Generation ohne Perspektiven?

Die neuesten Studien und Ergebnisse zur Arbeitslosigkeit
in Europa bestätigen das, was ein jeder schon
ahnte: Die Arbeitslosigkeit steigt. Das geht aus Zahlen
hervor, die die EU-Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg
veröffentlicht hat. Die Arbeitslosenquote in den 17
Euro-Ländern beträgt 10,9 Prozent – das ist ein
Höchstwert seit 1999. Gut 17,36 Mio. Menschen in der
EU sind ohne Arbeit.

Vor allem die Jugend trifft es hart

Und vor allem die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit
sind erschreckend. Über 5,5 Mio. Jugendliche unter 24
Jahren sind arbeitslos. Gerade in den krisengeschüttelten
Staaten, wie Griechenland oder Spanien, ist jeder
zweite Jugendliche ohne Job. Und auch in Italien
nimmt die wirtschaftliche Lage des Landes solch krasse
Ausmaße an, dass in der ärmsten Region Kampanien
(das ist bei Neapel) immer mehr Kinder die Schule
abbrechen, um ihre Familien zu unterstützen und irgendwo
arbeiten zu gehen. Allein in den Jahren 2005-
2009 waren es über 54.000 Kinder und 38% davon
waren unter 13 Jahre alt.

Kinderarbeit kann dabei vieles sein. Es beginnt bei der
Feldarbeit und endet bei allerlei niederen Tätigkeiten,
wie Autos waschen. Zwölfstunden Schichten sind für
die Kleinen dabei keine Seltenheit. Und da glauben
viele, Kinderarbeit gäbe es nur in der Dritten Welt!

Die hiesige Ruhe trügt

Wenn man den deutschen Politikern und Wirtschaftsexperten
Glauben schenken möchte, könnte man meinen,
hierzulande wäre alles in bester Ordnung. Doch in
Ländern wie Deutschland, den Niederlanden und Österreich
ist die Arbeitslosenquote nur deshalb niedriger,
weil die Ausbildung zum Beispiel länger dauert und
arbeitslose Jugendliche in allen möglichen Maßnahmen
vom Job-Center „geparkt“ werden. Aber auch in
diesen Ländern haben sie immer weniger Chancen auf
einen regulären Arbeitsplatz. 50 % aller neuen Arbeitsverträge
in der EU sind mittlerweile Zeitarbeitsverträge.
Bei den 20- bis 24-jährigen beträgt der Anteil sogar 60
%.

Und selbst ein abgeschlossenes Studium ist kein Garant
für einen festen Job. Die Generation Praktikum ist
dank der Bachelor/Master-Reform an den Unis traurige
Realität geworden. Dies bedeutet, dass junge Menschen
von Praktikum zu Praktikum hüpfen, immer in
der Hoffnung hierdurch endlich einen festen Job zu
bekommen. In der Regel sind diese Praktika völlig unterbezahlt
oder gar überhaupt nicht entlohnt.

Die Ausbeutung hat politische Flankendeckung

Das Anwachsen von Armut und sozialer Ausgrenzung
ist nicht allein ein Ergebnis der wirtschaftlichen Krise,
sondern auch die Folge einer gezielten Politik der europäischen
Regierungen und der EU. Trotz der alarmierenden
Zahlen fahren diese fort, das Rentenalter
hinaufzusetzen, öffentliche Arbeitsplätze abzubauen
und den Niedriglohnsektor auszuweiten – alles Maßnahmen,
die die Armut ausdehnen und es allen, aber
vor allem den jungen Arbeitenden immer schwieriger
machen, einen normalen Arbeitsplatz zu bekommen.
Alles nur, um den Staat zu sanieren?

Diese Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch
staatliche Maßnahmen und dazu die allgemeinen Kürzungen
bei den Sozialkassen sollen angeblich dazu
dienen, den Karren wieder flott zu machen. Wir wissen
alle, dass dies eine Lüge ist. Die öffentlichen Haushalte
sind verschuldet, weil sie von denselben Finanzeliten
und Unternehmen geplündert wurden, die jetzt von
dem Niedriglohnsektor profitieren. Die Steuern auf
Gewinne, Vermögen und hohe Einkommen sind seit
Jahren immer wieder gesenkt worden.

Die Armut der Einen ist der Reichtum der Anderen

So besitzen in Deutschland das reichste 1 % der Bevölkerung
23 Prozent des Gesamtvermögens. Und
allein 10 % der Bevölkerung besitzen 60 % aller Vermögen.
Die untere Hälfte besitzt dagegen lediglich 2
Prozent. Ein besonderes deutsches Problem? Nein,
ganz und gar nicht. „Eine Struktur, in der die Armen
weniger als 5 Prozent, die Mittelklassen 30-35 Prozent
und die Reichen über 60 Prozent besitzen, ist heute
ein typisches Muster, das sich in den meisten europäischen
Ländern findet“, heißt es in einem EU-Bericht.

Und nichts wird sich daran ändern, wenn weiterhin
Wirtschaft und Staat im Interesse der Unternehmerprofite
funktionieren.

Kein Tag vergeht, ohne dass in irgendeinem Land die
Arbeitenden auf die Straße gehen und ihre Rechte einfordern.
In Deutschland nahmen beispielsweise über
400.000 Leute an den 1. Mai – Kundgebungen teil. In
Griechenland gab es erneut einen Generalstreik. Tausende
Menschen demonstrierten allein in der Hauptstadt
Athen. In der russischen Hauptstadt Moskau versammelten
sich Schätzungen zufolge am 1. Mai
150.000 Menschen.

Es kann der Beginn einer europaweiten,
wenn nicht gar weltweiten Bewegung sein, die
das Kapital und seine Verteidiger in die Schranken
weist. Denn die Herrschenden in Europa üben immer
mehr Druck auf die Bevölkerung aus, so dass es keine
andere Möglichkeit geben wird, als sich auf der Straße
und in den Betrieben dagegen zu wehren. Und hierbei
muss und wird besonders die Jugend voran gehen, die
noch ein ganzes Leben vor sich hat und dieses Leben
nicht für immer in Armut verbringen will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert