Wie aus einer Antikriegsbewegung eine globale Jugendbewegung wurde

Vor 60 Jahren begannen die ersten großen Antikriegsbewegungen in Deutschland anlässlich des Vietnam-Kriegs. Über die Dynamik einer gewaltigen Jugendbewegung. Am 5. Februar 1966 fand die erste große Demonstration statt. In Westberlin demonstrierten Tausende gegen die US-Intervention in Vietnam.
Aufgerufen zur Demonstration hatte der SDS, der „Sozialistische deutsche Studentenbund“, nachdem die Regierung der BRD im Januar 1966 ihre Unterstützung des US-Krieges erklärte. Am Ende des Protestmarsches wurde das Amerika-Haus mit Eiern beworfen und die amerikanische Flagge auf Halbmast gehangen. Die Polizei schlug zurück und setzte Gummiknüppel ein. Diese Demonstration kann als Beginn der deutschen Studentenbewegung betrachtet werden.

Die Antikriegsbewegung in den USA als Vorbild

In der amerikanische Opposition gegen den Krieg in Vietnam verbanden sich die Bürgerrechts-, die Studierenden-, die Hippie- sowie eine ältere Anti-Atomwaffen-Bewegung. Die Proteste Hunderttausender Afroamerikaner:innen und weißer Mittelschichtler gegen den Krieg in Vietnam, gegen die US-amerikanische Rassentrennung und für Gleichberechtigung inspirierten junge Menschen weltweit.

Die Wehrpflicht in den USA machte die Armee zu einem Massenheer. Überdurchschnittlich viele Afroamerikaner und „Weiße“ aus der Arbeiter:innenklasse mussten nach Vietnam. Ab 1966 wurde der Wehrdienst außerdem auf Studenten ausgeweitet, was die Antikriegshaltung zusätzlich beschleunigte. Rückkehrende Soldaten berichteten von den amerikanischen Kriegsverbrechen in Vietnam und engagierten sich in der Friedensbewegung.

Vom Kampf für den Frieden zum Kampf für die Befreiung

Mit zunehmender Fortführung des Krieges wurde die Antikriegsbewegung radikaler.  Am Anfang war die Parole „Frieden für Vietnam“ vorherrschend, wurde aber zunehmend durch die Parole „Waffen für die FNL“ ersetzt. Immer mehr Menschen erkannten den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Krieg und sahen im Vietnamkrieg einen US geführten imperialistischen Krieg zur Unterdrückung des vietnamesischen Volkes. Mit der Entstehung des Kapitalismus hat sich die Anzahl der Kriege enorm erhöht und dessen Brutalität ist ebenfalls stark gestiegen, wie die beiden Weltkriege zeigten. Die Überwindung des Kapitalismus wurde zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Bewegung.

Auch dank internationaler Proteste ein Ende des Krieges

Überall auf der Welt gab es Proteste gegen den Vietnamkrieg, daraus entstanden in vielen Ländern große Bewegungen. In den meisten Ländern war sie sehr studentisch geprägt, aber in einigen beteiligte sich auch die Arbeiter:innenklasse aktiv an der Bewegung.

In  Deutschland war einer der Höhepunkte der Vietnamkriegskongress im Februar  1968 an der TU Berlin mit 5.000 Teilnehmenden und 44 Delegationen aus 14 Staaten. Auf diesem Kongress wurde klar, dass es eine internationale Bewegung gegen Krieg und Kapitalismus gibt. Die anschließende Antikriegsdemo mit 20.000 Demonstrant:innen war die größte Vietnamkriegsdemo jemals in Berlin.

Noch entscheidender war die immer stärker werdende Protestbewegung in den USA. Immer mehr junge Männer weigerten sich, für die Kapitalinteressen der USA zu sterben. Allein 50.000 flüchteten vor dem Kriegsdienst nach Kanada, 3.150 Männer wurden ins Gefängnis gesteckt, weil sie den Dienst an der Waffe verweigerten. Legendär wurde der Ausspruch des Boxers Muhammed Ali, der seine Kriegsdienstverweigerung öffentlich damit begründete, noch nie von einem Vietcong rassistisch beleidigt worden zu sein.

Die Moral der Soldaten in Vietnam wurde immer schlechter. Laut Schätzungen war jeder vierte Soldat in irgendeiner Form an Protesten gegen den Krieg beteiligt. In manchen Fällen töteten sie gar ihre Offiziere, damit ihre Einheit kampfunfähig war. Diese Protestbewegung und der entschlossene Kampf der FLN und der vietnamesischen Bevölkerung gegen die US-Streitkräfte führte zur Niederlage der USA und ihrem Truppenabzug im Jahr 1973.

Ein Beispiel für die heutige Antikriegsbewegung?

Die Antikriegsbewegung gegen den Krieg in Vietnam zeigt, dass politische Bewegungen helfen können Kriege zu beenden. Darüber hinaus wurde immer mehr Menschen klar, dass der Krieg in Vietnam Bestandteil einer  kapitalistischer Welt war, in der Großmächte ständig um ihren Einfluss kämpfen. Wer Frieden will, muss die Revolution vorbereiten.

Karl Gebhardt, Berlin

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