Der Zugfunke – 28. Mai 2015 Wie soll das denn gehen?
Für die Schlichtung in den Tarifverhandlungen haben DB und GDL absolutes Stillschweigen vereinbart. Nur, warum? Unsere Forderungen müsste die DB inzwischen auswendig können. Wir wissen auch alle, um was es geht. Dass Webers weinerlicher Singsang stört, könnten wir nachvollziehen…
Bei soviel Schweigen, wie wollen die denn da zu Potte kommen, wenn keiner etwas sagen darf? Werden die Verhandlungspositionen vorgetanzt?
Den Eiertanz um unsere Forderungen haben wir schon zu lange mit ansehen müssen.
Wenn es nach uns ginge, sollten die Verhandlungen öffentlich sein, damit die DB klar sagen muss, was sie anbietet und wir beraten können, ob wir damit einverstanden sind.
Die Bahn braucht weiterhin Druck von unten
Die DB ist jedenfalls nicht still, wenn es darum geht, nach dem Lohnabschluss mit der EVG zu verkünden, dass damit die Schmerzgrenze erreicht sei.
Die DB setzt Maßstäbe… jetzt, zu Beginn der Schlichtung. Und sie wird alles versuchen, jede echte Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu vermeiden.
Voll der Kracher
Die einen streiken, die anderen nicht, viele Kollegen möchten nicht Streikbrecher sein.
Als unter dem Druck des GDL-Streiks auch EVG-Führungsleute von Streik sprachen, dass es „kracht“, konnte man auf „dumme“ Gedanken kommen: Ist doch genial, wenn wir unsere Forderungen – so unterschiedlich sie auch sind – zusammen durchsetzen würden. Wir könnten nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden. Nicht mal die Privatbahner könnten von der DB angeheuert und zu Streikbrecherarbeiten gezwungen werden. Würde das schön krachen.
Fifty Shades of Grey bei der DB
Die DB hat es gar nicht aushalten können, uns nach der Ankündigung des Streikendes mit Sehnsuchtserklärungen per SMS zu überhäufen. Wir sollten uns ganz schnell melden. Was für eine Liebe… um uns dann wieder täglich mit kleinen Schlägen zu traktieren.
Trinkst du nur Kaffee oder streikst Du schon?
50 Bahner und Bahnerinnen sitzen in der Sonne zusammen und diskutieren über den Streik und das Streikende. Nicht unnormal im Streiklokal am Ostbahnhof. Solche Streikversammlungen bringen alle enger zusammen, man merkt, dass man mit seiner Meinung nicht allein ist und der Mut ist viel größer. Könnte sein, dass die DB-Oberchefs ein bisschen sauer wären, wenn das Schule machen würde. Und vielleicht gäbe es dann mehr von solchen öffentlichen Erklärungen, wie die vom letzten Streiktag am Ostbahnhof: „Für uns stehen die Forderungen nach Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Begrenzung der Überstunden an erster Stelle. (…) In einer spontanen Versammlung erklärten alle Kollegen, die volle Streikbereitschaft auch über die Zeit der Schlichtung aufrecht zu erhalten.“
Tarifeinheit – für wen?
Das Tarifeinheitsgesetz soll am 1. Juli in Kraft treten. Begründet wird das mit „Ein Betrieb, ein Tarifvertrag“. Das ist schon längst nicht mehr der Fall. Wie viele Subunternehmen hat die Charité allein? 9! Vivantes? 16! Die Deutsche Bahn? 579! Jeder hat seinen eigenen Vertrag.
Es geht nicht um „Frieden im Betrieb“ oder „Einheit der Beschäftigten“, sondern darum, die kämpferischeren Teile der Belegschaften ausschalten. Die Arbeitgeberverbände freuen sich, die Wirtschaftsverbände jubeln, das ist ein Gesetz ganz in ihrem Sinne. Die angekündigten Klagen dagegen werden Jahre brauchen mit ungewissem Ausgang. Es ist unser Widerstand über Gewerkschaftsgrenzen und Berufsgruppen hinweg, jetzt, der das Gesetz verhindern wird!
Bahner bei Kita-Beschäftigten am Kanzleramt

Die Kita-Beschäftigten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn. Die Erzieherinnen-Samba-Gruppe brachte nicht nur ein bisschen Schwung in die steifen Lokführerhüften, der Besuch war auch ein erster Schritt, um die verschiedenen Aktionen in denselben Rhythmus zusammen zu bringen.
Nach Streikabbruch läufts gar nicht rund
Das hektische Streikende sitzt vielen noch in den Knochen. Bei Regio gibt es eine ganze Reihe von Zügen ohne Zugbegleiter, Lichtenberg – Eberswalde fährt wegen Personalmangel fast gar nicht, die Ausflugszüge nach Prenzlau und Neustrelitz sind ausgefallen. Sogar die Triebwagen und Loks waren vom plötzlichen Streikabbruch überrascht und streikten. Bei der S-Bahn blieben zig Dienste offen. Den Dienstreglern und Lokleitern machen solche ad-hoc Streikabbrüche die Arbeit schwerer.
Deshalb in Zukunft nach der alten Eisenbahner – Regel: Mit der nötigen Raschheit aber ohne Überstürzung. Bestehen Zweifel, Finger weg von einem funktionierenden Streik!
