 in Höhe der Inflation – mindestens 0,5 und maximal 1,5 % – steigen. Das ganze soll bis Februar 2023 gelten. Für untere Lohngruppen soll es eine Einmalzahlung geben, falls die Inflation unter 1 % fällt. Betriebsbedingte Kündigungen als Folge der Corona-Krise sollen ausgeschlossen werden. Ihre sogenannte „Einstellungsoffensive“ für „stark um­worbenen Fachberufe“ soll „weiter“ laufen.

Das wäre nicht nur eine „Nullrunde“, sondern weniger. Die Preise werden sicher nicht sinken. Der Köder ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Sie spielen mit den Sorgen um den Arbeitsplatz. Aber ihre Zusage ist nichts wert. Die Bahn wird sich vielleicht zurückhalten, weil es ohnehin überall an Fachkräften mangelt. Einstellungen sind sowieso nötig. Aber es gibt keine Garantie, dass nicht eher der Wasserkopf in den Elfenbeintürmen anwächst und beim Betriebspersonal sich kaum was ändert.

Dass die DB mit dem „Bündnis für die Bahn“ zu­frieden ist, kann man verstehen. Dass die EVG-Chefs den Mist schön reden, ist unerträglich. Dass es um drei Jahre geht, in denen wir die Klappe halten und nicht mal an Streik denken sollen, ist ein Skandal. Die bescheidenen Nachforderungen der EVG-Verhandler angesichts der vielen Diskussionen unter den Kollegen sind zu wenig. Sie sprechen nicht in unserem Namen!

Und die Milliarden…

Die Schönfärberei ist auch deshalb Verarsche, weil Milliarden für die DB locker gemacht werden. Alleine 11 Milliarden zusätzlich aus Klimapaket und 5,5 Milliarden als Ausgleich wegen Corona… und wir sollen nichts davon abbekommen?

Nötig ist: ein „Bündnis für die Beschäftigten“

Laut GDL sind 350 Millionen Euro allein deshalb zusammengekommen, weil die 3.000 „Führungs­kräfte“ einmalig auf Bonus verzichtet haben. Das sind durchschnittlich 100.000 pro Mensch. Sie sind jetzt bestimmt nicht auf Hartz IV. Solange wir solche Löhne nicht haben, denken wir nicht mal im Traum ans „Verzichten“.

Poltern gehört zu ihrem Geschäft

Der DB-Vorstand hatte im August auch die GDL zu Tarifverhandlungen über einen Sanierungstarifver­trag aufgefordert und Druck gemacht. Die GDL- Chefs haben mit der „empörten“ Antwort abgewartet. Wollten sie die „Nullrunde“ zwischen DB und EVG nicht stören?

Seiler und Lutz werden sich allerdings auch von ein paar Worten nicht einschüchtern lassen. Und da es auch der GDL-Spitze um eine profitable Bahn geht, liegen sie vielleicht nicht so weit auseinander.

Dieses Säbelrasseln bringt uns nicht weiter. Wir selbst müssen uns einmischen. Und Streiks? Das ist sicher mal wieder nötig.

Diskussionen lassen sich nicht absagen

Die Betriebsversammlung bei der S-Bahn ist wie­der mal abgeblasen. Welcher Grund ist möglichst schwammig und erntet die meisten verständ­nisvollen Blicke? Corona, natürlich. Der Virus ist eine schöne bequeme Kiste geworden. Es gäbe so viele Sachen zu diskutieren: Tarifverhandlungen, Home-Office, Schutz gegen Corona und die Aus­schreibung, auf die sich die S-Bahn vorbereitet…

Hätte unangenehme Fragen geben können? Sicher! Aber auch ohne Betriebsversammlung lau­fen die Diskussionen weiter. Das ist wie mit Wasser, das findet immer seinen Weg.

Die Aussichten? Gewitterwolken!

Ein Kollege hat es öffentlich in einem ausführlichen Text auf den Punkt gebracht: die S-Bahn-Leitung hat sich mit der neuen BV Arbeitszeit freie Hand geschaffen, um uns maximal flexibel einzuteilen. Unter anderem mit dem Wegfall der bisherigen Schichtlagepläne und der völligen Individuali­sierung ist alles Unmögliche möglich.

Die Diensteinteiler sehen genau, dass sich da was zusammenbraut, wenn die Chefetage das durchzieht. Die werden sich das allerdings nicht trauen, wenn es schon im Vorfeld genug rumort.

Nerven bringt was

Viele bei der S-Bahn waren sauer wegen der neuen Regelung zur Anmeldung der Wunschtage bei der Altersteilzeit. Es gab intern so viele Diskussionen, dass die Chefs uns entgegen­kommen mussten. Druck von unten kann was bringen, vielleicht auch bei anderen Teilen dieser BV…?

Das Leben ist kompliziert

Wenn in Friedrichstraße die Mittagshitze raufknallt, ist es unerträglich. Seit 7 Jahren soll das Klimagerät angeschlossen werden. Dieses Jahr aber wirklich und mit Außenluftzufuhr. Es gab sogar einen Termin… und dann war der Schlauch zu kurz! Das verflixte siebente Jahr aber auch.

Bloß weg von Schwarzen Löchern!

Letztens war nach einem Personenunfall die Leitstelle wieder lange nicht erreichbar. Dort gibt es schon seit Langem Klagen, dass die Schönwetter­personalbesetzung nicht reicht. Nun waren wieder nur zwei Ausbildungsstellen zum Personal­disponenten ausgeschrieben. Zu wenig! Ohne belastbares Störkonzept muss man als Tf eben im Zweifel den Zug abstellen.

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