Praktisch kein Tag vergeht ohne Streiks. Erst der
Nahverkehr in Brandenburg, dann letzte Woche der
Streik der Sicherheitsleute an den Flughäfen in NRW
und Hamburg. Zwei Drittel der Flüge fielen aus. Die
meisten Sicherheitsleute bekommen gerade mal 11,80
€ die Stunde. Sie fordern 2,50 € mehr. Diese Woche
Montag streikten in Berlin 5.000 Lehrer und Erzieher.
Auch sie wollen Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Außerdem fordern sie für gleiche
Arbeit gleichen Lohn. Dienstag folgten 2.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes in mehreren Bundesländern mit einem Warnstreik für 6,5% mehr Geld,
bessere Urlaubsregeln und die Übernahme der Azubis. Mittwoch machen die Sicherheitsleute an den
Flughäfen und der öffentliche Dienst weiter.
Das wirkt, so dass sich Unternehmer öffentlich über
die Streiks aufregen. Dieter Hundt, Präsident der Arbeitgeberverbände hetzt gegen die Sicherheitsleute:
„Es ist unverantwortlich, völlig utopische Lohnforderungen von 30% und mehr auf dem Rücken der Fluggäste und Fluggesellschaft auszutragen.“ Wenn sich
Hundt Sorgen macht, dass die Fluggäste gut reisen
können, dann soll er doch seinen Unternehmerfreunden raten, schnell die Lohnforderungen zu erfüllen.
Die sind nur bereit, 40 Cent mehr zu zahlen… brutto,
selbstverständlich. Der Vertreter der Bundesländer,
Sachsen-Anhalts Finanzminister Bullerjahn (SPD),
kritisierte die Forderungen der Angestellten im öffentlichen Dienst als „überzogen“. „Das geht auch nicht zu
finanzieren“, sagte er. Ja, für Unternehmen, ganz zu
schweigen von Großprojekten wie BER und Stuttgart
21, sind Milliarden da, aber für die Arbeitenden nicht.
Klar, die Unternehmer wollen Streiks verhindern. Sie
behaupten, in „fairen Verhandlungen“ und „konstruktiver Gesprächsatmosphäre“ diskutieren zu wollen.
„Konstruktiv“ ist es für sie, wenn die Beschäftigten wie
gehabt weiterarbeiten… Dabei können sich die Unternehmen allzu oft darauf verlassen, dass Gewerkschaftsspitzen ins selbe Horn blasen, und lieber auf
Streiks verzichten, sobald sich die Chefetagen nur ein
bisschen gesprächsbereit zeigen.
Von „fairen Verhandlungen“ haben wir nichts zu
erwarten
Was die Arbeiterklasse braucht sind sichere Arbeitsplätze und ein Lohn, der für mehr reicht als Pferdelasagne. Doch ganz im Gegenteil zwingen uns Staat
und Unternehmen immer mehr Arbeit in weniger Zeit,
Minilohnerhöhungen, oder gar Lohnkürzungen, Leiharbeit und Personalabbau auf. Immer finden sie einen
Vorwand, wir kennen ihre Lügen. Arbeitende und Unternehmer haben offenkundig entgegengesetzte Interessen.
Die Unternehmen wollen ihre Ziele mit allen Mitteln auf
Kosten der Arbeitenden durchsetzen. Manchmal sind
sie bereit, uns ein paar Krümel zu lassen, in der Hoffnung, wir geben uns mit dem zufrieden, was sie für
uns als angemessen erachten. So wie die 40 Cent
Lohnerhöhung, die die Sicherheitsfirmen in Gesprächen mit verdi angeboten haben. Aber wenn es wirklich ans Eingemachte geht, dann geben sie nichts
freiwillig. Da können wir noch so gute Argumente haben. Sie werden die Manager nicht überzeugen, denn
sie wollen so viel rausholen, wie es nur geht, um am
Ende die Taschen der Aktionäre zu füllen. Unter „konstruktiver Gesprächsatmosphäre“ verstehen sie, dass
wir ihre Vorschläge akzeptieren. Ein Verhandlungskompromiss ohne Streik ist nichts anderes als ein Diktat der Unternehmer.
Streik ist das einzige Druckmittel, um die Chefetagen auf Trab zu bringen
Durch Streiks verschaffen sich die Beschäftigten Gehör. Sie zeigen jedem, dass nichts ohne unsere Arbeitskraft läuft. Und in Streiks kommen wir raus aus
unserem täglichen Arbeitstrott. Statt Vereinzelung am
Arbeitsplatz können wir uns zusammenschließen. Die
ganze Willkür der Chefs ist in Frage gestellt und wir
kriegen mal wieder den Kopf hoch. Dann ist die Kraft
der Arbeiterklasse spürbar und die Durchsetzung der
Ziele der Arbeitenden rückt in greifbare Nähe.
