
Am 14. September 2025 sind Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen. Wir treten in Düsseldorf in vier Wahlkreisen an. „Klasse gegen Klasse“ hat mit unseren Kandidat:innen Rika Bunse, Mai Weber, Lino Unrath und Sophia Henze gesprochen. Wir spiegeln hier das Interview:
Wie läuft der Wahlkampf bisher so? Was für Reaktionen bekommt ihr von den Leuten auf der Straße?
Der Wahlkampf ist Anfang August so richtig in Schwung gekommen. Für die meisten Parteien bedeutet es, jede Laterne mit nichtssagenden Parolen zu behängen. Wir waren etwas spät dran, aber machen fünf Wahlkampfstände pro Woche in den Vierteln. Die häufigste Reaktion war Erleichterung, dass endlich jemand klare Kante zeigt mit der Parole “Gaza Genozid stoppen”. In der brüllenden Hitze wurden uns sogar Getränke geschenkt, aber es gab auch Kritik. Der Mut, dem Kapitalismus den Kampf anzusagen, gefällt einigen, die von den politischen Entwicklungen frustriert sind. Eine Kneipenbesitzerin war sofort Feuer und Flamme dafür, unseren Stammtisch zu beherbergen.
Was unterscheidet euren Wahlkampf von den anderen Parteien?
Wir sprechen ungeniert aus, was falsch ist und was wir zum Leben brauchen. Das gehört sich nicht für sogenannte “regierungsfähige” Parteien. Statt vagen Versprechungen nach “weniger Stress im Job” oder “mit Bus und Bahn von A nach B” sagen wir “Kapitalismus raus aus der Klinik – und runter von den Schienen” und fordern 650 Euro mehr auf alle Bruttolöhne. Mit letzterem sagen wir den Bossen direkt den Kampf an, denn keine nettere Steuerpolitik beendet die Ausbeutung, sondern die Kämpfe der Arbeiter:innenklasse.
Welche politischen Schwerpunkte setzt ihr in eurem Wahlkampf? Welche Sektoren der Gesellschaft versucht ihr vorrangig zu erreichen?
Wir haben es geschafft, zu dieser Wahl vier Direktkandidat:innen aufzustellen. Wir haben uns Bezirke ausgewählt, in denen die Wahlbeteiligung niedrig ist, genau wie die Einkommen in der Nachbarschaft. Weit von den gläsernen Firmensitzen und teuren Cafés der Innenstadt leben hier die Leute, die alles am Laufen halten. Die Beschäftigten von Henkel, Mercedes, Flughafen und Uniklinik sprechen wir genauso an, wie die Rentner:innen, die nach langen Arbeitsjahren keine Dankbarkeit erwarten und den Jugendlichen, die spüren, dass sie um ihre Zukunft betrogen werden. 2000 Euro Mindestrente, und keinen Cent für Kriege – das bedeutet aus unserer Perspektive, für Sicherheit zu kämpfen, keine Polizeikontrollen und Militarisierung.
Explodierende Mieten und knapper Wohnraum sind auch für viele Düsseldorfer:innen ein wichtiges Thema. Welches Programm stellt ihr dagegen auf?
Jedes Jahr klettern die Mieten um fünf Prozent. Die Politik der Rot-Grünen Mehrheit vor 2021 hatte dasselbe Ergebnis wie die des aktuellen CDU-geführten Stadtrats: Luxussanierungen, schöne Wohnungen für „Gutverdiener:innen“ aber Verdrängung und Wegzug für Arbeitende. Die Lage ist katastrophal. Der reformerische Weg, im Stadtrat mit Linke und SPD für ein paar mehr “preisgedämpfte” Neubauten einzutreten, wäre nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir wollen keine Mietpreisbremse, sondern niedrigere Mieten. Das lässt sich nicht vereinen mit dem Anspruch der Immobilienhaie, ihren Profit aus unserer Not zu schlagen. Wir treten ein für die Instandsetzung von Bruchbuden und die Umwandlung leerer Bürogebäude und Bauruinen in Wohnraum. Der Kapitalismus hat unsere Stadt genug geprägt, es ist an der Zeit, unser Recht auf Wohnen geltend zu machen – ohne Rücksicht auf das Privateigentum von Konzernen und Aktionär:innen.
Die Linke ist seit dem Winter im Aufwind, viele linke Organisationen wenden sich der Partei zu und besonders junge Leute unterstützen überproportional stark die Linke. Nicht zuletzt mit dem Argument, dass die AfD dadurch weniger Sitze bekommt. Warum tretet ihr trotzdem unabhängig von der Linken an?
Der neue Aufschwung der Linkspartei zeigt den wachsenden Widerstand dagegen, was sich in der Welt und vor unseren Haustüren abspielt, und die Entschlossenheit vieler, dabei den Rechten nicht das Feld zu überlassen.
Doch schon in den Monaten seit der Bundestagswahl hat sich gezeigt, dass die Führung der Partei auf Anbiederung an CDU, SPD und Grüne setzt, anstatt auf die Kräfte ihrer Basis und auf Streiks, Proteste und Bewegungen. Dabei weicht sie wichtige Positionen, wie zur Militarisierung und Rente, auf. Das Bedürfnis nach einer Einheit der Linken darf nicht bedeuten, sich diesem Kurs unterzuordnen. Wir brauchen klare Kante, um die Rechten zu stoppen! Mit unserem Wahlantritt stehen wir für eine Einheit der Revolutionär:innen ein.
Die Wahl ist eine Möglichkeit, sich als unterschiedliche Organisationen für eine größere Kampagne zusammenzutun – klar abgegrenzt von der wiederholten Enttäuschung durch die LINKE, welche dadurch oft als nur eine von vielen Parteien wahrgenommen wird. Mit dieser Perspektive wollen wir auch die jungen Leute erreichen, die der Motor hinter dem Wahlerfolg der LINKEN sind.
Besonders der Genozid in Gaza gerät in Deutschland immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Selbst Merz musste jetzt die Einschränkung von Waffenlieferungen verkünden. Wie nehmt ihr die Stimmung auf der Straße wahr?
Zur Forderung “Gaza Genozid stoppen!” bekommen wir mit Abstand die meiste positive Resonanz. Wie oben bereits erwähnt, sind viele Leute dankbar dafür, dass wir eine klare Haltung zeigen. Pro Nachmittag mussten wir uns bisher zwar auch jedes Mal mit jeweils einer pro-zionistischen Person auseinandersetzen, aber sonst erleben wir in jeder Alters- und Berufsgruppe Fassungslosigkeit und Wut über das, was in Gaza passiert. Gestern kamen zwei höchstens dreizehnjährige Mädchen zu unserem Stand und waren zunächst kritisch, weil sie das Wort “Genozid” nicht kannten und deshalb unsicher waren, auf welcher Seite wir stehen. Bevor wir klären konnten, dass wir uns gegen den Völkermord an den Palästinenser:innen stellen, waren sie schon bereit, uns zu konfrontieren.
Welche Lehren zieht ihr aus dem Wahlantritt im Winter für die Bundestagswahlen, den wir gemeinsam bestritten haben?
Die positive Bilanz der gemeinsamen Kampagne zu den Bundestagswahlen hat uns überhaupt erst dazu motiviert, auch in Düsseldorf einen Wahlantritt zu versuchen. Die Erfahrung aus Berlin hat uns gezeigt, dass Gesicht zeigen nicht nur Risiko, sondern vor allem Chance und Notwendigkeit ist. Wir haben schon im Winter erlebt, wie stärkend es ist, positive Resonanz von Kolleg:innen zu erfahren und von Freund:innen und Familie unterstützt zu werden. Ein Wahlantritt bedeutet Sichtbarkeit für unsere politischen Ideen, aber vor allem bietet er viele Möglichkeiten, mit uns aktiv zu sein. Wir konnten mit der Gewissheit in den Wahlkampf starten: Wir werden als Gruppe wachsen – wir werden mehr und besser werden.
Wo kann man euch genau wählen?
Die Wahlbezirke zur Kommunalwahl entsprechen nicht einfach den Stadtvierteln von Düsseldorf, sondern sind sehr willkürlich eingeteilt. Die vier Wahlbezirke, in denen man uns wählen kann heißen Flehe/Universität/Oberbilk Süd (Mai Weber), Holthausen Ost/Reisholz (Lino Unrath), Unterrath West (Rika Bunse) und Lichtenbroich/Unterrath Ost/Rath West (Sophia Henze).
Vielen Dank und viel Erfolg euch für die Wahlen.
Untersützt uns im Wahlkampf! Untersützt uns mit einer Spende:
https://www.goodcrowd.org/fuer-eine-welt-ohne-grenzen-krieg-und-ausbeutung30

Schön, daß es noch Träumer gibt !
Schade, daß ihr noch uralte Scheuklappen in euch tragt, und die Überwindung alter Klassenkampftheorien nicht ermöglicht.
Euer Treffen im Niemandsland hat mich entäuscht.
Euer einstudiertes Klassenkampfgerede schreckt ab und so werdet ihr die heutigen Massen nicht erreichen.
Mit der Diktatur eines Proletariats, daß es nicht mehr gibt, werdet ihr keine Kriege überwinden, sondern neue erzeugen.
Wieviele Tote soll und wird euch das eingebildete `Paradies` kosten.
Wo bleibt ein sozialistisches genossenschaftliches Modell, mit dem ihr Menschen erreichen könntet und friedlich überzeugen.
Ihr glaubt, uralte klassenkampftheoretische Weisheiten gefressen zu haben und erkennt nicht, daß wir darüber längst hinaus sind.
Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen könnte – beispielhaft und in Eigenverantwortung selbst praktiziert – die Massen – oder besser – jeden einzelnen Menschen eher überzeugen.
Wir laden euch gerne ein, mit uns im Niemandsland eine neue gesellschaftliche und sozial friedlich Zukunftsperspektive zu entwickeln, die Aussicht auf des Überleben der Menschheit hat und in der der Begriff Wohlstand nicht mehr nur materiell begriffen wird.
Und noch etwas – der Kapitalismus beginnt in der Egozentrik unserer aller Gehirne und kann in diesem Sinne nicht abgeschafft sondern nur kontrolliert überwunden – also begrenzt werden.
Ich glaube kaum, daß ihr euch auf eine offene und antiautoritäre Diskussion darüber einlassen werdet.
Denn ihr glaubt ja schon, die Wahrheit und Weißheit gepachtet zu haben. Seid ihr auch in der Lage, sie mal in Frage zu stellen ?
Schön wärs – wahrscheinlich und vielleicht bekämt ihr dann auch meine Stimme – aber mit den Sprüchen von gestern bestimmt nicht !