„Wer weiß, was bei den Protesten herauskommt?
Am Ende kommen die
Muslimbrüder an die Macht!“ Dieses
Argument wird von vielen Politikern und
Medien wiederholt. Damit werden Zweifel
gesät, ob die Revolution in Ägypten
wirklich unsere Sympathie verdient und
die heuchlerische Haltung des Westens
(„im Prinzip für Demokratie, aber …“)
wird so gerechtfertigt. Auch Mubarak
selbst hat seine Diktatur und den Ausnahmezustand
gern mit Verweis auf
das Schreckgespenst Muslimbrüderschaft
begründet.
Die Muslimbrüder vertreten eine reaktionäre
religiöse Ideologie. Auch
wenn sie viel von Demokratie reden,
fordert ihr politisches Programm von
2007, dass nur männliche Muslime Präsident
werden dürfen. Und trotz der
sozialen Projekte, die der Muslimbrüderschaft
Unterstützung unter den armen
Schichten verschafft haben, steht
sie voll und ganz hinter dem kapitalistischen
Ausbeutungssystem. Von den
wenigen superreichen Familien Ägyptens,
die die Wirtschaft beherrschen,
soll ein Drittel zur Muslimbrüderschaft
gehören. Die Bruderschaft kontrollierte
Schätzungen zufolge schon in den
80er Jahren Unternehmenskapital von
über 10 Milliarden US-$.
Diese Brüder sind also in der Tat ein
nicht zu unterschätzender Feind für die
ägyptische arbeitende Bevölkerung.
Doch das beste Mittel gegen die Muslimbrüderschaft
besteht gerade im Sieg
der Revolution! Die grausame Unterdrückung
durch das Mubarak-Regime
hat der Brüderschaft Achtung verschafft.
Die jetzigen Proteste, bei denen
Muslimbrüder eine völlig untergeordnete
Rolle spielen, lässt die Muslimbrüderschaft
links liegen!
