Aufstand der Bevölkerung in Kasachstan

Der Wutausbruch begann am Sonntag im Westen des Landes als Reaktion auf die stark gestiegenen Preise für den wichtigsten Treibstoff des Landes, Flüssiggas (LNG), nachdem zum Jahreswechsel die staatliche Höchstpreisgrenze aufgehoben worden war. Am Dienstagabend hatten die Behörden versucht, die Lage zu beruhigen, indem sie eine Preissenkung von 120 Tenge pro Liter zu Beginn des Jahres auf 50 Tenge (0,10 Euro) ankündigten. Doch die Massenproteste breiteten sich im ganzen Land aus, denn es geht um mehr als die Gaspreise: um die unerträgliche Korruption, die miserablen Lebensbedingungen, Armut und Arbeitslosigkeit… Die Proteste erreichten die Wirtschaftsmetropole Almaty, wo die Demonstranten das wichtigste Regierungsgebäude und den Flughafen stürmten und sich erfolgreich der Polizei widersetzten. Als Reaktion darauf löste der Präsident und Diktator, Kassym-Jomart Tokajew, die Regierung auf, blockierte das Internet und verhängte den Ausnahmezustand. Durch die Polizeirepression wurden bereits dutzende Demonstrierende getötet, mehrere Tausend verletzt. Ein von Russland angeführter Militäreinsatz erreichte jetzt auf Bitten des kasachischen Diktators das Land.

Das ölreiche, bei ausländischen Investoren beliebte Kasachstan ist ein sogenanntes „präsidiales“ Regime, das seit 1990 nur zwei Präsidenten hatte: Nursultan Nasarbajew und seit 2019 Kassym-Jomart Tokajew. Aber auch die autoritärsten und diktatorischsten Regime können zusammenbrechen, wenn die Bevölkerung aufbegehrt. Der Sieg der Bevölkerung dort wäre eine Ermutigung für alle Bevölkerungen der Region, die unter Inflation und Diktatur leiden. Angesichts steigender Preise steigt bereits die Unzufriedenheit in Russland und der Türkei.

Beitragsbild: Protest in der Stadt Aqtau Foto: Isa Tyazhenbayev / ITAR-TASS / IMAGO

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