Als die Regisseurin Kaouther Ben Hania im Dezember 2024 die Audioaufzeichnungen von Hind Rajab hörte, entschied sie, einen Film darüber zu machen. Die Stimme des Mädchens, das in
Gaza stundenlang auf Rettung wartete, war vom Roten Halbmond aufgenommen und ihr zur Verfügung gestellt worden.
Es ist ein eindrückliches Gespräch. In unterbrochenen Telefonaten ruft das Mädchen um Hilfe und schildert, was sie im Auto umgibt: Die Körper von sechs Familienmitgliedern, die kurz zuvor von der israelischen Armee erschossen worden waren. Dem fünfjährigen Kind ist klar, dass die Schüsse nicht aufhören. Als sie schließlich selber getroffen wird, sagt sie ruhig, sie werde sterben.
Diese Originalaufnahmen bilden den dokumentarischen Kern des Films und machen ihn zutiefst berührend.
Der Film ist als eine sogenannte Doku-Fiktion angelegt, in der vor allem die Reaktion der Mitarbeitenden des Roten Halbmondes gezeigt wird, gespielt von Schauspieler:innen. Während der Telefonate entwickelt sich eine intensive Beziehung – bis grünes Licht für eine Rettung gegeben wird.
Der Film endet mit einem Foto der zwei eingesetzten Mitarbeiter des Roten Halbmonds, die bei der Rettungsaktion ermordet wurden.
Was hinter den Begriffen „Einsatz“ oder „Operation“ des israelischen Militärs in Gaza steht, ist das Grauen, das im Film gezeigt wird: Die Fortsetzung eines Genozids an den Palästinenser:innen, der seit 2023 Zehntausende Opfer gefordert hat, darunter viele Kinder. Die Qual von Hind Rajab ist nur ein Beispiel für das, was weiterhin geschieht.
Alle, die an der Grausamkeit der israelischen Armee zweifeln, werden durch diesen Film eines Besseren belehrt. Umso verständlicher, dass die Regisseurin den Preis von Cinema for Peace in Berlin am 16. 2. 26 ablehnte und deutlich machte: „Frieden ist kein Parfüm, das man über Gewalt sprüht […] Und Kino ist keine ästhetische Weißwaschung“, denn der gleiche Preis wurde auch an einen israelischen General gegeben.
Lorenz Wassier, Berlin
Kinofilm, 96 Minuten, Arabisch mit englischen (OmeU) oder deutschen (OmdU) Untertiteln.
