„Im Durchschnitt war der Teich einen Meter tief –
und trotzdem ist die Kuh ersoffen.“ An dieses alte russische
Sprichwort fühlte sich neulich erinnert, wer den Großen Vorstehenden
Karl Max Einhäupl über angebliche „pädiatrische
Überversorgung in Steglitz“ schwadronieren hörte. Er meinte
damit die im CBF vorgehaltene pädiatrische Notversorgung,
die in seinen Augen angesichts der Zahl der niedergelassenen
Kinderärzt_innen pro Kopf im Bezirk… ja, geht’s noch,
Herr Professor? Wenn mit meinem Kind nachts was ist, wo
fahr ich da hin? Klar, ins größte Krankenhaus nebenan, da
hilft mir ihre Statistik über Kinderärzt_innen auch nicht weiter.
Ruhig mal Herz und Hirn einschalten – nicht immer nur die
Brieftasche.
Warme Worte auf Pustekuchen
Man brauchte wirklich viel Geduld um die letzte „Hart aber
fair“ – Sendung zu ertragen. Gesundheitsminister Gröhe und
der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft hatten
der Krankenschwester Jana Langer nicht mehr zu bieten, als
Beschwichtigungen und leere Phrasen. Denn überhaupt ist
doch alles nur halb so schlimm. „Die Menschen sind gut aufgehoben
in den deutschen Krankenhäusern“, so deren Fazit.
Das liege zum einen am tollen Personal und sei gleichzeitig
daran zu sehen, dass Deutsche im Urlaub aus dem Ausland
gern nach Hause in die Kliniken wollten, anstelle sich im Ausland
behandeln zu lassen. Nee, schon klar. Vielleicht liegt es
auch daran, dass man sich bei Diagnosen und Befunden in
seiner Muttersprache besser aufgehoben fühlt als in einer
Fremdsprache? Aber daran sieht man mal wieder, wie die
Herren sich die Welt schönreden und schönrechnen. Es ist
auch ihre Verantwortung, dass die Situation an den Krankenhäusern
so ist wie sie ist. Es ist Zeit, dass sie das auch zu
spüren bekommen, denn von ihren warmen Worten bekommen
wir nur noch Bauchgrummeln.
Was ist krasser?
Ja, es ist krass und eine Frechheit, dass der KAV im Saarland
erst Gesprächsbereitschaft signalisiert – natürlich unter der
Bedingung, dass der Streik abgesagt wird – und kaum ist der
Streik abgeblasen, will er von Gesprächsbereitschaft nichts
mehr wissen. Aber noch viel krasser ist doch, dass man jedes
Mal dieses doofe Spiel mitmacht. Jedes Kind weiß, dass wir
mündlichen Zusagen der Chefs nicht trauen können. Und jeder
weiß auch, dass sie alles tun, um den Streik zu behindern.
Jedoch gehört auch zu unserer Erfahrung, dass die Chefs
sich nur dann bewegen, wenn sie fühlen müssen. Und das tun
sie am besten durch Streiks. Das ist unsere Waffe. Kampagnen
(wie die aktuelle zur „Entlastung“) sind gut und schön für
die Öffentlichkeit – richtig Eindruck bei den Verantwortlichen
machen jedoch nur Streiks. Die Warnstreiks vom 27.03. können
da nur ein Anfang gewesen sein.
Rechenschiebereien
Die Lurati freut sich im Intranet unter dem Titel „Positives Jahresergebnis
2016“. Worüber? „… das wir in 2016, besonders
im Bereich der Pflege, neue Kolleginnen und Kollegen gewinnen
konnten…“ Nun wären 17.100 Beschäftigte im Konzern.
Ja, so viel Ehrlichkeit hat sie. Diese würden u.a. die Versorgung
von 695.000 Patient_innen sicherstellen. In ihrer Freude
ist ihr gar nicht aufgefallen, dass dem Dolderer von der Unternehmenskommunikation offenbar ganz andere Zahlen vorliegen.
Dieser gibt zum Leid vieler Bäume ein Blatt namens Charité kompakt heraus. Dort wird die Zahl der 2016 ambulant behandelten Patient_innen mit 663.000 angegebenen. Die Zahl von uns Beschäftigten liegt demnach bei 16.850!
Uns fällt aber sehr wohl die Differenz von 250 Beschäftigten
auf. Denn fast genau in dieser Zahl, nämlich 200, suchen wir
tagtäglich die angeblich zusätzlich eingestellten Schwestern.
Leider bisher vergebens. Da es auf Ostern zugeht: Wir suchen
auch die gestrichenen Diätassistent_innen, die fehlenden
Sozialarbeiter_innen für die Beratung der ambulanten Patient_innen oder auch die Reinigungskräfte für die schönen großen Zimmer im Hochhaus.
Mann Frei – wirklich?
Ja, Herr Frei, wir haben ja Verständnis dafür, dass das Zahlenwirrwarr
auch sie als Vorstand durcheinanderbringen kann. Doch sollten sie dann etwas weniger abfällig über unsere Forderung nach einer spürbaren Entlastung durch mehr Personal reden. Wie jüngst in der Morgenpost geschehen. Eine
Entlastung von der wir auch nach einem Jahr TV – GS nichts spüren. Sie behaupten 200 Schwestern sind zusätzlich eingestellt worden, also plus Fluktuation, gleichzeitig wären Leasingkräfte abgebaut worden. Nach ihrer Behauptung im Äquivalent von 50 Vollkräften. 2016 wurde die „stationäre Leistungssteigerung“ mit 2,7% angegeben. Von einer Angabe zum Krankenstand (bei Überarbeitung) sehen sie ganz ab. Und behaupten immer noch, es wäre zu einer spürbaren Entlastung
der Beschäftigten gekommen?
Nächstenliebe gibt’s nicht!
Auch im ach so christlichen Abendland wird von Nächstenliebe
und Co nichts mehr gehalten. Das katholische Franziskus-
Krankenhaus in Berlin-Tiergarten hat 34 langjährige Kolleg_
innen entlassen und mit billigerem Personal aus Servicetöchtern
ersetzt, da das Krankenhaus seit Jahren rote Zahlen
schreibe. Die Mitarbeiter_innen dürfen dagegen nicht mal
streiken, da für kirchliche Betriebe Sonderreglungen herrschen!
Und das zeigt uns auch mal wieder: selbst die mit
christlich-moralischem Anspruch halten nichts von Nächstenliebe,
wenn die Profite nicht stimmen. Wir können also nur auf
uns zählen, nämlich auf die, die unter diesen Sparzwängen
leiden!
Leuchtturm Mitte
Das Bettenhochhaus in Mitte strahlt und leuchtet mit seiner
weißen Fassade über ganz Berlin und manch Klinikdirektor
behauptet sogar, dass Mitarbeiter_innen und Patient_innen
vom Bettenturm begeistert seien. Meint der Herr damit etwa
die tropfenden Wasserhähne, die kaputten Fahrstühle und
Elektro-Türen, die abgewetzten Böden im OP oder sogar die
herunterfallenden Deckenplatten?
