Wer Bezahlt den Preis?

We need you!

Weil Osram weniger Miete bezahlen will, ziehen mehrere Abteilungen um. Dafür soll die Produktion in der jeweiligen Abteilungen vorübergehend ausgesetzt werden. Werden die Kolleg:innen freigestellt, um die Umzugsfirma arbeiten zu lassen? Waaarte mal!

Wenn man geizig ist…

Wer billig umziehen will, weiß das schon: es gibt nichts Besseres als Kumpel anzurufen. Osram hat aber entschieden, dass wir selbst den Umzug schaffen: sind wir nicht eine große Familie?

Eine Umzugsfirma sei dem armen Unternehmen zu teuer. Die Extragewinne aus Coronazeiten? Ams streicht sie ein: kein Geld für den Umzug! Ziel der Operation ist, weniger Miete an Aventos zu bezahlen. Wenn der Umzug 0€ kostet, dann wird die Operation gleich einträglich!

Und wenn alles fertig ist, kriegen wir bestimmt ein Dankeschön, das kostet nicht viel Geld.

Woher kommt und wohin führt dieser Geiz?

Die Ams-OSRAM AG plant einen Umsatz „mit einer bereinigten EBIT-Marge von 15% oder höher im Jahr 2024“. Die Armut von Osram ist also relativ. Wäre Osram so arm gewesen, hätte ams nicht das Unternehmen geschluckt. Seitdem handelt Ams genauso wie der ehemalige Mutterkonzern Siemens, der jahrelang die Gewinne abgesaugt hat.

Laut Ams-Osram sollen natürlich die hohen Gewinne Perspektive und Investitionen ermöglichen. Ein Blick auf den Standort hier in Berlin reicht aber aus, um die Wahrhaftigkeit dieser Aussage zu prüfen.

Macht das Spaß?

Mit dem Umzug sind die Schlosser und Elektriker unter Druck, und für die anderen, naja: Handschuhe, Sicherheitsschuhe und ab in den Fahrstuhl! Magst du den Gabelstapler bedienen? Den fährt man ohne Führerschein: willste probieren?

Was die Sicherheit angeht… das prüft man vielleicht eher im Nachhinein, wenn alles fertig gemacht ist :-).

Weniger Geld, ja, das gibt‘s immer. Mehr…

Nach der Schließung des Glaswerks Ende April werden die Kolleg:innen eine neue Stelle im Betrieb bekommen. Osram hat aber angeblich keinen gleichwertigen Job für alle: manche Kolleg:innen sollen einfach runtergestuft werden! Komischerweise soll keine:r von ihnen mehr Geld verdienen…

Osram nutzt die Schließung des Glaswerks, um bei den Löhnen zu sparen. So wird den Kolleg:innen gedankt, die Tag und Nacht, am Wochenende und Jahre lang die Öfen bedient haben.

Siemens und der Krieg

Siemens macht Geschäfte in der ganzen Welt und ist besonders daran interessiert, die Sanktionen gegenüber Russland durchzusetzen. Nicht weil das Schicksal der ukrainischen Bevölkerung dem Vorstand wichtig wäre, sondern weil ihre wirtschaftlichen Interessen in ganz Osteuropa auf dem Spiel stehen.

Daher überredet Siemens die Kolleg:innen, die „Sanktionen“ scharf anzuwenden. Das ganze Geschäft mit Russland und Belarus sei laut Siemens auf Eis gelegt (aber nicht ganz storniert…). Die Kolleg:innen dürfen nicht mal ein Update von Software nach Russland schicken.

Alles wäre einfach, wenn die Sanktionen nur die Oligarchen betreffen würden, was aber nicht der Fall ist.

Außerdem vermittelt Siemens, dass auch hierzulande die Kolleg:innen die Wirkungen der Sanktionen spüren werden. Corona war nur ein Anfang: laut dem Vorstand sollten die Mitarbeiter:innen die Machenschaften der Großmächten unterstützen. Und selbst die IG Metall hält die Sanktionen für Maßnahmen, „die uns allen Opfer abverlangen werden“.

Was können wir gegen den Krieg machen?

In fast allen Betriebe wurden Spendenaktionen für die Ukraine organisiert. Selbst bei uns hat letztes Wochenende auf dem Betriebsgelände etwas stattgefunden (am Wochenende waren aber leider wenige Kolleg:innen da).

Eine effiziente Opposition zu den Untaten der russischen Armee kann aber vor allem vor Ort stattfinden. Seit Anfang des Krieges hat sich die Diktatur von Putin verschärft. Wer „falsche“, also kritische Informationen über diesen Krieg verbreitet, dem drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, und schon von „Krieg“ zu sprechen ist in Russland verboten. Ein Mann wurde festgenommen, weil er das Buch „Krieg und Frieden“ von Tolstoi gezeigt hat, eine Frau, weil sie bei einer Mahnwache ein weißes Blatt Papier hochhielt (sieh in der Zeitung Aurora den Artikel „Russische Stimmen gegen den Krieg“). Selbst in Berlin haben letzten Samstag Russ:innen versucht, Bilder vom Krieg auf die Wand der russischen Botschaft zu projizieren. Die deutsche Polizei hat jedoch die Aktion blockiert.

Wir begrüßen den Mut aller dieser Protestierenden!

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