Wir müssen die Großen enteignen

Der Zugfunke – 03. April 2019 als pdf

Aber es gibt doch Kohle
Auf der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bahn verkündete Finanzchef Doll, das „operative Ergebnis“ sei in etwa wie letztes Jahr. 2,1 Milliarden wären rausgekommen. Dass die Medien und Finanzheinis trotzdem betrübt gucken, ist eine der Absurditäten des Kapitalismus.Die Zahlen bei den Neueinstellungen sind einbisschen aufgehübscht. Lutz erzählte, dass 24.000Kollegen eingestellt worden wären. Aber die waren meistens Ersatz für ausgeschiedene und man muss nach ihnen suchen, denn laut Info macht etwa die Hälfte einen „richtigen“ Job, der Rest taucht als„sonstige“ auf. Für die tollen Leistungen hat sich der Vorstand insgesamt 6,498 Millionen an Gehältern gegönnt. Das war also die qualifizierte Ausgabenkontrolle…

Die Leiden des Lutz
Trotzdem ist Lutz unglücklich und lässt das auf der Bilanzpressekonferenz auch raushängen. Es gäbeda bei der Bahn Wachstumsschmerzen. Ja, wirhaben auch Schmerzen… im Portmonee.

Hauptsache so tun, als ob und schlechte Laune verbreiten
Die BVG-Kolleg*innen sind sauer auf das viel zugeringe Angebot des Unternehmens, vor allem, weiles keine Arbeitszeitverkürzung geben soll. Deshalb war wieder Streik. Und während wir das vollverstehen können, zwitscherte wieder unsere Chefetage, man wolle unbedingt den Betriebaufrecht erhalten, wir sollten alles geben (warum sollten wir?). Nach dem Streiktag klopften sie sich auf die Schultern, wie toll sie zusätzliche Fahrtenorganisiert hätten. Wenn es darum geht, unserenKollegen bei der BVG in den Rücken zu fallen, ja, dagibt die Chefetage alles… sogar Trainer wurden auf den Zusatzzügen gesehen! Aber wo nix an Zügen ist, kann auch nix eingesetztwerden. Solches Gerede kann niemanden beeindrucken.

„Alles neu“ wie immer
So ein geschwollenes Gerede von wegen „wir fassen alles an“. Wieder gibt es eine Arbeitsgruppe,in die die S-Bahn-Geschäftsführung auch ein paar Kollegen reingelassen hat. Diese Arbeitsgruppen sind ein alter Trick. Am Ende entscheidet die Geschäftsführung nach ihren Prämissen. Die Geheimnistuerei in der Zwischenzeit soll verhindern, dass wir unsere Forderungen auf den Tisch packen. Das ist nicht das erste Mal. Die S-Bahn-Chefs haben sich verkalkuliert, wenn sie denken, dass wir diese Lehre vergessen haben. Wenn man bei den Videos genau hinschaut undzuhört, werden die Ziele klar: „kleinstmöglicher Aufwand“. Und kein Wort von sozial oder familienfreundlich, echte Entlastung für uns.

Die Herrschaften gehen auf Reisen
Die Arbeitsgruppe vom Zielbild kündigt an „Wir gehen auf Reisen“. Die feschen Typen aus demVideo wollen mit uns über ihre Ideen für uns reden.Wir hätten da schon mal ein paar Themen:- Die Schichtlagepläne sind eine Verbesserung zumTarifvertrag – das muss mindestens bleiben- Meldestelle vor der Tür muss sein- Schichtbeginn mitten in der Nacht muss weg- in den Schichten muss es Luft zum Atmen geben, bevor es in die nächste Runde geht.

Berlins Next Topmodel
Sieben Unternehmen haben sich schön gemachtund sich für die geplante Ausschreibung zur Fahrzeugbeschaffung präsentiert. Das Zwischenergebnis zur „Markterkundung“ liegt vor. Die S-Bahn soll gegebenenfalls Werkstätten zur Verfügung stellen, aber sicher will sie dafür ordentlich Asche. Der Poker geht weiter. Und um alle aufzumischen überlegt die Verkehrssenatorin, Beschaffung und Betrieb auf verschiedene Lose aufzuteilen… ähnlich wie bei Regio. Der S-Bahn-Betrieb könnte am Ende auf fünf Pakete aufgeteiltsein. Nicht nur ein Unternehmen darf das S-Bahn-Netz künftig runterwirtschaften, sondern mehrere. Wir haben kein Interesse an solcher Aufspaltung, aber die DB, die selbst ausgliedert und aufspaltet,bis kein Auge trocken bleibt, wird deshalb nicht zuunserer Freundin.

Vattenfall ohne Strom
Als der Strom letztens Südkreuz ausfiel, konnte einem so einiges durch den Kopf gehen: ist Vattenfall stinksauer, weil das Stromnetz wiederan das Land Berlin gehen soll? Oder ein Fingerzeig in Richtung Umweltministerin, es mit Kohleausstieg nicht zu ernst zu nehmen? Am Ende doch „nur“ eine beschädigte Stromleitung.

Letzte Woche waren wieder 25.000 Schüler*innen inBerlin und Tausende in anderen Städten auf derStraße, um für dringend notwendige Maßnahmenzum Klimaschutz zu demonstrieren. Ohne Streikwird man nicht gehört

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