2020 – Lasst uns den Unternehmern ihre gute Laune verderben

2020 – Lasst uns den Unternehmern ihre gute Laune verderben

Die Ausschreibung und Zerstückelung der S-Bahn wird von vielen Seiten (sogar bei den Grünen) als falsch gesehen. Kaum einer verteidigt überzeugt diese Ausschreibung. Aber trotzdem marschiert die grüne Verkehrssenatorin voran, und der gesamte Senat latscht hinterher. Was für eine Ironie!

Erinnern wir uns: bis 1995 war die S-Bahn rein öffentlich, nicht privatisiert, und hat nahezu zu 100% zuverlässig funktioniert, die Schichten waren humaner, es gab mehr Leute, Werkstatt, Planung, Verwaltung, Fahrbetrieb aus einer Hand…

Am 18. Dezember gab es deshalb unerwünschten Besuch bei der Senatsverwaltung von Bahnern, Studis und Unterstützern: Unsere Protestkundgebung gegen die Ausschreibung der S-Bahn war unübersehbar und unüberhörbar!

Lassen wir die S-Bahn und alle potentiellen Investoren wissen, dass wir eine aufmüpfige Truppe sind und sie besser die Finger von uns lassen und besser nicht mal im Traum an weitere Verschlechterungen unserer Arbeitsbedingungen denken. Der Protest am 18. war nur der Anfang, machen wir das kommende Jahr zu einem Jahr weiterer Aktionen.

Die Zukunft der Bahn in den Träumen des Vorstands… eine Bahn ohne Züge!

DB Cargo plant im ersten Schritt 150 Güterloks und 5.000 Waggons in eine Verleihfirma zu schieben und das Ganze an einen Investor zu verkaufen…. um sie dann wieder zurück zu mieten. Das soll eine Milliarde bringen, auf dem Papier. Ab 2029 will Cargo so komplett seinen Bedarf aus der Verleihfirma decken. Auf dem Papier sieht‘s für künftige Investoren und Finanzinstitute besser aus, aber von schönem Papier fährt noch kein Zug.

Das weiß auch der Cargo-Vorstand und hat in seiner Planung für nächstes Jahr gleich noch weniger Güter auf der Schiene eingeplant. „Mehr Verkehr statt Gewinnstreben“ sollte die neue Leitlinie sein. Na, fängt ja schlecht an…

Übergriffe und kein Ende

In letzter Zeit gab es wieder viele Übergriffe: Olympiastadion, Spindlersfeld, auf der S1.

Wir haben die Nase voll, die Wange dafür hinzuhalten, wenn es immer wieder an Sicherheit und Personal mangelt.

Bei Symbolpolitik (hallo S-Bahnwachen) ist die S-Bahn ganz groß; aber groß auch beim Schaffen von Arbeitsbedingungen, die gefährlich sind. Bei Verstößen gegen das Arbeitsschutzgesetz oder das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 618: Pflicht zu Schutzmaßnahmen) sind wir durch nichts verpflichtet, nur die Arschbacken zusammen zu kneifen und immer weiter zu fahren.

Abstimmung mit den Füßen

Zum Jahresende gehen viele ausgebildete und er­fahrene Kolleginnen und Kollegen von der S-Bahn weg. Die Chefetage tut so, als wären das Ein­zelfälle und nicht Folge eines grundsätzliches Problem: die schlechten Arbeitsbedingungen, die Dienstpläne, und ein Meldestellenkonzept, das künftig am Liebsten nur im Interesse der Wirtschaftlichkeit und Planbarkeit für das Unternehmen funktioniert. Man kann die Kolleg*innen, die gehen, gut verstehen.

Kein MET, erst Recht nicht zum Frühstück

Die Arbeitsgruppe „Zielbild“ hat ihre Arbeit beendet, eine „Mobile Einsatz Truppe“ steht auf dem Wunschzettel der S-Bahn-Geschäftsführung: Tfs sollen dazu gebracht werden, auf einen Teil der Planung der Schichten und die Festlegung der Vorzugsmeldestelle zu verzichten. Angeblich wolle man das nur erstmal ausprobieren, nach einem Jahr könnte man dann mal gucken.

Die Erfahrungen bei Regio zeigen: wenn man das Ding erstmal in die Welt gesetzt hat, wird man es nicht so einfach los. Und wer soll in das Team kommen? Die, die jetzt schon soviel fahren, weil sie alle Baureihen haben? Nur weil das Unterneh­men uns mehr ausquetschen will? Wir brauchen mehr Planbarkeit und ruhigere Schichten, nicht weniger! Keine weiteren „mobilen“ Teams, sondern ausbilden, ausbilden, neue Kollegen und alle auf allen Baureihen.

Alte Liebe rostet nicht

Nicht nur bei der DB AG gab es „Beraterverträge“ mit früheren Spitzenmanagern, auch bei den Tochterunternehmen. Die sollen jetzt untersucht werden, ob die extrem hohen Summen „gerechtfertigt“ sind. In einem Laden, in dem millionenschwere Abfindungen und irre Vorstandsgehälter üblich sind genauso wie dubiose „Beraterverträge“ soll es jetzt „Aufklärung“ geben.

Nun, da müssen sich die Clanmitglieder sicher keine großen Sorgen machen.

Beste Laune in den Vorstandsetagen

Um 26% ist seit Jahresbeginn der DAX gestiegen. Fast ein neuer Rekord. Die Vorfreuden der Börsenheinis und Konzernmanager sind berechtigt: die 30 DAX-Unternehmen verkündeten Ende November diesen Jahres 3,5% höhere Gewinne gegenüber dem Vorjahr (was auch schon ein Superjahr war), ganz vorne VW – insgesamt sagen die Prognosen, dass allein die DAX-Unternehmen 130 Milliarden Euro Gewinne in diesem Jahr eingefahren haben werden.

Stößchen! Da sind sie die Milliarden, die angeblich überall fehlen.

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